Gehalt im Vergleich Ich verdiene 5000 Euro – gehöre ich damit zur Oberschicht?
Viele Bürger – selbst Topverdiener – verorten sich in der Mittelschicht, obwohl sie weitaus besser verdienen. Ab welchem Einkommen Sie als reich gelten.
Viele Bürger – selbst Topverdiener – verorten sich in der Mittelschicht, obwohl sie weitaus besser verdienen. Ab welchem Einkommen Sie als reich gelten.
Wie steht man mit dem eigenen Gehalt im Vergleich zu anderen da? Diese Frage treibt viele Beschäftigte um. Gefühlt zählt sich fast jeder zur Mittelschicht oder wünscht sich dies zumindest. Selbst der neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wähnte sich 2018 mit seinen Verdiensten in der Gesellschaftsmitte – obwohl er ein fast siebenstelliges Jahreseinkommen angab. Merz ist nicht allein: Studien belegen, dass viele Bürger ihr Einkommen auf einer Arm-Reich-Skala falsch einschätzen.
Doch wie definieren wir die Mittelschicht und wer zählt dazu? Einen ersten Anhaltspunkt liefert das Statistische Bundesamt. Demnach lag der mittlere Bruttojahresverdienst im vergangenen Jahr bei 52 159 Euro. Das bedeutet, dass die Hälfte der Vollzeit-Beschäftigten mehr als diesen Betrag und die andere Hälfte weniger oder genau diesen Betrag verdient hat. In die Berechnung der Behörde flossen auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld mit ein.
Der mittlere Wert oder Median ist nicht zu verwechseln mit dem Durchschnittswert, für den alle Verdienste summiert und dann durch die Anzahl der Beschäftigten geteilt werden. Dieser Wert lag 2024 bei 62 235 Euro, da besonders hohe Einkommen ihn nach oben treiben. Weil das Durchschnittseinkommen durch extreme „Ausreißer“ statistisch verfälscht wird, wird häufig das mittlere Einkommen als Maßstab genommen. Die Zahlen zeigen auch, dass Einkommen in Deutschland ungleich verteilt sind – je nach Region, Branche, Geschlecht und Bildungsstand bestehen teils große Unterschiede.
Das wirft persönliche Fragen auf: Wie stehe ich finanziell im Vergleich zur Bevölkerung in Deutschland da? Bin ich reich oder arm? Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln bietet dazu eine wissenschaftliche Definition, die sich in Einkommensgrenzen ausdrücken lässt. Bezugspunkt ist dabei der Median, also das mittlere Einkommen der Gesellschaft. Im Ergebnis gehöre eine Person zur Mittelschicht, „wenn ihr bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen zwischen 80 Prozent und 150 Prozent des Medians liegt“, erklären die Ökonomen.
Die Studienautoren verwenden die aktuellsten Mikrodaten der Europäischen Union über Einkommen und Lebensbedingungen in Deutschland, die sich auf das Einkommensjahr 2022 beziehen. Diese umfassen eine repräsentative Stichprobe von rund 73 000 Personen in rund 36 000 Haushalten. Im Ergebnis zählt ein Single im engen Sinne zur Mittelschicht, wenn er über ein monatliches Nettoeinkommen zwischen 1850 Euro und 3470 Euro verfügt. Für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren lagen die Einkommensgrenzen zwischen 3880 Euro und 7280 Euro.
Die Ökonomen begründen die Unterschiede: „Dass eine Familie mit vier Personen nicht das vierfache Einkommen eines Singles braucht, um zur Mitte zu gehören, liegt an der sogenannten Bedarfsgewichtung“. Demnach werde zum Beispiel berücksichtigt, dass Kinder weniger Geld als Erwachsene brauchen und nicht jedes Familienmitglied mit der eigenen Waschmaschine wäscht. Ob ein Haushalt zur Mittelschicht zähle oder nicht, hänge somit maßgeblich von seiner Größe und Zusammensetzung ab. „Insgesamt zählten im Jahr 2022 knapp 48 Prozent – also ungefähr jeder Zweite – zur eng definierten Einkommensmittelschicht“, berichten die Forscher.
Daneben machen die Ökonomen noch eine obere und untere Mittelschicht aus. Zur Schicht der relativ Einkommensarmen zählte eine alleinlebende Person im Jahr 2022, wenn sie über ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1390 Euro verfügte. Für Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren lag die Schwelle bei 1800 Euro monatlich, bei Paarhaushalten mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei einem Nettoeinkommen von weniger als 2910 Euro im Monat.
Wer wissen will, ob er zu den Topverdienern gehört, kann dies im Einkommensrechner des Instituts der deutschen Wirtschaft herausfinden:
Wer mehr als 250 Prozent des Medians im Monat zur Verfügung hat, zählt laut den Forschern zur Gruppe der relativ Einkommensreichen: Für Singles gilt das ab 5780 Euro netto im Monat, für eine vierköpfige Familie ab einem monatlichen Haushaltseinkommen von 12 140 Euro. Insgesamt gehören allerdings nur rund vier Prozent der Menschen in Deutschland zu dieser Oberschicht.
Dieser Befund deckt sich nicht mit der Wahrnehmung der Menschen in Deutschland. Frühere Befragungen zeigen, dass der geschätzte Anteil einkommensreicher Menschen bei 25 Prozent liegt. „Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen“, sagt Studienautorin Judith Niehues. „Dass man als Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von über 8670 Euro zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung zählt, überrascht viele.“