Gelbkopfamazone in Stuttgart-Möhringen Gefiederter Besuch aus Bad Cannstatt

Von  

Nahe des SI-Centrums wurde eine Gelbkopfamazone gesichtet. Nur auf den ersten Blick scheint das ein ungewöhnlicher Gast zu sein, erklärt der Vogelexperte des Naturschutzbunds Stuttgart.

Unser Leser Benjamin Ohnmacht hat den Papagei fotografiert. Foto: z/Benjamin Ohnmacht
Unser Leser Benjamin Ohnmacht hat den Papagei fotografiert. Foto: z/Benjamin Ohnmacht

Möhringen - Im Frühjahr hat Benjamin Ohnmacht den Vogel zunächst gehört und wenige Tage später auch im Baum sitzen gesehen. In den darauffolgenden Wochen hat der Möhringer den Papagei zwar nur ein paar Mal nahe des SI-Centrums gesichtet. „Sein charakteristisches Geschrei war aber öfter zu hören“, berichtet Ohnmacht. Er hat die Kamera gezückt und ein paar Fotos geschossen. Schnell war der Papagei als Gelbkopfamazone identifiziert.

„Das ist mit Sicherheit ein Vogel aus Cannstatt“, sagt Ulrich Tammler, der Vogelbeauftragte des Naturschutzbunds Stuttgart (Nabu). Denn in dem Stadtbezirk am Neckar lebt seit den 80er Jahren eine inzwischen etwa 50-köpfige Population von Gelbkopfamazonen. Dort gehören die hauptsächlich in den Platanen brütenden Papageien quasi zum Stadtbild. Das relativ milde Klima im Rosensteinpark und in den Schlossgartenanlagen kommt den Tropenbewohnern aus Südamerika zugute.

Eine Ansiedlung ist unwahrscheinlich

Ein ungewöhnlicher Gast ist die Gelbkopfamazone in Möhringen nur auf den ersten Blick. „Die Cannstatter Vögel haben inzwischen ein ziemlich großes Streifgebiet für die Nahrungssuche, werden in kleineren Gruppen zum Beispiel regelmäßig am Max-Eyth-See oder in Fellbach beobachtet. Es gibt aber auch Beobachtungen in noch größerer Entfernung vom Brutareal beziehungsweise von den Schlafplätzen in Cannstatt“, sagt Tammler.

Dass sich die Vögel in Möhringen ansiedeln wollen, glaubt der Vogelexperte allerdings nicht. „Bisher hat es noch keinerlei bekannt gewordene Versuche gegeben, sich außerhalb des bekannten und einzigen Brutareals anzusiedeln.“ Es sei daher unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Streifzug um mehr als einen ausgedehnten Nahrungsflug gehandelt habe. Zudem seien Gelbkopfamazonen sehr soziale Tiere. Dass sich ein Einzelvogel ein neues Revier sucht, sei nicht zu erwarten.

Für heimische Vögel ist die Amazone keine Bedrohung

Für die heimische Tierwelt stellen die Papageien laut Ulrich Tammler keine Gefahr da. Zwar teilen sich die Gelbkopfamazonen in Bad Cannstatt ihre Brutplätze mit anderen Höhlenbrütern wie etwa den Dohlen. Und: „Im gleichen Gebiet existiert eine der, wenn nicht sogar die größte innerstädtische Hohltaubenkolonie Mitteleuropas. Offenbar bieten vor allem die Platanen ausreichend Höhlen zum Brüten für eine vergleichsweise große Zahl von Vögeln verschiedener Arten“, berichtet Tammler. Auch für die Flora stellen die Vögel kaum ein Problem dar. „Die können schon mal einen Gartenbesitzer ärgern, wenn sie Baumknospen knabbern, aber sonst sind die Amazonen unproblematisch und auch zu wenige, um echte Schäden anzurichten“, sagt Tammler.

Sonderthemen