Geislingen leidet unter Stuttgart 21 Neuer Ärger um die Bahn

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Hiobsbotschaft für die Pendler aus dem Raum Geislingen: Der geplante Metropolexpress wird zunächst nur bis Süßen fahren, und das soll bis zur Realisierung von Stuttgart 21 auch so bleiben.

In Geislingen würden die Fahrgäste möglichst rasch in den Metropolexpress steigen  – sie müssen sich noch Jahre gedulden. Foto: Horst Rudel
In Geislingen würden die Fahrgäste möglichst rasch in den Metropolexpress steigen – sie müssen sich noch Jahre gedulden. Foto: Horst Rudel

Geislingen - Schon wieder Ärger mit der Deutschen Bahn. Dieses Mal geht es nicht um Verspätungen oder die Frage von Entschädigungen verprellter Pendler, sondern um die Pläne für den S-Bahn-ähnlichen Zugverkehr im Kreis Göppingen. Eigentlich soll ein Metropolexpress in gut zwei Jahren, von Dezember 2019 an, im Halbstundentakt zwischen Stuttgart und Geislingen verkehren. Doch bevor das Großprojekt Stuttgart 21 nicht verwirklicht ist, wird laut neuesten Informationen nichts daraus. „Wir müssen mit einer Verzögerung rechnen“, sagt der Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke.

Der Metropolexpress wird zunächst nur bis Süßen fahren

Diese neue Hiobsbotschaft hat die Verwaltungsspitze des Kreises Göppingen am vergangenen Donnerstag bei einem Gespräch im Stuttgarter Verkehrsministerium erhalten. Demnach wird der Metropolexpress aus Richtung Stuttgart zunächst nur bis Süßen fahren – und zwar, so lange Fernzüge noch die Filstalbahn belasten.

Verantwortlich dafür sind der eng getaktete Verkehr auf der stark befahrenen Filstal­strecke und die Situation im Geislinger Bahnhof. Bisher war man davon ausgegangen, dass dort ein zusätzliches Abstellgleis für den Metropolexpress nötig ist. Und bisher hatten die Verantwortlichen im Kreis Göppingen alles daran gesetzt, den Metropolexpress bis Geislingen vor dem Jahr 2021 einzusetzen. Bereits im Dezember 2015 fasste der Kreistag sogar den Beschluss, auf eigene Kosten die Infrastruktur in Geislingen zu ertüchtigen. Für drei Millionen Euro wollte man das notwendige Abstellgleis mit Weiche und Signalanlage bauen – als Ersatz für ein zuvor von der DB-Netz entferntes Gleis.

Als erstes wird jetzt der Fernverkehr untersucht

Nun ist alles anders, weil gar nicht sicher ist, dass dieses Gleis nach der Neuordnung des Fernverkehrs überhaupt benötigt wird. Immerhin sollen nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 samt der Bahntrasse Stuttgart–Ulm die Fernzüge wie der Intercity oder der ICE nicht mehr durch das Filstal rauschen. Und damit könnten sich freie Kapazitäten für den Nahverkehr, also auch den Metropolexpress, ergeben. „Niemand wird für wenige Jahre ein Gleis bauen, wenn man das später gar nicht braucht“, formuliert Wienecke die neue Position der Landkreisverwaltung. Man hat sich offenbar darauf verständigt, die Jahre bis zur Fertigstellung von Stuttgart 21 als Übergangsfrist zu akzeptieren – und damit eine Verbindung nur bis Süßen. Der Landkreis nimmt auch hin, dass der Metropolexpress im schlechtesten Fall erst 2023 bis Geislingen fährt – wegen drohender Bauverzögerungen bei Stuttgart 21.

Neue Erkenntnisse rund um den Fernverkehr in der Region erhofft sich Wienecke von einer Untersuchung, bei der das Land und die baden-württembergische Nahverkehrsgesellschaft derzeit den Verkehrsknotenpunkt Stuttgart unter die Lupe nehmen. Mit Erkenntnissen der Studie sei allerdings frühestens in drei bis vier Monaten zu rechnen. Sollte sich dann der Nutzen des zusätzlichen Abstellgleises in Geislingen doch noch herausstellen, könnte dem Kreis die Zeit knapp werden. Immerhin hatte Wienecke angestrebt, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 endlich die Zugverbindungen im Kreis zu verbessern. Der Verkehrsplaner rechnet, sollte man das Gleis dann doch noch brauchen, mindestens mit einem einjährigen Vorlauf, denn man benötige dafür ein Planfeststellungsbeschluss. Außerdem sei mit recht aufwendigen und zeitfressenden Arbeiten zu rechnen, da in dem abschüssigen Geislinger Gelände eine Rampe für das Gleis nötig werde.

Dass die Bahn die Metropolexpress-Verbindung nun plötzlich kürze, sei eine höchst unerquickliche Entwicklung, sagt der Verkehrsplaner. Und unerfreulich sei dies auch vor dem Hintergrund, dass es auf der Filstalbahn seit Monaten dauernd Zugausfälle und Verspätungen gebe.

Geislingen ist der Engpass

Der Metropolexpress soll von Dezember 2019 an im Halbstundentakt eine rasche Verbindung Stuttgarts mit allen Bahnhöfen im Kreis Göppingen schaffen – auch am Wochenende – und möglichst viele Pendler im staugeplagten Filstal auf die Schiene locken. Dafür will sich der Kreis jährlich mit 1,1 Millionen Euro an den Kosten beteiligen und zusätzlich den Geislinger Bahnhof ausbauen.

Momentan gibt es nur einen Stolpertakt auf der Filstalbahn, betroffen ist vor allem Geislingen, wo es teils lange Zughalte gibt, damit der schnelle Fernverkehr passieren kann. Vor Jahren war der Traum von einer S-Bahn im Kreis Göppingen wegen zu hoher zu erwartender finanzieller Aufwendungen geplatzt – die Kosten-Nutzen-Analyse fiel negativ aus.