Auf seiner „Sommertour zu Stuttgarter Unternehmen“ hat OB Frank Nopper (CDU) erst kürzlich Holger Blecker getroffen, der seit 2017 CEO von Breuninger ist. Man sprach darüber, „wie man Einzelhandel und Gastronomie in der Innenstadt verbessern“ könne. Der geplante Verkauf der Warenhauskette sowie sämtlicher Immobilien sei kein Thema gewesen, heißt es am Donnerstag im Rathaus. Nach der Eröffnung des Weindorfs hat sich der Rathauschef in den Urlaub begeben, aus dem er unserer Redaktion ein Statement übermittelt hat.
„Breuninger ist ein ganz wichtiges Herzstück des Stuttgarter Einzelhandels“, erklärt der OB darin, „deswegen werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten alles dafür tun, dass Breuninger an seinem Stammsitz in der Stuttgarter Innenstadt bleibt und sich hier sogar weiterentwickelt.“ Gemeinsam mit Breuninger habe die Stadt mit der „Neuentwicklung des Breuninger-Parkhausareals“ an zentraler Stelle in der Innenstadt „Großes vor“. Diese Entwicklung umfasse die Projekte Mobility Hub und das Haus für Film und Medien. Auch Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) ist gerade im Urlaub. Wie wir erfahren haben, hat aber der Erste Bürgermeister Fabian Mayer (CDU) am Donnerstag den Kontakt zu Breuninger gesucht, um Näheres zu erfahren.
Auch das Finanzministerium weiß von nichts
Aber sogar die Geschäftsführerin des Stuttgarter Breuninger-Hauses wurde von den Entwicklungen offenbar überrascht. Sie müsse erst prüfen, ob es stimmt, dass Breuninger als Ganzes zum Verkauf stünde, sagte Andrea Girsch am Mittwoch. Auch das Finanzministerium des Landes Baden-Württemberg ist bisher über die Pläne von Breuninger nicht informiert worden. „Man muss uns Verkäufe aber auch gar nicht mitteilen“, erklärt Sebastian Engelmann, der Sprecher von Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne), „die Gewerbesteuer geht schließlich an die Stadt“.
Spannend sei nun, sagt der Sprecher, wer das Unternehmen mitsamt den Immobilien übernehme. Sollte etwa Amazon den Zuschlag erhalten – laut „Wirtschaftswoche“ zählt der US-amerikanische und global agierende Onlineversandhandel zu den Kaufinteressenten – , werde die Stadt Stuttgart die Gewerbesteuer verlieren, weil der neue Besitzer an seinem Stammsitz die Umsätze versteuert. Der Verkauf des 1881 in Stuttgart gegründeten Unternehmens würde dann ein ganz empfindliches Loch in den Stuttgarter Stadtsäckel reißen.
Handelsverband glaubt, dass es nicht nur Gerüchte sind
Das Unternehmen selbst hat sich bisher zu einem möglichen Verkauf nicht geäußert. Auch Sabine Hagmann, die Geschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, wurde von der Entwicklung überrascht. Dass es sich dabei nur um Gerüchte handelt, weil sich Breuninger offiziell bisher nicht dazu geäußert hat, glaubt sie nicht. Hagmann geht davon aus, „dass das Unternehmen übernommen wird“.
Was die City-Initiative zu Breuninger sagt
City-Manager Holger Siegle versteht, dass die Nachricht über den Verkauf von Breuninger „viele auf den ersten Blick erschreckt“. Besonders in der Stadt mit Sitz des Stammhauses sei die Überraschung – auch für die City-Initiative – groß gewesen. „Nichtsdestotrotz zeigen die stetig guten Wirtschaftszahlen von Breuninger und das Echo mit zahlreichen Interessenten für eine Übernahme, dass Breuninger und auch das Haus Stuttgart sehr gut aufgestellt sind“, erklärt Siegle und glaubt, „dass sich auch nach einem Verkauf der positive Trend für unseren wichtigsten Mode-Einzelhändler weiterentwickeln wird“. Für die City-Initiative Stuttgart und ihre Arbeit seien Big Player wie Breuninger und andere „von essenzieller Bedeutung“. Deshalb sei es im größten Interesse, „dass die langjährige, hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch in Zukunft Bestand hat“, sagt der City-Manager.