Geheimnisse des Waldes Kleingeld für die Elfen

Von Tom Hörner 

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen Besonderheiten aus den Wäldern rund um Stuttgart vor. Dieses Mal: ein Waldgeheimnis, das nicht gelüftet werden soll.

Aus der Höhle grüßt ein Miniweihnachtsmann. Foto: Decksmann
Aus der Höhle grüßt ein Miniweihnachtsmann. Foto: Decksmann

Stuttgart - Frau Kern ist von zierlicher Statur und eine vorzügliche Waldläuferin. Mühelos arbeitet sie sich durchs Unterholz, sie ist fast so gut wie Carlo. Carlo ist ein Mischling, es soll eine Portion Windhund in ihm stecken. Wundern würde das nicht. Wenn wir fünf Schritte machen, macht Karlo fünfzehn. Wir versuchen, möglichst auf geradem Weg durchs Unterholz zu kommen. Carlo läuft rechts den Hang hoch, Carlo rennt links die Böschung runter, aber immer ist er voraus.

Die Natur hat es gut mit Eichhörnchen gemeint

Carlo folgt aufs Wort, nur wenn er ein Eichhörnchen sieht, kann es sein, dass er nicht hört. Aber die Natur hat es gut mit den Eichhörnchen gemeint, so schnell Carlo auch ist, auf Bäume kommt er nicht.

Eigentlich sind wir auf der Suche nach einer Tür mitten im Wald an der Heslacher Wand, unterhalb vom Birkenkopf. Aber ­zuvor will uns Frau Kern den Elfenplatz zeigen. Was es damit auf sich hat, weiß sie selbst nicht so genau. Aber sie weiß, dass abseits des Fußwegs, im Wurzelwerk eines Baums, eine kleine Höhle entstanden ist, kaum groß genug, dass Carlo darin Platz finden würde.

Wer was aus der Höhle nimmt, muss auch was reintun

Die Höhle, sagt Frau Kern, existiere schon seit Jahren. Vor allem ihr Sohn, inzwischen 16, habe sich dafür interessiert. Immer wieder liegen andere Dinge in der Höhle. Einmal habe ihr Sohn darin ausländisches Geld gefunden. Eines sei klar, wenn man etwas aus der Elfenhöhle wegnehme, müsse man auch wieder etwas hineintun. Wer die Regel aufgestellt hat, vergessen wir zu fragen. Ist vermutlich auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass der Letzte, der hier war, einen kleinen, fingergroßen Weihnachtsmann ­zurückgelassen hat.

Gelingt es, das Geheimnis der Tür zu lüften?

Die Höhle ist ein Waldgeheimnis, das man auf sich beruhen lassen sollte. Hin und wieder kommt man vorbei, schaut, was sich verändert hat. Und geht weiter. Das machen wir jetzt auch, es ist nicht mehr weit zu der merkwürdigen Tür im Wald. Ob es uns gelingen wird, deren Geheimnis zu lüften, verraten wir beim nächsten Mal.

Welche Waldgeheimnisse kennen Sie? Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns per Mail (lokales@stzn.de) oder per Post: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70 039 Stuttgart, Stichwort: Wald.

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