Geigerin Mira Foron als Solistin Mit Geige und Schweißtuch – So war das Konzert des Staatsorchesters Stuttgart

Die Geigerin Mira Foron hat mit dem Staatsorchester Stuttgart Tschaikowsky gespielt. Foto: Veit Mette

Das Staatsorchester Stuttgart hat im Beethovensaal Tschaikowsky, Hefti und Brahms gespielt. Wie hat sich die junge Solistin Mira Foron geschlagen?

Tschaikowsky setzte mit seinem Violinkonzert neue solistische Maßstäbe. Und so fand der gefürchtete Kritiker Eduard Hanslick auch über den Interpreten der Wiener Uraufführung 1881, Adolph Brodsky, legendäre Worte: Er wisse zwar nicht, ob es überhaupt möglich sei, „diese haarsträubenden Schwierigkeiten rein herauszubringen“, sehr wohl aber, „daß Herr Brodsky, indem er es versuchte, uns nicht weniger gemartert hat, als sich selbst“.

 

Mira Foron wirft sich in diesen wilden, furiosen Satz

Bis heute ist es selten, dass man der Solovioline die harte Arbeit, die speziell der Kopfsatz einfordert, nicht anhört. Hier eine souveräne Balance zu finden zwischen Virtuosität und klangschönem Ausdruck, ist alleroberste Geigenliga. Und so griff auch die junge Solistin Mira Foron, geboren 2002 in Stuttgart, im Sinfoniekonzert des Staatsorchesters im Beethovensaal gelegentlich zum Schweißtuch und kämpfte mit der Intonation. Es gehört zur Philosophie des Solokonzertkonzepts, dass es nach der Phase des Kämpferischen, des Sich-Behauptens gegen das Orchester als Kollektiv, ins Innere geht. Hatte Foron den technischen Ballast fürs Erste bewältigt, tat sich die Welt des Traumes, der Nacht, der schmerzhaften Selbstreflexion im Andante umso plastischer auf. Foron jetzt ganz bei sich: frei entfaltete sie die elegische Melodik, mit sprechendem Ton, berührend. Und dann, wiederum körperlich spürbar, wird der Traum brutal unterbrochen vom entfesselten Finale – sehr effektvoll dirigiert von Generaldirektor Cornelius Meister. Foron warf sich mit absichtsvoll missmutiger Mimik in diesen wilden, furiosen Satz, jetzt völlig entspannt und souverän die haarigen Läufe und Doppelgriffe bewältigend.

Mira Foron, 2002 in Stuttgart geboren Foto: Veit Mette

Das Haus war voll an diesem Montagabend, und erfreulich viele Schulklassen anwesend. Programmatisch gelungen gab es dann das 2021 komponierte Trompetendoppelkonzert „Final(ment)e“ von David Philip Hefti. Die beiden Trompeter Lennard Czakaj und Alexander Kirn agierten zunächst links und rechts aus dem Auditorium, warfen sich die musikalischen Phrasen über die Zuhörerköpfe hin und her. Das Orchester spiegelte, antwortete, sorgte für die nötigen Klang- und Projektionsflächen, mit fein eingesetzter Perkussion, während die Trompetenstimmen bis ins Menschlich-Quäkige mutierten – mit sehr witzigen, dem Jazz abgelauschten Klangeffekten. Alles steigert sich exaltiert und bricht am Höhepunkt abrupt ab. Ein tolles neues Stück!

Cornelius Meister ist wild am Gestikulieren

Als Zugabe gab’s Mozarts „Alla turca“ verjazzt für zwei Trompeten – eine perfekte Brücke zu den final gespielten Brahms’schen Ungarischen Tänzen, 10 aus 21, arrangiert für Orchester. Das Staatsorchester jetzt in äußerster Spielfreude, Meister wild gestikulierend. Dass die rhythmische Schärfe der Tänze im allzu fetten und weichen Streichersound etwas unterging – sei’s drum: Das Publikum spendete nach jedem Tanz begeistert Beifall.

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