Geldpolitik im Euroraum Zinswende trotz Inflationsdrucks – unglückliches Timing der EZB

Notenbankchefin Lagarde – die EZB hält sich zum weiteren Zinspfad bedeckt. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die EZB will mit ihrem Zinsschritt Glaubwürdigkeit beweisen. Der mauen Wirtschaft hilft sie damit nicht, meint Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich das Leben selbst schwer gemacht. Sie gab schon vor Monaten Entwarnung in Sachen Inflation und schwor die Märkte auf eine Zinssenkung im Juni ein. Obwohl die Teuerung wieder anzog, kamen die Notenbanker aus der Nummer nicht mehr raus – allein schon, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, mussten sie ihren Worten Taten folgen lassen. Der Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte ist vertretbar, da der Einlagenzins sehr deutlich über der Inflationsrate liegt. Doch der Zeitpunkt ist unglücklich.

 

Ob sich die Lage an der Preisfront wie erhofft beruhigt, ist ungewiss. Die EZB trug neuen Teuerungsrisiken Rechnung, sie hob ihre Inflationsprojektionen für dieses und kommendes Jahr an. Notenbankchefin Christine Lagarde machte deutlich, dass man nur weiter lockert, wenn die Wirtschaftsdaten es erlauben. Ein entschlossener Zinssenkungszyklus ist damit nicht zu erwarten – eine weitere geldpolitische Lockerung könnte auf sich warten lassen. Dann wäre der mauen Wirtschaft im Euroraum aber auch nicht geholfen. Um einen nennenswerten Konjunkturimpuls zu setzen, ist ein kleiner isolierter Zinsschritt zu wenig.

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