Gegner der Stuttgarter Kickers Der David greift an – droht dem SSV in Reutlingen Ablösung durch Young Boys?

Young-Boys-Coach Volker Grimminger (Mi.) schwört seine Spieler ein. Foto: /Imago/Eibner/Imago

Die Young Boys Reutlingen sind der erste Testspielgegner der Stuttgarter Kickers. Der Verbandsligist könnte für eine Wachablösung im Reutlinger Fußball sorgen. Die Hintergründe.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Ein Testspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem SSV Reutlingen? Undenkbar. Zu groß ist die Rivalität der beiden Fanlager. Zu hoch wäre der Sicherheitsaufwand für eine Vorbereitungspartie.

 

Die Kickers starten an diesem Samstag (14 Uhr/ADM-Sportpark) die Reihe ihrer Testspiele vor dem Regionalligastart nach der Winterpause gegen einen anderen Reutlinger Club: Gegen die erst im April 2006 gegründeten Young Boys. Nach dem ersten Aufstieg 2007 in die Kreisliga B folgten vier weitere. In dieser Saison seht das Team von Trainer Volker „Volle“ Grimminger (mit Ex-Kickers-Profi Marco Gaiser) nach 18 Spielen an der Tabellenspitze der Fußball-Verbandsliga – mit sechs Punkte Vorsprung auf den FC Holzhausen.

Da der große SSV Reutlingen (2003 noch in der zweiten Liga) in der Oberliga auf dem viertletzten (Abstiegs-)Platz rangiert, ist es gar nicht so weit hergeholt, dass es in der neuen Saison zu einer Wachablösung im Reutlinger Fußball kommen könnte – zumindest was die Ligazugehörigkeit betritt.

„Wir wollen in die Oberliga, da brauchen wir bei dieser Tabellenkonstellation gar nicht drumherum reden“, sagt Grimminger, der in der kommenden Runde mit einem Derby um Punkte gegen seinen ehemaligen Club rechnet: „Der SSV hat mit Thomas Herbst einen guten Trainer verpflichtet und ist auch von den Einzelspielern her stark genug, um den Klassenverbleib zu schaffen.“

Volker „Volle“ Grimminger: Da geht’s Richtung Oberliga. Foto: Baumann

Dann hält der 46-Jährige kurz inne – und ergänzt: „Außerdem haben sie einen Art Schutzengel.“ Worauf er anspielt: 2021 blieb dem SSV der Sturz in der Verbandsliga durch Corona erspart, 2024 blieb der Traditionsclub drin, weil dem 1. Göppinger SV als Vizemeister via Aufstiegsspiele der Sprung in die Regionalliga gelang.

SSV-Tradition nicht aufzuholen

„Die Tradition, die Fan-Kultur, die der SSV hat, können wir nicht aufholen“, bleibt Grimminger realistisch. Sportlich aber muss sich der Emporkömmling nicht verstecken. Die Young Boys sind nicht nur geografisch nah dran am SSV. Sie spielen neben dem über 15 000 Zuschauer fassenden Kreuzeiche-Stadion im Medica-Logistic Park (Kapazität rund 1500 Zuschauer).

Macher der Young Boys ist Thorsten Bauer. Der erfolgreiche Unternehmer aus der Finanzbranche steckt viel Geld und Herzblut in sein Hobby und hat den Verein gemeinsam mit Pietro Conte vor knapp 20 Jahren gegründet. Nach wie vor steht das Duo an der Spitze des Clubs. Bauer als Vorsitzender, Conte an seiner Seite. Can Celebri (Organisation und Kommunikation) kam später hinzu und komplettiert die Führungsmannschaft.

„Die Young Boys sind ihr Baby, sie wollen den Club und die Spieler entwickeln, keine teuren Stars verpflichten“, betont Coach Grimminger, der im Winter 2023/24 einstieg und vor kurzem bis 2027 verlängerte.

Was allen im Club am Herzen liegt, ist auch die Jugendarbeit, in der sich auch Ex-Bundesligaprofi Dennis Lapaczinkski als U-13-Coach engagiert. Und bei diesem Thema kommt erneut der SSV ins Spiel. „Wir müssen früher oder später gemeinsame Sache machen, vor allem in der Jugend ist dies überfällig“, hat Bauer bereits vergangenen Oktober in einem Interview gesagt. Doch der SSV zeigt bisher kein Interesse.

Wunsch nach NLZ in Reutlingen

Ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) für die Toptalente zwischen Stuttgart und Freiburg wäre in Reutlingen unter geografischen Gesichtspunkten optimal, findet auch Grimminger, den der Kiebinger Uefa-Pro-Lizenz-Inhaber Wolfgang Geiger einst vom SHV Königsbronn in die VfB-Jugend holte. Größter Erfolg des damaligen Außenverteidigers: Das 6:1 im August 2000 im DFB-Pokal unter Coach Rainer Adrion mit dem VfB II gegen die von Felix Magath trainierte Frankfurter Eintracht.

Der Mann kennt also den großen Fußball. Und sagt vor dem Test bei den Stuttgarter Kickers mit Blick auf seine Young Boys nur eines: „Meine Mission hier ist noch nicht zu Ende.“

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