Geheimnisvolles Stuttgart Fantastischer Irrgarten am Rande der Stadt

So manches hat sich Natur über die Jahre zurückgeholt. Foto: Torsten Schöll

Die Wandelwege auf der Wangener Höhe in Stuttgart führen durch eine wunderbare Gartenlandschaft. Dieses grüne Labyrinth ist gesäumt von lauter kleinen Entdeckungen.

Die Kinderschaukel ist längst überwuchert. Aus einer Holzhütte wächst ein Baum. Eine Reihe verbundener Klappsitze, wie sie vielleicht in ein Stadion gehört, lehnt moosüberwachsen an einer struppigen Hecke.

 
So manches an der Wangener Höhe hat sich Natur über die Jahre zurückgeholt. Foto: Torsten Schöll

Ist das Kunst oder schon Natur? Und wer saß hier wohl mal in der ersten Reihe, um geduldig der ungebändigten Vegetation beim Wachsen zuzusehen?

So auch diese Klappsitze. Foto: Torsten Schöll

Ein Labyrinth gesäumt von Entdeckungen

Der Weg durch dieses grüne Labyrinth ist gesäumt von kleinen Entdeckungen. Mal lauert unvermittelt ein scheues Reh zwischen vernachlässigten Rabatten.

Auch ein Reh kann dem Spaziergänger auf den Wandelwegen auf de Wangener Höhe begegnen. Foto: Torsten Schöll

Mal flattern die Schmetterlinge in kleinen Wolken am Rand eines dieser versteckten Pfade auf: Kaisermantel, Admiral, Distelfalter. Dazwischen huschen Zauneidechsen über die sonnengewärmten Steine der alten Weinbergmauern, die hier allenthalben am Abhang die fast zugewachsenen Wege säumen.

Auch viele Schmetterlinge sind zu beobachten. Foto: Torsten Schöll

Kein Anfang und kein Ende scheinen sie zu haben: Ein fantastischer Irrgarten am Rand der Stadt - eine Art Labyrinth. Wer nicht achtgibt, kann hier leicht sein Ziel verlieren.

Doch was heißt hier Ziel? Lässt man sich darauf ein, verbringt man an schönen Sommertagen auf den Wandelwegen der Wangener Höhe mitunter magische Stunden. Manche der versteckten Pfade, die hier zwischen den mal mehr, mal weniger, oft aber eigenartig kunstvoll verwilderten Schrebergärten hindurchführen, enden in üppig verwachsenen Sackgassen. Dann heißt es, zurück zur letzten Abzweigung, um einen neuen Weg zu suchen.

So mancher Weg endet in einer Sackgasse. Dann heißt es: umdrehen. Foto: Torsten Schöll

Jedes Jahr scheint sich dieses grün wuchernde Labyrinth aufs Neue zu verändern, bleibt nie ein und dasselbe. Die kleinen Entdeckungen, liebevollen Details, die sich links und rechts in den Gärten finden – beim nächsten Streifzug sind sie meist unauffindbar.

In all der wuchernden Vegetation liegen die Schrebergärten mit ihren individuellen Details. Foto: Torsten Schöll

Bis zurück ins 12. Jahrhundert reicht hier, oberhalb von Rohracker, die Geschichte des Weinbaus, der vereinzelt noch immer betrieben wird. Neben- und Haupt-, Quer- und Längswege, teils auf steilen Staffeln, haben die Parzellen einst miteinander vernetzt.

Ein grünes Labyrinth gilt es, auf der Wangener Höhe zu entdecken. Foto: Torsten Schöll

Vor mehr als zehn Jahren wurden die sogenannten Wandelwege, die heute die Schrebergärten verbinden und lange vernachlässigt wurden, mühsam freigelegt und wieder begehbar gemacht.

Wandeln zwischen Schrebergärten. Foto: Torsten Schöll

Seitdem holt sich die Natur, die in dieser fantastischen Gartenlandschaft ihren ganzen Artenreichtum ausbreitet, dieses Netz aus alten Weinbergpfaden allmählich wieder zurück. Dem Zauber der Wandelwege macht das aber keinen Abbruch – im Gegenteil.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals im Juli 2022 online auf den Portalen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Er wurde im Juli 2024 aktualisiert.

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