Geheimnisse des Waldes Über das gefährliche Leben von Baumriesen

Von Tom Hörner 

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen Besonderheiten aus Wäldern vor. Dieses Mal: herausragende Baumriesen.

Rekordbaum Waldtraut im Freiburger Stadtwald. Foto: dpa
Rekordbaum Waldtraut im Freiburger Stadtwald. Foto: dpa

Stuttgart - Frau Kraysek aus Stuttgart hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es in unseren Wäldern immer wieder Bäume gibt, die weit über das Blätterdach hinausragen. Der größte Baum Deutschlands, so die Leserin weiter, stehe im Freiburger Stadtwald und bringe es auf die stattliche Höhe von 66 ­Metern. Bei der letzten Messung wurden für die mehr als 100 Jahre alte Douglasie exakt 66 Meter und 58 Zentimeter ermittelt. Damit überragt sie eine Konkurrentin aus Eberbach im Rhein-Neckar-Kreis um gut anderthalb Meter.

Jedes Jahr 30 Zentimeter mehr

Es versteht sich von selbst, dass man in Freiburg, der Heimat von Bundestrainer Joachim Löw, högschd erfreut ist über die Douglasie, die jedes Jahr um bis zu 30 Zentimeter zulegt. Wer so weit aus der Menge herausragt, hat es verdient, dass man ihm einen Namen verpasst: Deutschlands höchster Baum heißt Waldtraut vom Mühlwald. In Stuttgart kennt man eine Schillereiche, aber von rekordverdächtig hohen Bäumen ist nichts bekannt. Die meisten Baumriesen auf der Gemarkung der Landeshauptstadt dürften um die 30 Meter messen.

Gewitter als natürlicher Feind

Natürlich gibt es auch in Stuttgart Bäume, die über die Maße in den Himmel wachsen. Aber ihrem Streben wird meist durch ein Naturereignis der Garaus gemacht: Gewitter sind der natürliche Feind von aufstrebenden Bäumen. Rekordverdächtige Exemplare, so ein Forstexperte, würden oft an einem Hang stehen, der die Blitze abfängt.

Nimmt man Europa als Maßstab, dann muss sich Waldtraut vom Mühlwald mit Platz sechs begnügen. Der angeblich höchste Baum des Kontinents ist ein Blauer Eukalyptus. Er misst 73 Meter und steht bei Coimbra in Portugal.

Als Setzling kam sie aus Amerika

Waldtraut vom Mühlwald ist übrigens eine Zugereiste. Sie stammt von der nordamerikanischen Westküste und kam 1913 als dreijähriger Setzling in den Stadtwald im Südbadischen – und damit wären wir in einem Land angelangt, in dem immer alles noch eine Spur gigantischer und gewaltiger ist als im Rest der Welt: in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit seinen 115,55 Metern stellt ein Küstenmammutbaum namens Hyperion im Redwood-Nationalpark/Kalifornien sämtliche Bäume dieses Planeten in den Schatten – also zumindest die gemessenen. Hyperion wurde erst im Jahr 2006 entdeckt. Es lohnt sich also, bei Spaziergängen die Wipfel im Auge zu behalten.

Welche Waldgeheimnisse kennen Sie? Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns per Mail (lokales@stzn.de) oder per Post: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70 039 Stuttgart, Stichwort: Wald.

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