Geld anlegen für Jüngere Finanzanlagen sind kein Hexenwerk

Anleger müssen wachsam sein: Schlecht ist es, aus Angst vor Verlusten oder weil man den „richtigen Zeitpunkt“ abwarten will, gar nichts zu tun. Foto: KI/Midjourney/Illustration: Björn Locke

Einsteiger brauchen keine kostspieligen Berater, sollten sich aber etwas Zeit für das Thema Geldanlage nehmen. Das lohnt sich am Ende.

Die richtige Geldanlage ist vor allem für Einsteiger nicht ganz einfach. Denn schier unübersichtlich ist die Palette an Anlagemöglichkeiten. Wie sollte man sich als Anleger entscheiden bei der Abwägung zwischen Sicherheit, Risiken und Rendite-Chancen? Es kommt hinzu: Eine Vielzahl von Banken, Versicherungen und Beratern wirbt mit großen Versprechungen um den Anlagewilligen. Auch Freunde und Bekannte haben viele gute Ratschläge parat. Das kann verwirren. Viele Menschen scheuen davor zurück, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen und schieben Entscheidungen hinaus oder handeln dann spontan aus dem Bauch heraus.

 

„Es ist gar nicht so schwierig“

Dabei ist es nach Ansicht von Niels Nauhauser, Leiter des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, gar nicht so schwierig. „Wenn man sich ein paar Tage Zeit nimmt und sich damit beschäftigt, hat man anschließend eine Weile Ruhe. Es lohnt sich. Denn wer richtig anlegt, kann leicht mehrere zehntausend Euro mehr erwirtschaften als wer falsche Entscheidungen trifft. Und auch teure Provisionen und Gebühren, Abschlusskosten oder falsche Anlagestrategien schmälern die Anlage-Erträge erheblich“, so Nauhauser.

Niels Nauhauser ist Leiter des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Foto: VZBV/Wolfram Scheible

Langfristiger Horizont

Ganz schlecht ist es, aus Angst vor Verlusten oder einem Crash oder weil man den „richtigen Zeitpunkt“ abwarten will, gar nichts zu tun. Denn das Geld auf dem Giro- oder Bankkonto zu lassen, wirft so gut wie keine Renditen ab. Ebenso wenig empfiehlt es sich, quasi aus dem Bauch heraus auf Rat von Freunden oder Börsen-Tipps im Internet in Anlagen zu investieren, ohne darüber Bescheid zu wissen.

Nauhauser empfiehlt Aktien

Nauhauser empfiehlt, in Aktien zu investieren. Nicht in Einzelaktien, sondern etwa in ETFs. Das sind börsengehandelte Fonds, die Indices abbilden. „Langfristig gerechnet sind solche Anlagen nicht sonderlich riskant“, sagt der Experte. Er rät zu weltweit anlegenden Fonds wie MSCI All Country World (in Euro) oder den MSCI World (ebenfalls in Euro). Die breite Streuung über viele Länder, Branchen und oft mehrere tausend Unternehmen sorge dafür, dass Totalverlustrisiken eliminiert würden. Allerdings seien zwischenzeitliche Wertschwankungen von rund 50 Prozent immer möglich. Hält man die Anlagestrategie durch, partizipiere man an den Erträgen der Aktienmärkte, deren Rendite im Vergleich zu Lebensversicherungen, Anlagen mit festen Zinssätzen, Sparbriefen oder Bankkonten deutlich höher sei. Wer etwa zum Start des deutschen Aktienindex Dax 1987 einen Euro investierte, hat heute 18 Euro. Das ist ein Wertzuwachs von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr. Studien, die noch deutlich längere Zeiträume von mehr als 200 Jahren in den USA abdecken, kommen zu vergleichbaren Ergebnissen.

Interessenkonflikte bei Beratern

Für diese Art der Geldanlage braucht man weder teure Berater noch Fondsmanager. Diese verlangen hohe Provisionen, Margen und Beratungsgebühren, die am Ende der Kunde, also der Anleger, zahlt. Die Berater haben kein Interesse daran, den Anlegern die günstigsten oder besten Produkte zu verkaufen, sondern empfehlen die Anlagen, an denen sie selbst am besten verdienen. Die zusätzlichen Kosten für den Anleger können sich über die Jahre leicht auf mehrere zehntausend Euro summieren.

Ähnlich ist es bei aktiv gemanagten Fonds, die Banken oder Fonds zufolge höhere Renditen abwerfen. Die Anleger zahlen dafür üppige Aufschläge und Gebühren. Langfristig gesehen erzielen jedoch 85 bis 90 Prozent dieser Fonds schlechtere Ergebnisse als die breit gestreuten ETFs. Gier veranlasst manche Anleger auf Einzelaktien oder oft völlig intransparente und komplizierte Anlageformen mit angeblich unschlagbaren Renditen zu setzen. Auch das ist eine gefährliche Strategie. Natürlich: Wer rechtzeitig in Amazon, Microsoft, Nvidia oder Tesla investiert hat, konnte Riesen-Renditen erwirtschaften. Doch das ist nur einer kleinen Minderheit von Investoren gelungen.

Gold nur als Beimischung

Wer es wirklich nicht lassen kann, ein paar Einzelaktien zu kaufen, der sollte nur einen kleinen Teil des zur Verfügung stehenden Vermögens dafür riskieren. Das gilt übrigens auch für Gold oder Silber, die derzeit einen Boom erleben. „Sie eignen sich allenfalls als geringe Beimischungen“, meint Nauhauser. „Über längere Zeiträume konnte eine Anlage in Rohstoffe nicht mit den Renditen der Aktienmärkte mithalten.“

Wichtig ist es, bei der Planung nicht alles auf eine Karte, also alles auf Aktien zu setzen, sondern auch Festgeldanlagen etwa bei Direktbanken dazu zu nehmen. Und für Anschaffungen oder unerwartete Ereignisse wie eine Waschmaschine oder ein Auto, die kaputt gehen, sollten auch ein paar tausend Euro auf der hohen Kante liegen.

Ganz allein ist der Anleger bei seinen Entscheidungen nicht. Vergleiche etwa von Aktienfonds oder Direktbanken bietet Stiftung Warentest ( www.test.de ) oder die Stiftung Finanztip ( www.finanztip.de ). Und auch die Verbraucherzentralen stehen mit Rat und Tat zur Seite: Auf der Webseite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ( www.verbraucherzentrale-bawue.de ) gibt es kostenlose Informationen zu allen Fragen. Wem das nicht reicht, der kann dort für einen geringen Betrag Ratgeber zur Geldanlage erwerben und/oder eine umfangreiche Beratung (kostenpflichtig) etwa in Stuttgart, Schwäbisch Hall oder Reutlingen „buchen“.

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