Gelbe Säcke im Kreis Göppingen „Das Maß ist voll!“ – Kommunalpolitikern platzt der Kragen​

Die Qualität der Gelben Säcke im Landkreis lässt zu wünschen übrig, außerdem sind sie kaum verfügbar. Das und weitere Missstände kritisieren vier Verwaltungschefs in einem Brandbrief. Foto: Harald Tittel/dpa

Drei Oberbürgermeister und der bisherige Göppinger Landrat erheben schwere Vorwürfe gegen die Firma Braig, den Entsorger der Gelben Säcke.​

Seit die Ehinger Firma Braig zum Jahreswechsel für das Duale System die Entsorgung der Gelben Säcke im Kreis Göppingen übernommen hart, läuft es nicht mehr rund. Es gibt massive Beschwerden aus der Bevölkerung, die drei Oberbürgermeister sowie der Landrat haben deshalb einen Brandbrief rausgeschickt, der allerdings nicht öffentlich gemacht wurde: „Der Zustand der aktuellen Entsorgungssituation und Aufgabenerfüllung durch die Firma Braig ist nicht nur unhaltbar, sondern gefährdet mittlerweile auch massiv das Vertrauen der Bevölkerung in die Funktionsfähigkeit des Recyclingsystems in Deutschland“, heißt es in dem Schreiben, das an die Zentek GmbH in Köln als verantwortliches Duales System für die Wertstoffentsorgung im Kreis adressiert wurde und das unserer Zeitung vorliegt.​

 

Der Brief wurde bereits Ende Mai verschickt, unterzeichnet ist er von den Oberbürgermeistern Alex Maier (Göppingen) und Klaus Heininger (Eislingen) sowie dem damaligen Geislinger OB Frank Dehmer und Landrat Edgar Wolff, die bis zum 30. Juni im Amt waren. Die Verwaltungschefs listen eine ganze Reihe von Missständen auf, die aus der Bevölkerung an sie herangetragen worden waren und „denen trotz vieler intensiver Gespräche des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) des Landkreises mit Ihnen und der Firma Braig bisher nicht oder nur unzureichend abgeholfen ist“.

Die Gelben Säcke reißen sehr leicht

​So würden etwa noch immer nicht genügend Gelbe Säcke bereitgestellt und ausgeliefert: „Für die Bevölkerung mutet es geradezu als ,Treppenwitz‘ an, dass eine solche Lappalie wie die Beschaffung und Auslieferung Gelber Säcke in ausreichender Menge nicht funktioniert. Andere Landkreise mit anderen Unternehmen kennen diese Problematik so nicht.“ Kritisiert wird auch die Qualität der Säcke: „Die zur Verfügung gestellten Säcke sind von derart schlechter Materialqualität, dass sie bereits beim Befüllen reißen. Ein geordneter Transport zur Abholstelle ist damit oftmals nicht möglich.“​

Braig ist auch zuständig für die Altglas- und Weißblechcontainer. Hier liege ebenfalls vieles im Argen: „Die Sammelplätze für Altglas verkommen zusehends zu Müllplätzen, da die Glasiglu- und Dosensammelplätze durch die Firma Braig nicht regelmäßig gereinigt werden“, heißt es in dem Schreiben, die Unterzeichner glauben: „Zudem kommt die Firma Braig ihrer vertraglich vereinbarten Verpflichtung zur wöchentlichen Reinigung der Sammelplätze nicht nach, was die Situation zusätzlich verschärft.“ Als Folge sähen sich AWB und Städte gezwungen, mit eigenem Personal und „erheblichen Kosten“ die Sammelplätze aufzuräumen.

​Doch nicht nur die Sammelplätze seien vermüllt, schreiben die OB und der Landrat: „Die teilweise sehr in die Jahre gekommenen Glasiglus sind oft verschmutzt und beschädigt, was nicht nur hygienische und sicherheitsrelevante Probleme verursacht, sondern auch das Erscheinungsbild unserer Städte und Gemeinden massiv beeinträchtigt.“ Zudem würden Container mit Weißblech wiederholt „schlicht nicht abgeholt werden“. Dies führe zu Verärgerung und illegalen Entsorgungswegen, „die in einer gut organisierten Abfallwirtschaft keinen Platz haben dürfen“. Einige Behälter seien auch in polnischer Sprache beschriftet „und somit für die Bürger nicht als Dosencontainer identifizierbar“.

Briefunterzeichner fordern eine funktionierende Kommunikation

​Der Kreis und die Kommunen hätten mehrfach versucht, Kontakt aufzunehmen, „die Reaktionen seitens der Firma Braig sind jedoch völlig unzureichend“, beklagen die vier Politiker. Sie stellen fest: „Diese Form der Nicht-Kommunikation ist inakzeptabel und untergräbt jede partnerschaftliche Zusammenarbeit; es liegt der Eindruck vorsätzlicher Missachtung vor. Was übrig bleibt, sind leere Versprechungen.“​

„Mit Nachdruck“ fordern Wolff, Maier, Heininger und Dehmer Zentek und Braig auf, die Missstände umgehend zu beheben. So verlangen sie auch die Einrichtung einer transparenten und kontinuierlichen Kommunikation mit den kommunalen Ansprechpartnern im Landkreis Göppingen. ​

Dass es den vier Männern ernst ist, verdeutlicht der Schluss ihres Schreibens an Zentek: „Sollte keine sofortige Besserung der genannten Zustände erfolgen, behalten wir uns vor, die Angelegenheit auf Landes- und Bundesebene sowie gegenüber der Öffentlichkeit, den Medien und den Aufsichtsbehörden weiter zu eskalieren. Das Maß ist voll!“​

Es gibt eine erste Rückmeldung​

Klärung
 Der Austausch mit der Firma Braig sei schwierig, beklagen die Göppinger Politiker. Aus dem Göppinger Landratsamt heißt es: „Wir haben zwischenzeitlich eine erste Rückmeldung beziehungsweise eine Zwischenstandsinformation erhalten“, teilt der Pressesprecher der Behörde, Simon Gottowik, auf Anfrage mit. „Einige der im Schreiben angesprochenen Punkte befinden sich derzeit noch in der internen Klärung zwischen Zentek und den beauftragten Dienstleistern.“ ​

Lösung
Der Abfallwirtschaftsbetrieb sei „weiterhin in sehr engem Austausch mit den Beteiligten und intensiv an der Thematik dran, um schnellstmöglich tragfähige Lösungen zu erreichen“, berichtet Gottowik.​ 

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