Gehalt für pflegende Angehörige Wer Angehörige betreut, soll auch bezahlt werden

Pflegende Angehörige leisten viel – und verzichten auf viel: Freizeitvergnügen, Freundschaften, oft auch auf finanzielle Absicherung. Foto: /Westend61//Uwe Umstätter

Geht es nach der SPD im Land, sollen pflegende Angehörige in Baden-Württemberg ein Gehalt für ihre Leistung bekommen. Ein Ansatz, der den Pflegenotstand nicht löst, aber vor Altersarmut bewahren könnte, meint unsere Redakteurin Bettina Hartmann.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

Wer heute geboren wird, hat gute Aussichten 90 zu werden. Eigentlich schön – so lang man gesund ist. Doch wehe, man wird pflegebedürftig. Fünfeinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind bereits jetzt auf Unterstützung angewiesen, Tendenz steigend. Ambulanten Diensten und Heimen fehlt es derweil an Personal und Plätzen, an Geld sowieso.

 

Dass das System nicht kollabiert, ist dem Einsatz vieler Familien zu verdanken: Mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt, gut die Hälfte nur von Angehörigen – genauer: meist von Ehefrauen, Töchtern, Schwiegertöchtern, Nichten, die oft auch noch Kindererziehung, Haushalt und Beruf wuppen. Obwohl körperlich und psychisch enormen Belastungen ausgesetzt, bekommen sie dafür kein Geld, häufig nicht mal Wertschätzung.

Landes-SPD fordert Gehalt für

Ein Missstand, gegen den nun die Landes-SPD vorgehen möchte: Sie fordert in Baden-Württemberg die Einführung eines Gehalts für pflegende Angehörige – je nach Wochenstunden und Pflegestufe sind bis zu 2250 Euro brutto im Monat möglich. 100 Millionen Euro sollen dafür jährlich im Haushalt eingeplant werden. Viel Geld. Doch wer Pflege auf Dauer sichern will, muss dringend und schnell Prioritäten verschieben.

Der Pflegenotstand lässt sich mit einer Anstellung von pflegenden Angehörigen zwar nicht lösen. Ihre Bezahlung kann jedoch häusliche Betreuung stärken und professionelle Dienste entlasten, eine Heimaufnahme verhindern und Altersarmut bei Pflegenden wie Pflegebedürftigen abfedern. Der Vorstoß könnte zudem den Blick dafür schärfen, dass Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

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