Gemeinderat Karlsruhe entscheidet Wildparkstadion geht in die Bauphase

Von Stefan Jehle 

Das Karlsruher Wildparkstadion ist in die Jahre gekommen, jetzt soll der KSC für 123 Millionen Euro eine neue Spielstätte bekommen – zuvor müssen aber noch Wälle aus Erde und Weltkrigsschutt abgetragen werden.

Auch die Haupttribüne im Wildparkstadion ist in die Jahre gekommen, bis 2022 soll es in Karlsruhe ein neuen Fußballstadion geben. Foto: Pressefoto Baumann
Auch die Haupttribüne im Wildparkstadion ist in die Jahre gekommen, bis 2022 soll es in Karlsruhe ein neuen Fußballstadion geben. Foto: Pressefoto Baumann

Karlsruhe - Seit rund 20 Jahren wird in Karlsruhe über ein neues Fußballstadion diskutiert – nun kommt es zum Schwur: Am kommenden Dienstag wird der Gemeinderat abschließend über die Vergabe der Bauleistungen entscheiden. Noch sind einige Verträge abzuzeichnen, aber schon im November werden erste Bauzäune aufgestellt, sagt der Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Im Sommer 2022 könnte das neu erbaute Wildparkstadion den Spielbetrieb aufnehmen.

Arcxhitektur ist noch nicht bekannt

Noch weiß niemand ganz genau, wie der neue Stadionbau aussehen wird. Das Vergaberecht verbiete es, die Bieter öffentlich zu nennen, sagte Mentrup im Vorfeld der Gemeinderatssitzung. Erst am 22. November soll zudem in einem Bürgerforum das Stadiondesign des von der Stadt favorisierten Bieters und dessen Architekt öffentlich vorgestellt werden. Es werde „ein sehr attraktives Stadion“, prophezeite Mentrup.

Dass der Gemeinderat zustimmen wird, daran hegt in Karlsruhe kaum einer Zweifel – trotz des Umstands, dass der Hauptnutzer des Stadions, der Karlsruher Sport-Club (KSC), zurzeit die zweite Saison in Folge drittklassig spielt.

Im November geht es los mit den Vorarbeiten: die Wälle, auf denen die Zuschauersitze thronen, werden abgetragen, die Gegentribüne auf der Ostseite des Stadions wird abgerissen. Die vor der erstmaligen Inbetriebnahme des Wildparkstadions 1955 aufgeschütteten Wälle im Schutzgebiet Hardtwald, die aus Erde und aus Weltkriegsschutt bestehen, hatten die Vergabe der Bauleistungen zunächst verzögert – keines der Bieterunternehmen war bereit, die Kosten und Risiken für den Abtrag zu übernehmen.

Im Frühjahr hatte der Gemeinderat daher entschieden, diese Arbeiten getrennt zu vergeben: die Wälle sollen erst abgetragen, sortiert und von schädlichen Stoffen befreit, dann wieder neu modelliert und aufgebaut werden. Sie bilden eine Besonderheit in der Stadionlandschaft der Bundesliga: Rathauschef Mentrup bewertet die Vorwegnahme der Arbeiten als „eine Verbesserung des Bauablaufs und eine Minimierung der Kostenrisiken.“ Die Wälle, die stehen bleiben sollen, würden auch „ästhetisch was her machen und besser passen als ein Betongerüstbau“, sagt er.

Stadionbau im laufenden Spielbetrieb

Der Bau des neuen Stadions wird von Herbst 2019 während des laufenden Spielbetriebs stattfinden. Für die vorweg geplante zusätzliche Kampfmittelerkundung und temporäre Tribünen hatte der Gemeinderat im April das 2016 errechnete Gesamtbudget für Stadionbau samt Infrastruktur von 114 Millionen Euro um auf 123 Millionen Euro erhöht. Auch wurde beschlossen, vorerst kein eigenes Parkdeck zu bauen. Die von der Stadt vorgestreckten Baukosten soll der Karlsruher Sport-Club (KSC) als Hauptnutzer während einer Vertragslaufzeit von 35 Jahren über – je nach Ligazugehörigkeit – festgelegte Pachtzahlungen refinanzieren.

Das neue Stadion im Wildpark soll eine Gesamtkapazität von 35 000 Zuschauern haben, darunter 22 500 Sitzplätze und 12 500 Stehplätze. Alle Plätze sollen überdacht werden. Mit dem Stadionbau löst Rathauschef Frank Mentrup ein Versprechen aus dem Wahlkampf 2012 ein. Seit den ersten Grundsatzentscheidungen hatte eine jeweils satte Mehrheit aus CDU-, SPD- und FDP-Stadträten alle Schritte mitgetragen – Kritik kam zuletzt noch von Grünen und Linken. Kaum einer der Kritiker glaubt ernsthaft, dass es bei dem Kostenrahmen von 123 Millionen Euro bleiben wird.