Gegen Rechts Protest auf den Korber Straßen

Von Harald Beck 

Korber Bürger wehren sich gegen NPD-Treffen in ihrer Gemeinde. Um ein Zeichen zu setzen zogen 150 Demonstranten am Samstag durch den Ort.

150 Korber deonstrierten am Samstag (17.09.2011) gegen die rechte Gesinnung in ihrer Gemeinde. Foto: Rudel/Hass 3 Bilder
150 Korber deonstrierten am Samstag (17.09.2011) gegen die rechte Gesinnung in ihrer Gemeinde. Foto: Rudel/Hass

Korb - Dass der Demonstrationszug am Schwäbischen Hof im Gewerbegebiet von Korb (Rems-Murr-kreis) enden würde, das war klar. Schließlich hat sich dort in den vergangenen Jahren mehrmals die NPD zu ihren Landestreffen getroffen. Polizei und Rathaus hatten davon gewusst, die Sache aber unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gehalten.

Und trotz gegenteiliger Versprechungen der Wirtsleute sind nun im Juli dort wieder Springerstiefel und kahl geschorene Köpfe gesichtet worden. Grund genug für die Initiativen "Weiler schaut hin" und "Rems Murr Nazifrei", zu einer Demonstration in der Gemeinde aufzurufen.

Knapp 150 Leute sind am Samstagnachmittag dem Aufruf gefolgt und zwei Stunden lang durch den Ort bis ins Gewerbegebiet gezogen, wo der Schwäbische Hof von der Polizei mit Metallgittern abgeriegelt worden war. Mit Transparenten "gegen braune Flecken hier im Flecken" ging es durch die Straßen und hin zu einigen Orten mit historischem Bezug zur nationalsozialistische Vergangenheit der Kommune.

 Rechtsradikale Gesinnung hat Tradition

Zum Rathaus etwa, in dem einst ein Bürgermeister namens Karl Schick residiert hat, der nicht nur überzeugter Nazi war und nach dem Krieg als solcher inhaftiert wurde. Er gilt unter anderen als verantwortlich dafür, dass der Korber Alfred Leikam, heute als "Gerechter unter den Völkern" in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem geehrt, im KZ landete. Nach dem Ehrenbürger Schick ist noch heute eine Straße im Ort benannt, von Leikam zeugt eine kleine Tafel im Pfarrhaus.

Die Eduard-Spranger-Straße ist eine weitere Station gewesen. Benannt nach jenem Pädagogen, der es zum einen für ein Elend hielt, dass Frauen studieren wollen und zum anderen im "Sinn für den Adel des Blutes" den "positiven Kern der nationalsozialistischen Bewegung" sah. Auch der Grunbacher Ernst Heinkel hat als Hitlers einstiger Wehrwirtschaftsführer beim Korber Demozug an der Kreuzung zur gleichnamigen Straße politisch sein Fett abbekommen - als Kampfflugzeuge produzierender Kriegsgewinnler natürlich, aber auch als einer, der sich an enteignetem jüdischem Besitz bereichert habe und massenhaft Zwangsarbeiter ausbeuten ließ.

Korb also ein Ort, an dem rechtsradikale Gesinnung durchaus Tradition hat, so warnten und argumentierten die Demonstranten. Entlang der Strecke prangten auffallend viele rechtsradikale Aufkleber. "Gang sofort do weg", hat eine Korberin aus dem Fenster gebrüllt, als ein junger Mann Anstalten machte, einen der Bäbber mit rassistischen Sprüchen zu entfernen.

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