Geldanlage Schließfächer für Gold werden knapp

Von Thomas Spengler 

In der Niedrigzinsphase horten die Menschen das Edelmetall – und das hat seinen Preis. Warum sich gerade das gelbe Edelmetall einer neuen Beliebtheit erfreut.

Der Goldschatz der Bundesbank in Frankfurt zählt zu den größten weltweit. Foto: dpa
Der Goldschatz der Bundesbank in Frankfurt zählt zu den größten weltweit. Foto: dpa

Stuttgart - Dass der Lockruf des Goldes weiter die Menschen in seinen Bann zieht, zeigt die aktuell herrschende Nachfrage nach dem Edelmetall durch private wie institutionelle Anleger. Dies machte sich 2017 in Europa auf den ersten Blick nicht unbedingt in der Entwicklung des Goldpreises bemerkbar. Schließlich ergab sich für Euro-Anleger im Jahresverlauf sogar ein leichtes Minus. In US-Dollar, der Währung, in der der Goldpreis notiert, legte das Edelmetall 2017 aber um zehn Prozent auf ein Niveau von 1300 US-Dollar (rund 1070 Euro) zu.

„Dieser Aufwärtstrend wird sich im Jahresverlauf fortsetzen“, schätzt Frank Schallenberger, Leiter Rohstoffanalyse der LBBW, der bis Ende 2018 mit einem Preis von 1400 US-Dollar (rund 1152 Euro) pro Feinunze (31,1 Gramm) rechnet. Und eine günstigere Euro-/Dollar-Relation werde dem europäischen Anleger den Trend dieses Jahr noch zusätzlich versüßen, so sein Kalkül. Im bisherigen Jahresverlauf zeigte sich der Goldpreis zunächst äußerst nervös. Er tendierte in einer Bandbreite zwischen 1310 und 1360 Dollar hin und her.

Die Nachfrage ist gestiegen

Noch im Vorjahr waren die Bestände von auf Gold lautenden ETCs (Exchange Traded Commodities) weltweit um zehn Prozent gestiegen – was einer zusätzlichen Nachfrage von 230 Tonnen entsprach. Die Anleger horten also Gold, ob in Form von Zertifikaten, ETCs oder eben physischen Werten. Darauf weist auch das starke Kundeninteresse an Tresorraum bei Stuttgarter Banken hin, wie Commerzbank und BW-Bank unisono berichten. „Die Nachfrage nach Schließfächern nimmt stetig zu“, sagt Stephan Wellnitz, Leiter des Edelmetall- und Münzkabinetts der BW-Bank. Von rund 60 Euro für das kleinste Schließfach mit dem Grundriss eines DIN-A4-Blatts bis zum Safe von mehr als 270 000 ccm für 714 Euro pro Jahr lassen sich die Kunden die Sicherheit im Banktresor im Falle der BW-Bank kosten. Natürlich werden dort neben Gold auch noch andere Wertsachen eingelagert. Aber es ist insbesondere die Nachfrage nach sicherem Lagerraum für physisches Gold, die die Schließfächer knapp werden lässt, wie Ferdinand Eppli vom gleichnamigen Stuttgarter Auktionshaus sagt.

Anleger schätzen an Gold, dass es leicht zu verstehen ist

1300 Schließfächer in verschiedenen Größen bietet Eppli seit zwei Jahren an, von denen die ganz großen mit einer Jahresmiete von 600 Euro längst belegt sind. Verstärkt wird die Knappheit durch die Schließung von immer mehr Bankfilialen.

Warum sich aber das gelbe Edelmetall einer neuen Beliebtheit erfreut? Bedingt durch die anhaltende Niedrigzinsphase investieren Anleger ihr Geld vermehrt in Sachwerte wie physisches Gold, wie Eppli meint. Außerdem könne man Gold eben anfassen und sich in den Tresor legen, sagt Wellnitz. Eine Goldmünze oder ein Barren seien kein abstraktes Anlagevehikel, das nur schwer zu verstehen sei. „Diesen Aspekt würde ich nicht unterschätzen“, so Wellnitz, mit dessen Münzkabinett die BW-Bank eine Art Alleinstellungsmerkmal unter Stuttgarts Banken aufweist. Großer Nachfrage erfreuen sich dort nach wie vor gängige Stücke wie beispielsweise südafrikanische Krügerrand, kanadische Maple Leaf oder aus­tralische Kangaroo-Münzen, ebenso Fünf- und 100-Euro-Goldmünzen der Bundesrepublik – „ein wahnsinniger Hype“, wie Wellnitz sagt. Auch Fair-Trade-Gold aus kontrollierter und zertifizierter Herkunft ist zunehmend beliebt. Und viele Kunden schätzen Münz-Abos, eine Art Dauerauftrag, in dessen Rahmen Sonderprägungen automatisch erworben werden können.

Umgekehrt kauft das Münzkabinett der BW-Bank auch komplette Sammlungen von Privatpersonen wie Numismatikern an. Unter anderem für den europaweiten Vertrieb bietet das Institut über den Online-Shop des Münzkabinetts hochwertige Sammlermünzen an. Hier gehen die Erwartungen über die Wertentwicklung des Goldpreises hinaus, weiß Eppli. „In unseren Auktionen stellen wir einen Trend zu Seltenheit und sehr guter Qualität fest. Auch geografische Trends wie beispielsweise Russland oder Indien sind zu verzeichnen“, sagt er. Dabei würden die Sammler großen Wert auf die Qualität der Münzen legen. „Kratz- und Abnutzungsspuren mindern den Wert sofort“, so Eppli.

In Gold sollte man laut Experten eher langfristig anlegen

Grundsätzlich sind Gewinne aus dem Verkauf von Barren und Münzen, der ein privates Veräußerungsgeschäft darstellt, nach mehr als einem Jahr steuerfrei und Verluste unbeachtlich. Natürlich mag auch die steuerliche Behandlung von physischem Gold bei einem Investment in das Edelmetall für manchen Anleger eine Rolle spielen. Doch wird die Möglichkeit zur Spekulation mit Barren und Münzen durch die An- und Aufschläge bei Banken und Goldhändlern gedämpft. Dabei gilt als Faust­regel, dass die gewinnmindernde Spanne zwischen An- und Verkaufskurs umso größer wird, je kleiner die Münze ist. Daher empfiehlt Wellnitz das physische Gold in unterschiedliche Stückelungen aufzuteilen – also lieber vier 250-Gramm-Barren anstatt eines Kilo-Barrens zu kaufen. „Denn Gold kann man nun mal nicht abbeißen“, sagt er augenzwinkernd.

Daher sollte man beim Kauf von Gold eher einen mittel- bis langfristigen Zeithorizont im Blick haben, heißt es bei der BW-Bank. „Gold ist eine Assetklasse wie Aktien oder Zinspapiere“, sagt Schallenberger und verweist auf den derzeit eher günstigen Zeitpunkt für einen Einstieg. Zum einen sind die Aktienmärkte schon gut gelaufen, und zum anderen ist das Zinsniveau in den wichtigsten Währungsräumen immer noch sehr niedrig. Der Preis des Edelmetalls habe noch einen gewissen Nachholbedarf und tauge immer für eine Depotbeimischung von fünf bis zehn Prozent. „Gold glättet Schwankungen“, so der Experte. Allerdings sollte man immer auch einen Blick auf die Euro-/Dollar-Relation werfen.

Damit ist das Edelmetall das geblieben, als was es schon seit Urzeiten gilt: eine Krisenwährung, die als Versicherung fürs sonstige Vermögen dienen kann.