Geldanlage Bitcoins sind keine Goldstücke

Bitcoins zum Anfassen sind praktisch nur Gutscheine für das virtuelle Original. Foto: AFP/INA

Die Kryptowährung lockt mit enormen Wertzuwächsen. Den Chancen steht jedoch die Gefahr eines Totalverlusts gegenüber, warnt Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Frankfurt - Zigtausend Dollar werden auf Online-Plattformen derzeit für einen einzigen Bitcoin gezahlt. Also im Grunde für einen Schnipsel Computercode. Denn jeder Bitcoin ist letztlich nur ein Eintrag in einem elektronischen Register.

 

Ganz so verrückt, wie sie zunächst klingt, ist die Sache nicht. Denn es handelt sich um ein ganz besonderes Register: Es ist auf Tausenden von Computern weltweit abgespeichert, und jede Änderung wird durch aufwendige mathematische Operationen verifiziert. Deshalb kann ein Bitcoin sicher von einem an das Netzwerk angeschlossenen Computer an einen anderen übertragen werden, ohne Bank oder sonstige zentrale Kontrollinstanz. Denn über das verteilte Register kann jederzeit überprüft werden, ob der Zahlende tatsächlich über den angewiesenen Betrag in Bitcoin verfügt. Seit seiner Entstehung 2009 zeigt sich dieses Register, genannt Blockchain, resistent gegen Manipulationen.

Die Erfolgsgeschichte wurde von Skandalen begleitet

Das System wird mittlerweile auch für andere Anwendungen erprobt, etwa für Zahlungen von Maschine zu Maschine. Begleitet wurde der technische Erfolg der Bitcoin-Entwickler allerdings von allerlei Skandalen: 2014 wurden bei einem Hacker-Angriff auf den Online-Handelsplatz Mount Gox rund 850000 Bitcoins gestohlen. Zu kleineren Angriffen auf Online-Handelsplätze oder auch die elektronischen Geldbörsen (Wallets) einzelner Anleger kommt es immer wieder. Kriminelle machen sich überdies den Umstand zunutze, dass Zahlungen über das Bitcoin-Netzwerk weitgehend anonym erfolgen. Die virtuellen Münzen kommen deshalb beispielsweise bei Geschäften mit Waffen oder Kinderpornografie zum Einsatz.

Bitcoins an sich sind aber nicht schmutzig. Dass die meisten Geschäfte sie nicht als Zahlungsmittel akzeptieren, hängt mit den enormen Kursschwankungen zusammen: Aktuell dürften wenige Bitcoin-Besitzer bereit sein, die kostbaren virtuellen Münzen auszugeben. Bei fallenden Kursen wiederum will kein Unternehmen sie haben. Kurzum: der praktische Nutzen von Bitcoins ist begrenzt.

Vergleiche mit Gold führen in die Irre

Dass sie bei Investoren so hoch im Kurs stehen, liegt vor allem daran, dass die virtuellen Münzen ein knappes Gut sind: Ihre Stückzahl ist technisch auf 21 Millionen begrenzt. 18,6 Millionen gibt es bereits, nur noch 2,4 Millionen können hinzukommen. Ähnlich wie Gold sollen die virtuellen Münzen daher Schutz gegen Inflation bieten. Dieses Argument stößt auf Interesse in einer Zeit, da die Notenbanken die Märkte mit billigem Geld fluten.

Zwischen Gold und Bitcoins gibt es aber erhebliche Unterschiede. Das Edelmetall wäre selbst dann noch etwas wert, wenn es kein Investor mehr wollte – weil es als Material für Schmuck und auch für industrielle Zwecke genutzt wird. Der hohe Bitcoin-Kurs dagegen beruht allein auf der Annahme, dass die Kryptowährung für Anleger weiter an Attraktivität gewinnt.

Die nächste Finanz-Innovation könnte Bitcoin überflüssig machen

Aktuell spricht vieles dafür, Investitionen in Bitcoin sind deshalb keineswegs irrational. Aber sie bleiben hochriskant. So könnten Regierungen versuchen, Geschäfte mit Bitcoins zu erschweren, um kriminelle Aktivitäten zu unterbinden. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, forderte am Mittwoch eine Regulierung der Kryptowährung. Einfach wird das allerdings nicht: Für eine Regulierung des weltweiten Netzwerks bedürfte es einer globalen Allianz. Schritte einzelner Länder könnten zwar den Kurs drücken, dem Bitcoin langfristig aber wenig anhaben.

Die größere Gefahr für die Mutter aller Krypto-Währungen ist, dass irgendwann ein noch besseres digitales Anlagevehikel auftaucht Dann würde der Bitcoin-Preis ins Bodenlose fallen.

barbara.schaeder@stzn.de

Weitere Themen