Gelbkopfamazonen in Bad Cannstatt Anwohner schießt auf Papageien

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Ein Bewohner des Kurpark-Viertels ist anscheinend so genervt von den Gelbkopfamazonen, dass er regelmäßig zur Schreckschusspistole greift. Die Polizei kann nichts machen, der Naturschutzbund hat sich aber bereits eingeschaltet.

Die Gelbkopfamazonen sitzen meist morgens  auf den Bäumen in diesem Innenhof im Kurpark-Viertel. Foto: Maira Schmidt
Die Gelbkopfamazonen sitzen meist morgens auf den Bäumen in diesem Innenhof im Kurpark-Viertel. Foto: Maira Schmidt

Bad Cannstatt - Für gewöhnlich ist es eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier. Seit vielen Jahren leben die Gelbkopfamazonen in Bad Cannstatt. Auch wenn die Papageien ein ordentliches Getöse veranstalten können, sind sie bei den meisten Bewohnern beliebt. Als ihre Schlafbäume, die Platanen an der Daimlerstraße, im vergangenen Jahr gefällt werden sollten, liefen die Anwohner Sturm. Doch es scheint auch Menschen im Stadtbezirk zu geben, die von dem gellenden Schrei der quietschgrünen Vögel genervt sind und die Gelbkopfamazonen am liebsten loswerden würden.

Der Schütze wurde von der Polizei ermittelt

„Ein Nachbar schießt auf die Papageien“, erzählt Sophie Weber. Die 22-jährige Studentin wohnt im Kurpark-Viertel. In den vergangenen Monaten hat sie regelmäßig beobachtet beziehungsweise gehört, wie ein Anwohner vermutlich mit einer Schreckschusspistole auf die Papageien geschossen hat. „Plötzlich gab es einen Mordsschlag“ und dann seien die Amazonen weggeflogen, erzählt sie. Im Mai habe sie das zum ersten Mal mitbekommen. Die Papageien würden oft früh am Morgen auf den Bäumen im Innenhof des Wohnblocks sitzen. „Wenn man um sechs Uhr davon wach wird, nervt das natürlich. Aber dann mache ich einfach mein Schlafzimmerfenster zu“, sagt sie. Die Papageien mit der Schreckschusspistole zu vertreiben, dafür hat die Studentin kein Verständnis.

Die Amazonen leben schon lange in Bad Cannstatt. Foto: dpa

Die Polizei kennt den Fall. „Es gab schon mehrere Anzeigen“, sagt der Polizeisprecher Thomas Geiger. Der Schütze sei auch ermittelt worden. Eine Strafe habe er aber nicht zu befürchten, höchstens ein Bußgeld wegen Ruhestörung. Doch hierfür sei das Ordnungsamt zuständig. Aus polizeilicher Sicht stelle sich der Fall so dar: Innerhalb eines befriedeten Besitztums, also eines abgeschlossenen Privatgrundstücks, sei der Gebrauch einer Schreckschusspistole erlaubt. Dafür bedürfe es auch keines Waffenscheins, erklärt Geiger.

In ihrer Heimat Mexiko sind die Tiere gefährdet

„Ich finde das ein absolutes Unding“, sagt Ulrich Tammler vom Naturschutzbund (Nabu) Stuttgart. Er wusste bislang nichts von dem Vorfall, will sich aber nun schnellstmöglich mit dem Umweltamt in Verbindung setzen. Tammler kann sich nicht vorstellen, dass jemand mit einer Schreckschusspistole auf die Amazonen schießen darf. Schließlich handele es sich um eine „streng geschützte Art“. Es gibt weltweit in der freien Wildbahn nur noch weniger als 7000 Exemplare. In ihrer Heimat Mexiko sind die Tiere gefährdet. Bei den inzwischen rund 50 Vögeln in Bad Cannstatt handelt es sich um die einzige Brutpopulation außerhalb Amerikas.

Hinzu kommt laut Tammler, dass die Papageien noch bis Ende Juli gebrütet haben. Dass sie jemand während dieser Zeit absichtlich stört, könne man auf keinen Fall zulassen. Die gerade erst zu Ende gegangene Brutzeit ist aber auch die Erklärung dafür, warum am Himmel über Bad Cannstatt in den vergangenen Wochen einiges los war. Die Jungvögel bleiben in der ersten Zeit bei ihren Eltern, weshalb die Gelbkopfamazonen in größeren Gruppen unterwegs sind.

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