Geheimnisvolles Stuttgart Fantastischer Irrgarten am Rande der Stadt
Die Wandelwege auf der Wangener Höhe in Stuttgart führen durch eine wunderbare Gartenlandschaft. Dieses grüne Labyrinth ist gesäumt von lauter kleinen Entdeckungen.
Die Wandelwege auf der Wangener Höhe in Stuttgart führen durch eine wunderbare Gartenlandschaft. Dieses grüne Labyrinth ist gesäumt von lauter kleinen Entdeckungen.
Die Kinderschaukel ist längst überwuchert. Aus einer Holzhütte wächst ein Baum. Eine Reihe verbundener Klappsitze, wie sie vielleicht in ein Stadion gehört, lehnt moosüberwachsen an einer struppigen Hecke.
Ist das Kunst oder schon Natur? Und wer saß hier wohl mal in der ersten Reihe, um geduldig der ungebändigten Vegetation beim Wachsen zuzusehen?
Der Weg durch dieses grüne Labyrinth ist gesäumt von kleinen Entdeckungen. Mal lauert unvermittelt ein scheues Reh zwischen vernachlässigten Rabatten.
Mal flattern die Schmetterlinge in kleinen Wolken am Rand eines dieser versteckten Pfade auf: Kaisermantel, Admiral, Distelfalter. Dazwischen huschen Zauneidechsen über die sonnengewärmten Steine der alten Weinbergmauern, die hier allenthalben am Abhang die fast zugewachsenen Wege säumen.
Kein Anfang und kein Ende scheinen sie zu haben: Ein fantastischer Irrgarten am Rand der Stadt - eine Art Labyrinth. Wer nicht achtgibt, kann hier leicht sein Ziel verlieren.
Doch was heißt hier Ziel? Lässt man sich darauf ein, verbringt man an schönen Sommertagen auf den Wandelwegen der Wangener Höhe mitunter magische Stunden. Manche der versteckten Pfade, die hier zwischen den mal mehr, mal weniger, oft aber eigenartig kunstvoll verwilderten Schrebergärten hindurchführen, enden in üppig verwachsenen Sackgassen. Dann heißt es, zurück zur letzten Abzweigung, um einen neuen Weg zu suchen.
Jedes Jahr scheint sich dieses grün wuchernde Labyrinth aufs Neue zu verändern, bleibt nie ein und dasselbe. Die kleinen Entdeckungen, liebevollen Details, die sich links und rechts in den Gärten finden – beim nächsten Streifzug sind sie meist unauffindbar.
Bis zurück ins 12. Jahrhundert reicht hier, oberhalb von Rohracker, die Geschichte des Weinbaus, der vereinzelt noch immer betrieben wird. Neben- und Haupt-, Quer- und Längswege, teils auf steilen Staffeln, haben die Parzellen einst miteinander vernetzt.
Vor mehr als zehn Jahren wurden die sogenannten Wandelwege, die heute die Schrebergärten verbinden und lange vernachlässigt wurden, mühsam freigelegt und wieder begehbar gemacht.
Seitdem holt sich die Natur, die in dieser fantastischen Gartenlandschaft ihren ganzen Artenreichtum ausbreitet, dieses Netz aus alten Weinbergpfaden allmählich wieder zurück. Dem Zauber der Wandelwege macht das aber keinen Abbruch – im Gegenteil.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals im Juli 2022 online auf den Portalen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Er wurde im Juli 2024 aktualisiert.