Gema-Kosten auf Weihnachtsmärkten „Es ist für uns keine Option, auf Musik zu verzichten“

Der Adventszauber in Böblingen lockt scharenweise Besucher an. Foto: Eibner-Pressefoto/Archiv

Für viele Gemeinden ist Musik auf dem Weihnachtsmarkt wegen der Gema-Gebühren zu teuer geworden. Wie sieht es im Kreis Böblingen aus? Bleibt es wo stumm?

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Wenn Eberhard Zipperer an einem frühen Winterabend sein Flügelhorn in die Hand nimmt, wissen die Menschen im Ort, dass es gleich festlich wird. Seit der Coronapandemie zieht der 56-jährige Altdorfer am Wochenende immer mal wieder durch die Straßen, macht einen Abstecher im Pflegeheim und bereitet Senioren mit vertrauten Melodien eine Freude. Doch sobald Zipperer in der Öffentlichkeit in sein Flügelhorn bläst, kommt plötzlich eine Frage ins Spiel: müssen Ehrenamtliche selbst bei kleinen, spontanen Vorspielen Gema-Gebühren bezahlen?

 

„Gema-Gebühren sind ein bürokratisches Monster“, sagt Zipperer. Sechs Stunden sei er kürzlich dagesessen, nachdem er zuvor mehrere Stunden in der Warteschleife am Telefon verbracht hatte, um eine Veranstaltung, die musikalisch umrahmt werden sollte, bei der Gema anzumelden. „Per Telefon ging nichts, per Mail ging nichts“, schließlich habe er sich auf der Internetseite durch die Formulare gekämpft, so der Hobby-Musiker. Bei seinem kleinen, privat organisierten Scheunen-Weihnachtsmarkt am 13. Dezember in Altdorf, will er dennoch nicht auf Musik verzichten und wird wieder die diversen Tarifformulare der Gema studieren und seine Veranstaltung anmelden. Er rechnet mit Kosten von rund 40 Euro. Die Größe der Veranstaltungsfläche, die Dauer, sowie die genaue Playlist muss Zipperer im Voraus bei der Gema einreichen. Für seine Vorspiele in Altenheimen greift er jeweils auf Gema-freie Stücke zurück. „Das gemeinsame Musizieren ist mir sehr wichtig“, sagt er.

Eberhard Zipperer Foto: Stefanie Schlecht

„Weihnachtliche Klänge sind unverzichtbar für den Böblinger Markt“

Auch in Böblingen will man nicht auf die musikalische Unterhaltung beim Adventszauber, der am 26. November startet, verzichten. „Musik ist für uns ein ganz wichtiger Bestandteil. Die Besucher sollen den Weihnachtsmarkt mit allen Sinnen erleben können. Da gehören neben den funkelnden Lichtern, dem Duft von gebrannten Mandeln auch ganz klar weihnachtliche Klänge dazu“, sagt Martina Kaiser von der Firma K2 Konzept- & Eventmanufaktur, die den Böblinger Weihnachtsmarkt organisiert. Als Organisator sei es ihnen ein großes Anliegen, in die Gestaltung des Bühnenprogramms Böblinger Vereine, Kindergärten und Schulen mit einzubeziehen. Daher gäbe es einen bunten Mix aus Live-Musik und Musik vom Band. Wie hoch die Gema-Gebühren für den fünftägigen Böblinger Weihnachtsmarkt sind, will die Eventfirma jedoch nicht verraten. „Wir möchten keine Zahlen veröffentlichen.“

Änderungen beim Musikprogramm aufgrund der Gema-Gebühren haben die Organisatoren des Böblinger Adventszaubers nicht vorgenommen. „Wir haben unser Programm wie gewohnt gestaltet. Tagsüber treten Vereine, Kindergärten und Schulen auf, am Abend professionelle Künstler.“ Allerdings geht Kaiser davon aus, dass andere Weihnachtsmärkte, die in der Gestaltung weniger örtliche Vereine und Gruppen einplanen würden, langfristig auf Gema-freie Musik umsteigen würden. Das Angebot werde hierfür immer größer.

„Gema-Gebühren stehen in keinem Verhältnis zur Nutzung“

Obwohl die Gema die Kosten für die öffentliche Nutzung von Musik auf Weihnachtsmärkten um 35 Prozent reduziert hat, kommen manche Kommunen dennoch an ihre Grenzen.„Wir empfinden die aktuellen Gema-Gebühren für einen kleinen Markt wie unseren als sehr hoch – insbesondere das Modell, die Berechnung auf die gesamte Veranstaltungsfläche zu beziehen, obwohl Auftritte und musikalische Darbietungen nur an einzelnen, deutlich kleineren Bereichen stattfinden. Aus unserer Sicht steht dieser Ansatz nicht im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung“, sagt eine Sprecherin der Stadt Waldenbuch.

In diesem Jahr hat die Stadt anlässlich ihres 50-jährigen Weihnachtsmarkts-Jubiläums die Fläche des Marktes erweitert. Diese Vergrößerung führt zu höheren Gebühren, obwohl im unteren Bereich keine Auftritte stattfinden. Während die Kosten in den vergangenen Jahren bei rund 350 Euro lagen, sind sie in diesem Jahr – trotz des Rabatts – aufgrund der vergrößerten Fläche auf etwa 550 Euro angestiegen. Dennoch ist die Stadt dankbar für die Ermäßigung.

Gema-Tarife erschweren flexible Musikplanung auf Weihnachtsmärkten

Sie bemängelt allerdings, dass der reduzierte Tarif ausschließlich für Außenauftritte gelte. Wenn beispielsweise ein Auftritt aus Witterungsgründen in die Kirche oder ins Schloss verlegt werden müsste, falle er nicht unter den ermäßigten Tarif. Für Veranstalter bedeute dies einen Mehraufwand und schränke die notwendige Flexibilität ein. „Trotz der hohen Kosten ist es für uns derzeit keine Option, auf Musik zu verzichten. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre und trägt entscheidend dazu bei, dass unser Weihnachtsmarkt für die Besucher lebendig und stimmungsvoll bleibt“, heißt es von Seiten der Stadt Waldenbuch.

Seit diesem Jahr: Gema-Rabatt für Weihnachtsmärkte

Gema-freie Musik
Nicht für jede Musik müssen Gema-Gebühren bezahlt werden. Werke von Komponisten, die vor mehr als 70 Jahren verstorben sind, sind lizenzfrei. Auch bestimmte soziale oder ehrenamtliche Veranstaltungen sind von der Vergütungspflicht befreit.

Gema
Die Gema vertritt in Deutschland die Urheberrechte von rund 100 000 Komponisten, Textdichtern und Musikverlagen sowie von über zwei Millionen Rechteinhaberinnen und Rechteinhabern aus aller Welt. Die Gema hat die Vergütung für die öffentliche Nutzung von Musik auf Weihnachtsmärkten um 35 Prozent reduziert. Der neue Tarif gilt ab der Saison 2025 und ist zunächst auf vier Jahre befristet.

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