Wenn man am Fuß der Nordmauer beim Aussichtsturm der Burgruine Helfenstein nach oben schaut, könnte man meinen, eine mittelalterliche Kanonenkugel seit dort eingeschlagen. Aber das etwa drei Meter große Loch, das im Mauerwerk klafft, ist jüngeren Datums: Am ersten Weihnachtsfeiertag 2022 brach dort ein Teil der Burgwand ab. „Viele fragen schon lange, wann es endlich mit der Sanierung losgeht“, sagte Oberbürgermeister Frank Dehmer in der Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderats. „Aber bei einer Burgruine braucht es eben mehr Vorarbeit als bei einer Gartenhütte.“ Stadtbauamtsleiter Joachim Burkert betonte, dass die Verwaltung nach dem Mauerabbruch schnell aktiv geworden sei und die Fachbehörden, darunter den Denkmalschutz und das Umweltschutzamt, sowie die Geologen eines externen Büros hinzugezogen hätten.
Die Burgruine ist ein Wahrzeichen von Geislingen
Und nach knapp zwei Jahren steht nun fest: Am 21. Oktober 2024 soll es mit der Sanierung des Helfensteins losgehen. Innerhalb von sechs Monaten sollen dann die Nordmauer, eine Holzbrücke und der Naturfelsen in der Mitte der Burganlage gerichtet werden. „Die Burgruine Helfenstein ist eines unserer Wahrzeichen“, so OB Dehmer. „Da müssen wir jetzt ran, um sie für die Zukunft begehbar zu halten.“ Laut Beratungsvorlage der Stadtverwaltung reicht eine Sanierung der Abbruchstelle allein nicht aus, um dies zu gewährleisten. Die Nordmauer besteht aus einem äußeren Teil, der sogenannten Sichtschale, und einer Hintermauerung, die nicht richtig miteinander verbunden sind. Stattdessen sei der Zwischenbereich mit Geröll gefüllt, fügte Stadtbauamtsleiter Joachim Burkert in der Sitzung hinzu.
Wegen Verwitterung und eindringender Feuchtigkeit drückt die Hintermauerung inzwischen auf die Sichtschale. Deshalb könne es dazu kommen, dass weitere Teile der Mauer plötzlich abbrechen. An der aktuellen Abbruchstelle verläuft außerdem der Graben für ein Stromkabel, weshalb dort wohl verstärkt Wasser eingedrungen ist. Aber auch an anderen Stellen entlang der Nordmauer gibt es bereits Auswölbungen. „Ein Abbruch läuft dann ohne Vorankündigung ab“, hob Burkert hervor. Deshalb soll die gesamte Nordmauer angerüstet und stabilisiert werden.
Darüber hinaus soll auch die Holzbrücke, über die der Wanderweg aus Richtung Weiler aus dem Südosten auf die Burgruine führt, repariert werden. Denn es gibt Probleme mit den Auflagern – also den Stellen, an denen die Brücke auf dem Mauerwerk aufliegt. Teilweise sind dort bereits Steine weggebrochen. Und auch der hohe Fels in der Mitte der Anlage, von dem aus eine weitere Holzbrücke zu einem Aussichtspunkt geht, wird gesichert: An dessen Fuß ist die Untermauerung großflächig ausgebrochen. Noch sei die Brücke begehbar und die Sanierung eine Präventivmaßnahme, merkte Burkert an, „aber wenn es einmal akut wird, müsste es sehr schnell gehen“.
Die Stahlbrücke vom Parkplatz zur Burg wird wohl gesperrt sein
„Die Burgruine soll nicht das ganze halbe Jahr für Besucher gesperrt sein“, betonte Dehmer. „Aber ganz ohne Einschränkungen wird es nicht gehen.“ Denn, wie in der Beratungsvorlage dargestellt, werden große Teile der Burganlage zur Erschließung der Baustelle oder als Lagerflächen benötigt. Gerade die Stahlbrücke, über die Besucher normalerweise vom Parkplatz aus auf den Helfenstein kommen, wird wohl während der Sanierungszeit für die Anlieferung gebraucht und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Insgesamt wird die Sanierung des Wahrzeichens 453 000 Euro kosten und bis Juli 2025 abgeschlossen sein. Die Mittel sind bereits im Haushalt eingeplant. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat in Aussicht gestellt, dass sie das Projekt mit 70 000 Euro unterstützt. Beim Landesamt für Denkmalpflege, hat die Verwaltung eine Förderung in Höhe von rund 120 000 Euro beantragt.