In Esslingen und in Filderstadt gibt es an diesem Freitag eine ganze Reihe von Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 2017 und 2021 hatte die Polizei im Kreis Esslingen mit acht Fälle von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten in Partnerschaften zu tun, bei denen der Mann der Täter und die Frau das Opfer war. Das jüngste Verbrechen wurde erst im vergangenen Februar verübt, als ein 59-jähriger Bediensteter des Landeskriminalamts in Kirchheim/Teck seine 58 Jahre alte Ehefrau auf offener Straße erschoss.

Doch der „Eisberg“ reicht tiefer: So hatte alleine das Esslinger Polizeirevier im Jahr 2020 in 135 Fällen von häuslicher Gewalt zu ermitteln. Die Dunkelziffer, dazu braucht es keine prophetischen Fähigkeiten, liegt um ein Vielfaches höher, weil solche Taten zumeist in den eigenen vier Wänden passieren und von den eingeschüchterten und verängstigten Opfern nicht angezeigt werden.

Information und Aktion

Es gibt also genügend Gründe für den Verein Frauen helfen Frauen, um das Thema am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen an diesem Freitag in Esslingen und in Filderstadt in den Fokus zu rücken. In Esslingen findet von 7 bis 9 Uhr auf dem Bahnhofsplatz eine gemeinsame Informationsveranstaltung der Frauen-helfen-Frauen-Gruppe, des städtischen Referats für Chancengleichheit, des Runden Tisches Häusliche Gewalt und des Esslinger Frauenrats statt. Zudem wird in der Stadt an drei Brücken mit Bannern und ansonsten mit Plakaten auf das Thema aufmerksam gemacht.

In Filderstadt kooperieren der Verein Frauen helfen Frauen, die Stadt mit ihrem Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit sowie der Filderstädter Frauenbeirat ebenfalls. Unter dem Motto „Orange Day“ gibt es vormittags Workshops an der Pestalozzischule, an der Gotthard-Müller-Schule und der Realschule im Bildungszentrum Seefälle. Diese tragen den Titel „Meine Beziehung? Meine Grenzen. Meine Entscheidung!“ und richten sich ausschließlich an Schülerinnen und Schüler.

Statements genau zur rechten Zeit

Allerdings schlägt sich der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen auch öffentlich nieder. Um 15 Uhr werden auf dem Dr.-Peter-Bümlein-Platz in Bernhausen nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Christoph Traub die Flaggen von Terre des Femmes gehisst. Die Frauenrechtsorganisation ruft seit 2001 zur Fahnenaktion „Frei leben – ohne Gewalt“ auf und Filderstadt war immer wieder einmal mit von der Partie. Verbessert habe sich die Situation aber leider nicht, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. So kommen die finalen Statements von Frauen helfen Frauen und vom Frauenbeirat mit der Forderung „Schluss mit Gewalt gegen Frauen“ genau zur rechten Zeit.

Die Wurzeln des Gedenktags liegen in der Dominikanischen Republik

Ursprung
 Am 25. November 1960 sind in der Dominikanischen Republik drei Frauen, die ihre aus politischen Gründen inhaftierten Ehemänner besucht hatten, von den im Land regierenden Trujillo-Machthabern ermordet worden. Die drei Mirabal-Schwestern wurden rasch zum Symbol für den Widerstand von Frauen gegen Unrecht und Gewalt.

Gedenktag
 Im Jahr 1981 riefen dann Feministinnen aus der Karibik und aus Lateinamerika den 25. November zum Gedenktag für weibliche Opfer von Gewalttaten aus. Weitere 18 Jahre später griffen die Vereinten Nationen diese Initiative schließlich auf und erklärten den 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.