Geld anlegen in Bitcoin und Co. Chancen, Risiken – und was Einsteiger auf keinen Fall tun sollten

Kryptowährungen faszinieren viele junge Menschen – doch der Einstieg ist riskant, warnen Experten. Illustration: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle

Sind Kryptowährungen eine sinnvolle Geldanlage – oder ein teures Risiko? Drei Experten geben Tipps, wie der Einstieg gelingt – und welche Fehler man vermeiden sollte.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Bitcoin, Ether und Co. faszinieren viele junge Anlegerinnen und Anleger. Doch was steckt wirklich hinter den digitalen Münzen, wie kann man sie kaufen – und lohnt sich das als langfristige Geldanlage? Drei Experten erklären, worauf Einsteiger achten sollten, wo Risiken lauern – und warum Wissen vor Euphorie kommt.

 

Wie funktionieren Kryptowährungen?

„Kryptowerte sind digitale Darstellungen eines Wertes, die nicht von einer Zentralbank herausgegeben werden, aber als Zahlungsmittel oder zu Anlagezwecken genutzt werden“, erklärt Christiane Hölz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Vereinfacht gesagt: Es handelt sich um digitale Einheiten, die über Computernetzwerke erzeugt und zwischen Menschen gehandelt werden können. Die Basis bildet die sogenannte Blockchain – eine Art digitales Register, das alle Transaktionen transparent und fälschungssicher dokumentiert.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt allerdings vor zu viel Begeisterung: „Die Preise von Bitcoin und anderen Kryptowerten sind rein spekulativ und kaum vorhersehbar. Sie besitzen keinen inneren Wert und sind nicht als Geld im klassischen Sinn zu verstehen.“

Wie kann man Kryptowährungen kaufen?

Der Einstieg erfolgt meist über sogenannte Kryptobörsen. Dort lassen sich digitale Währungen nach einer Registrierung und Identitätsprüfung mit Euro kaufen. „Wie bei einem normalen Bankkonto muss man sich verifizieren, Geld einzahlen und kann dann mit dem Handel beginnen“, sagt Hölz. Wichtig sei, auf seriöse Anbieter mit Sitz in Europa und klarer Regulierung zu achten.

Ulli Spankowski sieht Kryptowährungen als mögliche Ergänzung im Depot. Foto: Bison

Ulli Spankowski, Chef und Mitgründer der Handelsplattform Bison, empfiehlt, Plattformen sorgfältig zu vergleichen: „Sicherheit und Transparenz sollten oberste Priorität haben. In der EU sorgt die neue MiCAR-Verordnung für einen einheitlichen Rechtsrahmen, der Vertrauen schafft.“

Wo werden Bitcoins und Co. aufbewahrt?

Nach dem Kauf stellt sich die Frage der sicheren Verwahrung. Viele Einsteiger belassen ihre Kryptowährungen zunächst bei der Handelsplattform, über die sie gekauft wurden. „Das ist für den Anfang einfach, birgt aber ein gewisses Abhängigkeitsrisiko“, sagt Christiane Hölz.

Wer mehr Kontrolle möchte, kann seine digitalen Münzen selbst in einer sogenannten Wallet speichern – einer digitalen Geldbörse. Es gibt Hardware- und Software-Wallets, die jeweils unterschiedlich sicher und komfortabel sind. Spankowski rät, sich vorab mit den Grundlagen vertraut zu machen: „Wer seine Coins selbst verwahrt, ist auch allein verantwortlich – insbesondere für den Schutz des privaten Schlüssels, ohne den der Zugriff auf die eigenen Bestände verloren geht.“

Welche Risiken sollten Einsteiger kennen?

Kryptowährungen gelten als hochriskant. „Neben der extremen Volatilität ist das Risiko eines Totalverlusts real“, betont Hölz. Zusätzlich drohen technische Probleme, Cyberangriffe und regulatorische Unsicherheiten. Besonders spekulativ seien sogenannte Meme-Coins, die oft aus Internet-Trends entstehen und schnell komplett wertlos werden können.

Auch Nauhauser warnt deutlich: „Kryptowerte sind zur Altersvorsorge völlig ungeeignet. Sie schwanken stark, können jederzeit an Wert verlieren und locken immer wieder Betrüger an.“ Die Verbraucherzentralen erhalten regelmäßig Beschwerden von Anlegern, die auf gefälschte Trading-Portale hereingefallen sind.

Vebraucherschützer Niels Nauhauser warnt vor einem Investment in Kryptowährungen. Foto: Wolfram Scheible

Bison-Chef Spankowski ergänzt: „Der Verlust privater Schlüssel oder Phishing-Angriffe zählen zu den größten technischen Risiken. Wer investiert, sollte sich vorab intensiv mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen.“

Welche Chancen bietet ein Investment?

Trotz aller Risiken haben sich Kryptowährungen in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Marktsegment entwickelt. „Bitcoin war eines der bestperformenden Anlageobjekte der vergangenen Dekade“, sagt Hölz. Dennoch: Die starken Kursschwankungen machen sie zu einem Investment nur für Risikobewusste. „Man sollte nur Geld investieren, das man im Zweifel komplett verlieren kann.“

Spankowski sieht Kryptowährungen als mögliche Ergänzung im Depot: „Ihre Entwicklung verläuft nicht immer parallel zu klassischen Märkten. Das kann helfen, ein Portfolio breiter aufzustellen – aber nur in überschaubarer Gewichtung.“

Sind Kryptowährungen das neue Gold?

Häufig wird Bitcoin als „digitales Gold“ bezeichnet, doch der Vergleich hinkt. „Beide sind begrenzt verfügbar, aber Gold hat eine jahrhundertelange Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel – Bitcoin dagegen ist extrem volatil und reagiert stark auf Marktstimmungen“, erklärt Hölz.

Dennoch zeigt sich ein Trend: Gerade jüngere Anlegerinnen und Anleger sehen in Kryptowährungen zunehmend eine Alternative. „Digitale Werte etablieren sich schrittweise als eigene Anlageklasse – allerdings mit ganz anderem Risikoprofil als Edelmetalle“, sagt Spankowski.

Fazit

Kryptowährungen können faszinierend sein – technologisch wie auch als spekulative Geldanlage. Doch sie bleiben riskant, unberechenbar und nichts für die Altersvorsorge. Wer einsteigen will, sollte sich gründlich informieren, nur seriöse Plattformen nutzen und sich bewusst machen: Renditechancen und Verlustrisiken liegen hier oft dicht beieinander.

Drei Dinge, die Einsteiger wissen sollten

Kein sicherer Hafen
Kryptowährungen sind extrem schwankungsanfällig – ein Totalverlust ist möglich.

Nur seriös handeln
Nutzen Sie nur regulierte Anbieter mit Sitz in der EU und klarer Aufsicht.

Wissen schützt
Verstehen Sie die Technologie, bevor Sie investieren – und investieren Sie nur Beträge, deren Verlust Sie verkraften können.

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