Gegen Menschenhandel Amal Clooney und Ex-IS-Gefangene treffen Kretschmann

Von red/dpa 

Die ehemalige Gefangene der Terrormiliz IS, Nadia Murad und ihre Anwältin Amal Clooney haben sich am Montag mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann getroffen. Sie kämpfen gemeinsam gegen Menschenhandel.

Ministerpräsident Kretschmann mit Nadia Murad und ihrer Anwältin Amal Clooney. Foto: dpa
Ministerpräsident Kretschmann mit Nadia Murad und ihrer Anwältin Amal Clooney. Foto: dpa

Stuttgart - Sie ist eine zierliche, zerbrechlich wirkende Frau. Doch die junge Jesidin Nadia Murad ist hart und unnachgiebig im Kampf gegen die Versklavung ihrer Glaubensschwestern durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Die 23-jährige Irakerin, die eine dreimonatige IS-Gefangenschaft überlebte, soll nun im Namen der Vereinten Nationen auf die Qualen der Opfer aufmerksam machen. Der UN-Titel Sonderbotschafterin soll ihr dabei auch die Türen bei Regierungen in aller Welt öffnen. An ihrer Seite: die Anwältin Amal Clooney, Ehefrau von Hollywoodstar George Clooney.

Murad ist eine der wenigen Frauen, die sich trauen, ihr Martyrium zu schildern und so um Hilfe für Tausende von Frauen und Kindern, die noch in den Händen der Terrormiliz IS sind, zu erbitten. Vor dem UN-Sicherheitsrat hielt sie im Dezember 2015 eine Rede, die mit der Schilderung der ihr zugefügten sexuellen Gewalt erschütterte.

Der Stuttgarter Religionswissenschaftler Michael Blume sagt: „Wenn man damit an die Öffentlichkeit geht, ist das vor dem kulturellen Hintergrund dieser jungen Frau ein unheimlicher Willensakt.“ Ihr Engagement sei auch eine Art der Verarbeitung der erlittenen seelischen Verletzungen.

Ihr Traum löste sich in Luft auf, als Nadia Murad von der IS verschleppt wurde

Dass sie als Menschenrechtsaktivistin durch die Welt jettet, hätte sich die junge Frau mit den traurigen Augen und den langen dunklen Haaren vor wenigen Jahren nicht vorstellen können. Der Wunsch des Mädchens aus dem ländlichen Dorf Kocho in Nordirak war, nach der Schule einen Kosmetiksalon zu übernehmen.

Doch dieser Traum löste sich in Luft auf, als Schergen des IS im August 2014 das Dorf überfielen und die jungen Frauen mit in die Großstadt Mossul nahmen, um sie dort zu verkaufen. Dort kaufte sie ein Mann, der sie später an einen anderen weiterverkaufte. Diesem entfloh sie beim Kauf einer Burka. Eine Familie half ihr, ins kurdische Grenzgebiet zu kommen, wo sie in einem Flüchtlingslager nahe Dohuk Unterschlupf fand.

Der Tod hat seinen Schrecken verloren

Dort hörte sie im März 2015 von dem baden-württembergischen Programm zur Aufnahme von rund 1000 traumatisierten Frauen und Kindern aus dem Nordirak – und meldete sich und ihre Schwester an. „Wir hatten ja nichts und niemanden mehr.“ Ihre Mutter und sechs Brüder waren beim Überfall auf ihr Dorf im Sindschar-Gebiet im August 2014 umgebracht worden. Insgesamt töteten die IS-Terroristen mehr als 40 Mitglieder ihrer Familie, wie sie vor einiger Zeit bereits schilderte.

Wie kann eine junge Frau wie Nadia Murad so furchtlos in der Öffentlichkeit auftreten und damit riskieren, erneut Opfer des IS zu werden? Der Tod habe seinen Schrecken verloren, antwortet sie. „Er ist harmlos im Vergleich zu der Hölle, durch die wir alle gehen mussten.“ Von dem Programm der Stuttgarter Landesregierung erwartet sie, dass die gedemütigten Frauen und Kinder einmal die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen können. „Ich habe die Hoffnung, dass die Frauen und Kinder ein normales Leben, ein Leben mit Respekt führen können.“