Geldanlage Niedrigzinsen treffen Frauen besonders hart

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Noch stärker als Männer setzen Sparerinnen in Deutschland auf Zinsprodukte. Am Kapitalmarkt sind nur wenige aktiv – obwohl sie dort nach Einschätzung von Experten vielfach vernünftiger agieren als die Herren der Schöpfung.

Selbst vermögende Frauen wollen bei der Geldanlage oft kein Risiko eingehen. Foto: dpa-Zentralbild
Selbst vermögende Frauen wollen bei der Geldanlage oft kein Risiko eingehen. Foto: dpa-Zentralbild

Frankfurt - Die niedrigen Zinsen auf Bankkonten und andere Sparanlagen treffen Frauen noch stärker als Männer. Das zeigt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Kooperation mit der Direktbank ING-Diba. Frauen investieren demnach seltener in Wertpapiere als Männer und lassen ihr Geld überwiegend auf niedrigverzinsten Bankkonten liegen. „Gerade mit Blick auf die Altersvorsorge verschenken Frauen Potenziale, bessere Renditen zu erzielen“, kommentierte Martin Schmidberger, Leiter des Produkt- und Zielgruppenmanagements bei ING Diba.

Laut ZEW-Studie legen 22 Prozent der Haushalte, in denen ein Mann über die Geldanlage entscheidet, einen Teil ihres Sparvermögens in Wertpapieren an. Von den Haushalten mit einer Frau als „Finanzchefin“ tun dies nur 15 Prozent. Wenn Frauen überhaupt am Kapitalmarkt investieren, dann seltener als Männer in einzelne Aktien, sondern lieber in Fonds. „Da machen es die Frauen eigentlich besser“, sagte Professor Martin Weber vom ZEW. Aus wissenschaftlicher Sicht empfehle sich eine breite Streuung des Geldes über zahlreiche Aktien aus verschiedenen Branchen. Dieses Ziel ist gerade bei kleineren Beträgen mit dem Kauf von Fondsanteilen leichter zu erreichen als beim Erwerb einzelner Aktien. Denn Fondssparpläne gibt es schon für Monatsraten ab 25 Euro – viele Einzeltitel kosten mehr.

Frauen zeigen weniger Risikobereitschaft

Hauptgrund für die Unterschiede im Anlageverhalten ist laut Weber die bei Frauen größere Risikoscheu. Darauf deuten auch zahlreiche andere Untersuchungen hin. Kontrovers diskutiert wird allerdings, ob nicht andere Faktoren wie das geringere Durchschnittseinkommen von Frauen wichtiger sind. Tatsächlich zeigt die ZEW-Studie, dass die Risikobereitschaft mit wachsendem Einkommen steigt – unabhängig vom Geschlecht. Gleichwohl sind auch in hohen Einkommensklassen die Frauen risikoscheuer als die Männer.

Auf mangelnde Kompetenz oder Erfahrung in Finanzfragen ist dies der Studie zufolge nicht zurückzuführen. In 52 Prozent der erfassten Haushalte liegt die Geldanlage in männlichen Händen, in den übrigen bei der Frau des Hauses – das Verhältnis ist also nahezu ausgeglichen. Für die Untersuchung wurde eine Umfrage der Bundesbank in 4461 Privathaushalten neu ausgewertet.

Die Ergebnisse passen zu den Erfahrungen der ING Diba. Von den rund neun Millionen Kunden der Bank in Deutschland haben 18 Prozent ein Wertpapierdepot, bei den Frauen ist diese Quote mit zwölf Prozent aber deutlich niedriger als bei den Männern (23 Prozent). Dafür seien die Depots der am Kapitalmarkt aktiven Kundinnen im Schnitt ausgewogener als die der Männer, sagte Schmidmann. Ihre Geldanlagen seien damit weniger starken Kursschwankungen unterworfen – sowohl nach unten als auch nach oben.