Gelungene Premiere Erster Fasnetsumzug in Rohrau kommt gut an

Hexen und Narren nahmen am Samstag Rohrau ein: Es herrschte Ausnahmezustand im Ortskern Foto: /Stefanie Schlecht

Rundum gelungen ist die Umzugspremiere der Rohrauer Narren am Samstag – mehrere tausend Menschen säumten die Umzugsstrecke. Anschließend blieben viele bei frühlingshaften Temperaturen zur Fleggafasnet.

Ausgelassen, friedlich und familiär war die Stimmung, die am Samstagnachmittag ebenso durch Rohraus Hauptstraße schwappte wie der Narrenruf „Narri-Narro“. Die Hästräger waren zahlreich zur Umzugspremiere gekommen, um mit den Rohrauer Saadmännern und -weibern das 15-jährige Bestehen ihres Vereins zu feiern, der aktuell rund 130 Mitglieder hat.

 

Und das Teilnehmerfeld dieser besonderen Erstauflage konnte sich sehen lassen: 37 Gruppen mit insgesamt rund 1600 Narren legten die kompakte Strecke zurück, die einmal quer durch den Flecken vom nordöstlich gelegenen Schuppengebiet im Tal bis zum Krebsbach führte: Das Publikum, das den gesamten Verlauf mehrreihig dicht an dicht säumte, bekam ein mehr als eineinhalbstündiges Fasnetspektakel geboten mit bunt gewandeten Gruppen, vielen fantasievollen Kostümen samt kunstvoll geschnitzter Masken, jeder Menge Live-Musik und dem typischen Narren-Schabernack.

Besonders viel Applaus gab es für die verschiedenen Hexen, Trolle und Konsorten, wenn sie ihr akrobatisches Können zeigten und ihre bis zu fünfstöckigen Hexenpyramiden aufbauten, die bei der ein oder anderem Gruppe dann sogar ein Mitglied freihändig stehend krönte. Auch die zahlreichen Hexenwagen zogen die Blicke auf sich – und sorgten für ordentlich viel Rauch, der freilich nicht aus dem Auspuff der Zugmaschinen aufstiegt, sondern aus dem Wageninneren nach draußen waberte.

In kurzweiliger Dialog-Manier kommentierte ein Moderatoren-Duo das fröhliche Geschehen auf der Gass’. Den Überblick behielt Jens Albrecht, der zweite Vorsitzende der Rohrauer Narren, aus dem ersten Stock des Rathauses des rund 1700 Einwohner zählenden Gärtringer Teilorts. Andreas Bilwachs, der bis 2020 dem Verein vorstand, stürzte sich dagegen direkt ins Getümmel, um in spontanen Interviews so einiges zu erfahren – etwa, dass der von Wilfried Kientzle liebevoll restaurierte Deutz-Schlepper, der den Wagen der Blasmusik-Gruppe „Heilix Blechle“ zog, Baujahr 1965 ist. Oder dass die Figur des „Fole“ der 1. Narrenzunft Herrenberg der Sage nach ein Waldschütz im Spitalwald war, der nun zur Strafe umgehen muss, nachdem er einen Grenzstein versetzt hatte. Zudem sorgten die beiden dafür, dass das Publikum in die Narrenrufe der verschiedenen Zünfte im Wechsel einstimmte.

Nach Ende des Umzuges verwandelte sich Rohraus Hauptverkehrsachse zu einer einzigen Partyzone: Die großen und kleinen Zuschauer, von denen auch etliche kostümiert gekommen waren, feierten gemeinsam mit den Hästrägern bis in die Abendstunden bei frühlingshaften Temperaturen weiter. „Mega zufrieden“ und „überwältigt“, zog der aktuelle Zunftmeister Mario Bilwachs am Sonntagvormittag ein rundum positives Fazit. Vom Anfang des Umzugs bis in die Nacht sei die Stimmung „friedlich und ausgelassen“ geblieben, sagt er.

Die teils langen Schlangen vor den verschiedenen Essens- und Getränkeständen nahmen sie dabei ebenso mit Gelassenheit, wie sie Platz für die Hexenwagen machten, damit diese die Fleggafasnet bereicherten. „Prima“, „wunderbar“, „toll“, waren auch die durchweg positiven Kommentare aus der Menge in Feierlaune, etwa von einer Frauengruppe aus Gärtringen, die mit ihren Jacken und Hosen in Flickenoptik ins Auge stachen, oder von der Vierergruppe Schulfreundinnen aus Öschelbronn, Altingen und Gültstein, die trotz vielem Konfetti in den Haaren und verschiedener Farben im Gesicht alle strahlten.

Auch Jens Albrecht sowie Andreas und Mario Bilwachs hatten direkt nach Umzugsende leuchtende Augen. „4500 plus“ schätzten die drei die Anzahl der Menschen, die die Rohrauer Ortsmitte bevölkerten. „Das ist das größte Fest, seit es Rohrau gibt“, waren sie sich einig. Ortsvorsteher Torsten Widmann stimmte in die Euphorie mit ein: „So etwas hat Rohrau noch nie gesehen.“ Von ihm gab es zudem ein Lob für die „professionelle Vorbereitung“ und die gute Abstimmung mit allen Beteiligten.

Der achtköpfige Festausschuss hatte vor eineinhalb Jahren mit der Planung begonnen. Nachdem die Resonanz von allen Seiten nur positiv sei, gehe die Tendenz schon in die Richtung, dass es irgendwann mal eine Neuauflage eines Fasnetsumzugs in Rohrau geben könnte, so Mario Bilwachs – „aber nicht gleich nächstes Jahr“.

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