Geldhaus zieht Bilanz Mehr Kredite, mehr Einlagen: Sparkasse sieht Silberstreif

Vorstand sieht Lichtblicke in der Wirtschaft (v.l.): Oliver Braun, Michael Fritz und Markus Linha Foto: jps

Die Kreissparkasse Böblingen wächst 2025 mit Krediten, Sparguthaben und Neugeschäft. Das deutet auf eine konjunkturelle Erholung hin.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Glaubt man den jüngsten Konjunkturberichten der IHK, so hängt der Konjunkturhimmel nach zwei Jahren Rezession noch immer voller dunkler Wolken. Doch die Kreissparkasse Böblingen – als größtes Geldinstitut im Kreis Böblingen nah dran an den Entwicklungen – sieht deutlich einen Silberstreif am Horizont: „Wir befinden uns in Zeiten, wo man jetzt nicht nur jammern muss“, sagt der Vorstandsvorsitzende Michael Fritz. Die Bilanzsumme des Instituts wuchs um rund 200 Millionen Euro auf 11,9 Milliarden Euro. Den Jahresüberschuss nach Steuern weist Fritz mit 15 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe aus.

 

Ein Indikator für eine wirtschaftliche Erholung im Kreis Böblingen seien die privaten Baufinanzierungen, die sich 2025 mit einem Volumen von 865,0 Millionen Euro nach 739,7 Millionen Euro im Vorjahr auf einem hohen Niveau hielten. Überhaupt habe sich im Immobilienmarkt die Stimmung aufgehellt: „Man glaubt an die Zukunft des Kreises“, sagt Fritz’ Vorstandskollege Oliver Braun. Insbesondere gebrauchte Immobilien würden wieder stärker nachgefragt.

Bautätigkeit zieht langsam an

Interessant: Bei Immobilienkäufern sei mittlerweile „jeder Fünfte ein Kapitalanleger“, was auch durch die vergünstigte Möglichkeiten der Abschreibung begünstigt werde. Die Mietpreise stiegen allerdings weiter, da der Bedarf an Wohnraum durch Neubauten nicht ausreichend gedeckt werden könne. Bei Bauträgern, die nach der Zinswende sehr zurückhaltend waren, sei eine „Bodenbildung“ erkennbar, mit einer verstärkten Nachfrage nach kleineren Wohnungs-Zuschnitten.

Auch die Einlagen der Kundinnen und Kunden stiegen um 300 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 3,8 Prozent entspricht und teilweise auf attraktive Anlageprodukte sowie kurzfristige Gelder zurückzuführen sei, so der Vorstand. Im gewerblichen Bereich verzeichnete das Neugeschäft bei Darlehen ein Wachstum auf 596,2 Millionen Euro, getragen von Investitionen in gewerbliche Immobilien und klassischen Unternehmensprojekten.

Die Kreissparkasse weist eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro aus. Foto: Stefanie Schlecht

Michael Fritz betonte, wie sich „aus einer inversen Zinskurve nun eine normale Kurve“ entwickelte, was zu einer „Normalisierung“ und mehr Geschäft führte. „Das alles ist aber kein Selbstläufer, sondern hart erarbeitet“, sagt Fritz. Das Privatkundengeschäft, verantwortet von Oliver Braun, stellt das Geldinstitut ebenfalls zufrieden. „Wir wachsen“, sagt er, und das vor allem durch die Nähe zum Kunden in den Geschäftsstellen. Ein Großteil der saldiert 2000 neuen Girokonten werde in den Filialen eröffnet.

„Das Wachstum ist kein Selbstläufer, sondern hart erarbeitet.“

Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender

Braun: „Die Kunden schätzen die Kombination aus Online-Banking und der Möglichkeit, vor Ort persönlich beraten zu werden.“ Eine interne Auswertung zeige, dass 90 Prozent der Kunden eine Filiale in nur 4,3 Minuten erreichen könnten. Das digitale Angebot wurde mit dem Kunden-Service-Center und dem europäischen Bezahlsystem Wero weiter ausgebaut. Wachstumstreiber seien außerdem die wachsenden Kundendepots: So erhöhte sich der Wertpapierbestand zum Jahresende 2025 auf 3,2 Milliarden Euro nach 2,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

Steigende Auftragseingänge

Markus Linha, Firmenkundenvorstand, unterstrich die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen im Landkreis Böblingen. „Nur wer Chancen ergreift, bringt sein Unternehmen voran“, so Linha. Der Landkreis gilt laut Prognos Zukunftsatlas 2025 als der zukunftsfähigste in Baden-Württemberg. Die Stimmung bei den Unternehmen sei erstmals wieder positiv, und die Auftragseingänge der Südwestindustrie hätten sich zum Jahresende wieder ins Positive gedreht.

Linha: „Wenn in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent wächst, wächst es in Baden-Württemberg um drei bis vier Prozent.“ Eine „Kreditklemme“ gebe es nicht; die Sparkasse verzeichne eine Zunahme der Finanzierungen und habe ihre Standards bei der Kreditvergabe nicht verändert. Auch eine „Insolvenzwelle“ oder ein signifikanter Anstieg der Insolvenzen im Firmenkundengeschäft sei nicht festzustellen. Gute Neuigkeiten gibt es außerdem bei den Firmengründungen.

Die Nachfrage in der Existenzgründungsberatung zog im zweiten Halbjahr deutlich an mit plus 43 Prozent; 53 Vorhaben wurden finanziert. Die Übernahmefinanzierungen stiegen außerdem, da familieninterne Übergaben an Bedeutung verlieren. Gewerbliche Vermietungen bezeichnete Linha hingegen nach wie vor als „echt anspruchsvoll“. Die Unternehmen rechneten sehr genau nach und versuchten Mietkosten einzusparen, da diese variabel seien.

Die Kreissparkasse investiert außerdem weiterhin in ihre Infrastruktur und ihr Personal. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg leicht auf 1222, mit „signifikanten Steigungen bei den Auszubildenden“, womit die Kreissparkasse dem Trend im Landkreis entgegenwirkt. „Wir geben mehr Geld aus in Gebäude und IT“, so Fritz. Zahlreiche Filialen, darunter Maichingen, Herrenberg, Aidlingen und Gültstein, würden energetisch saniert. Für die Böblinger Zentrale ist die Sanierung der Bauteile zwei und drei geplant, was den Publikumsverkehr aber nicht einschränken soll.

Wichtige Kennzahlen

Bilanzsumme
Diese wächst um 200 Millionen Euro auf 11,9 Milliarden Euro, getrieben vor allem durch Kredit- und Einlagengeschäft.

Zinsüberschuss
Diese Zahl beschreibt das Kerngeschäft des Geldinstituts: So viel hat die Sparkasse 2025 mehr durch Kreditzinsen eingenommen als durch Sparzinsen ausgezahlt: 177 Millionen Euro (175 Millionen in 2024).

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