Geheimnisse des Waldes Erst ein Revierförster bringt Licht ins Dunkel

Von Tom Hörner 

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen Besonderheiten aus den Wäldern rund um Stuttgart vor. Dieses Mal: eine Tür mitten im Waldstück Heslacher Wand.

Was hat es wohl mit dieser Tür im Wald auf sich? Foto: Decksmann
Was hat es wohl mit dieser Tür im Wald auf sich? Foto: Decksmann

Stuttgart - Frau Kern, die flinke Waldläuferin mit ihrem noch flinkeren Hund Carlo, die uns bereits bei der letzten Folge unserer Wald­serie begleitete, hat uns eine harte Nuss zu knacken gegeben. Im Waldstück Heslacher Wand hat sie uns, abseits des Wegs, zu einer Tür gebracht, die in den Berg hineinführt. Die dicke Betonfassung wirkt nicht mehr taufrisch, aber stabil, und die Metalltür selbst schaut aus, als sei sie jahrzehntelang nicht mehr geöffnet worden. Der erste Gedanke: Das könnte der Eingang zu einem unterirdischen Bunker sein.

Ist’s der Eingang zu einem Luftschutzstollen?

Mit solchen Bauten kennt sich niemand besser aus als die Mitglieder des Vereins Schutzbauten. Doch Rolf Zielfleisch, der Vorsitzende, schreibt: „Ein Luftschutzstollen befindet sich nicht in dieser Gegend.“ Vielleicht könnte es sich um den Zugang zum Rettungsstollen der S-Bahn handeln. Die Idee ist nicht abwegig, zumal der Hauptzugang ein paar Hundert Meter tiefer aus dem Berg kommt, bei der Gäubahntrasse.

Oder die Tür zu einem Rettungsstollen?

Ein Anruf bei der Bahn begräbt auch diese Idee: Nein, von einem zusätzlichen Eingang zum Rettungstollen sei nichts bekannt. Außerdem schaue die Tür nicht aus, als sei sie erst in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden, in jener Zeit also, als der S-Bahn-Tunnel zwischen der Innenstadt und Stuttgart-Vaihingen entstanden ist.

Der Revierförster erinnert sich an eine alte Geschichte

Die Antwort zu diesem Waldgeheimnis kennt ein Mann, für den der Forst zum täglichen Brot gehört. Michael Seifert ist Revierförster im Rotwildpark, war aber bis zum Jahr 2005 für die Heslacher Wand zuständig. Er erinnert sich an eine Geschichte, die ihm einer seiner Vorgänger über den Eingang erzählt hat. Offenbar stammt die Tür noch aus der Zeit, als die Gäubahntrasse gebaut wurde. Um sich durch das schwierige Gelände zu kämpfen, war Sprengstoff notwendig. Und der wurde in einer Art raumhohem Tresor hinter der Tür gelagert.

Welche Waldgeheimnisse kennen Sie? Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns per Mail (lokales@stzn.de) oder per Post: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70 039 Stuttgart, Stichwort: Wald.

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