GEK-Klinikreport Depressionen - die neue Volkskrankheit

Von StZ 

Immer mehr psychisch Kranke werden im Krankenhaus betreut. Das ist teuer – und keineswegs stets die beste Therapieform.

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Berlin - Depressionen entwickeln sich immer mehr zu einer Volkskrankheit. Diesen Schluss zieht die Barmer-GEK-Krankenkasse aus ihrem neuen Klinikreport, den der Vizechef der Barmer, Rolf-Ulrich Schlenker, in Berlin vorstellte. Der Bericht stellt fest, dass die Zahl der Patienten, die wegen Depressionen und anderer affektiver Störungen im Krankenhaus behandelt werden, seit dem Jahr 2000 um 117 Prozent gestiegen ist.

Der Anstieg der Behandlungstage wäre noch deutlich ausgefallen, wenn nicht zugleich die Verweildauer je Fall von durchschnittlich knapp 45 Tage im Jahr 1990 auf 31 Tage im Jahr 2010 zurückgegangen wäre: "Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich Krankenhäuser um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern. Dennoch muss man fragen, ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört", sagte Schlenker.

Die ambulante Betreuung soll verbessert werden

Er sprach sich dafür aus, die ambulante Betreuung zu verbessern. Die bestehenden Angebote an Psychotherapie müssten besser ausgelastet werden, um Betroffenen schneller Hilfe geben zu können. Nach Angaben der Barmer können bis zum ersten Gespräch mit einem Psychotherapeuten bis zu drei Monate vergehen. Weitere drei Monate Wartezeit ergeben sich bis zum Beginn der Therapie. Um dies zu ändern, trat Schlenker dafür ein, mehr Gruppentherapien und kürzere Behandlungsverfahren zu schaffen. "Es müssen nicht immer 80 Stunden Psychotherapie verschrieben werden."

Die Stärkung der ambulanten Angebote sei nötig, um den sogenannten Drehtüreffekt zu vermeiden. Derzeit werden 30 Prozent der Menschen, die wegen einer psychischen Krankheit stationär versorgt werden, innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Entlassung erneut wegen dieser Erkrankung stationär behandelt; ein Drittel kommt schon in den ersten 30 Tagen nach der Entlassung wieder zurück.

Ein Klinikaufenthalt ist nicht immer sinnvoll

Diese hohe Quote belege, dass bei Depressionen die Behandlungsziele vielfach nicht erreicht würden, sagte Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin Hannover. Dass ein Klinikaufenthalt nicht immer sinnvoll ist, meint auch Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Angststörungen könnten meist besser ambulant therapiert werden. Wer sich vor Alltagsaufgaben fürchte, ziehe keinen Nutzen daraus, in einem behüteten stationären Umfeld behandelt zu werden.