Geheimnisse des Waldes Die wohl beste Klimaanlage der Welt

Von Tom Hörner 

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen Besonderheiten aus den Wäldern vor. Dieses Mal: über das angenehme Waldklima.

Wo Blätter sind, da ist auch Schatten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wo Blätter sind, da ist auch Schatten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Es soll Leute geben, die in den zurückliegenden heißen Tagen auch deshalb gern in den Getränkekeller gingen, weil es dort schön kühl war. Andere mögen mit dem Gedanken gespielt haben, dass eine Nacht in der Kühltruhe den wohlverdienten Schlaf bringt – und sind zum Glück von ihrem Plan abgerückt. Ganz anders der Naturmensch, der weiß: Nirgendwo ist es bei Hitze so angenehm wie im Schatten von Bäumen. Und wo Bäume in Massen auftreten, also etwa im Wald, ist das Klima an heißen und stickigen Sommertagen besonders angenehm.

Kein Luftaustausch im Haus

Dies hat im Wesentlichen mit zwei Effekten zu tun. Erstens verhindert das schattenspendende Dach eines Waldes, dass einem die Sonne direkt auf den Pelz brennt. Aber das vermag das Dach eines Hauses auch – und doch kann es im Innern eines Gebäudes im Sommer unangenehm drückend sein: Bewohner von Dachapartments können ein Lied davon singen. Im Unterschied zum Haus ist der Wald kein geschlossenes System, die Bäume lassen Luftaustausch zu.

Und dann gibt es, zweitens, noch einen physikalischen Effekt, der dazu führt, dass an manchen Tagen die Temperatur in Waldgebieten bis zu sechs Grad tiefer als in Wohngegenden liegt. Über ihre Spaltöffnungen schwitzen die Blätter und Nadeln der Bäume das aus dem Waldboden aufgenommene Wasser wieder aus – was zusätzlich einen kühlenden Effekt hat. Die Seite Landwirt.com schreibt dazu: „Ein Hektar Wald mit durchschnittlichem Baumbestand kann an warmen Tagen bis zu 60 000 Liter Wasser verdampfen und seine Umgebung auf natürliche Weise kühlen.“

Auch über den Wipfeln ist’s kühl

Nicht nur der Waldbesucher profitiert von diesem Effekt, auch die Umwelt tut es: Über den Wipfeln der Bäume ist es kühler als über bebautem Land. Forscher der Universität Innsbruck haben herausgefunden, dass auch Grasland eine kühlende Wirkung hat, aber der Wald mit seinen tief verwurzelten ­Bäumen ist bei längeren Hitzeperioden als ­Klimaregulator besser. Sollte Ihnen die Hitze des Sommers mal zu sehr zusetzen, nicht in die Luft, besser in den Wald gehen.

Welche Waldgeheimnisse kennen Sie? Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns per Mail (lokales@stzn.de) oder per Post: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70 039 Stuttgart, Stichwort: Wald.

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