Geheimnisvolles Stuttgart Stuttgarts höchsten Gipfel muss man gesehen haben
Es ist Stuttgarts höchster, einsamster und frustrierendster Berg – die Bernhartshöhe. Sie ist schwer zu finden, das Suchen lohnt sich dennoch.
Es ist Stuttgarts höchster, einsamster und frustrierendster Berg – die Bernhartshöhe. Sie ist schwer zu finden, das Suchen lohnt sich dennoch.
Das ist echt der Gipfel! Sogar der höchste. Höher geht’s nicht in Stuttgart, wenn man mal vom Fernsehturm absieht. Und doch führt dieser Berg ein fast geheimnisvolles Schattendasein. Eine Randexistenz an der Grenze der Stadt. Man könnte meinen, er entzieht sich absichtlich den Blicken der Stuttgarter, spielt schelmisch verstecken. Zu sehen ist er praktisch nicht, zu finden nur schwer, zumindest, wenn man ihn das erste Mal erklimmen will.
Doch was heißt hier erklimmen? Hat man den überdimensionierten Parkplatz ein paar hundert Meter hinter dem Vaihinger Friedhof tatsächlich entdeckt und mit Glück auch den mit einem verwitterten Wegweiser markierten Eingang in den Hangwald, führt ein wunderbar sanft, aber stetig steigender Kiesweg hinauf auf den Buckel. Die „Höchste Erhebung Stuttgarts“, erfährt man schon am Einstieg, liegt auf 549 Metern über Normalnull. Steigeisen also überflüssig.
Tagein, tagaus ist der Weg hinauf auf die Bernhartshöhe fast menschenleer. Waldesstille ist trotzdem anderswo. Direkt neben dem Autobahnkreuz Stuttgart säuselt hier nicht der Wind durch die grünen Wipfel. Vielmehr müssen die Vögel rund um den Berg stetig gegen das dumpfe Rauschen einer nimmer endende Blechlawine anzwitschern.
Überhaupt gehen die Stuttgarter mit ihrem Höhepunkt nicht allzu erhebend um: Zwar krönt eine kleine, eigentlich ganz hübsche Hochwiese den Gipfel. Doch wenn nach rund 800 Metern Wegstrecke und knapp 50 Höhenmetern im weiten Bogen das Hochplateau erreicht ist, reicht sommers wie winters von Stuttgarts höchstem Berg der Blick so gar nicht weit ins Land.
In alle Himmelsrichtungen verstellt der Forst die Aussicht. Da hilft’s auch nicht, wenn man zudem den Gedenkstein erklimmt.
Das war nicht immer so. Früher zeichnete sich der heute dicht bewaldete Hügel, der mit dem Tunnelaushub vom Bau der Stuttgart S- und Stadtbahn in den 1970er-Jahren aufgeschüttet worden war, durch eine 1A-Weitsicht aus. „Phänomenal“ sagen die, die sich noch daran erinnern. Immer mal wieder, wie zuletzt im städtischen „Masterplan für urbane Bewegungsräume“, wird deshalb der Ruf laut, einen Aussichtsturm auf der Bernhartshöhe zu errichten.
Stuttgarts höchster Punkt wäre dann vermutlich wieder ein echter Höhepunkt. Einmal gesehen haben sollte man ihn allerdings jetzt schon.