Gemeinderat rauft sich wieder zusammen Ehningen will Zukunftsprojekte angehen

Ehningen muss laut Studie der Stadtwerke Böblingen auch noch nachlegen bei den Stromtankstellen. Im Jahr 2018 weihte der damalige Bürgermeister Claus Unger (links) die erste Stromtankstelle ein. Sie steht in der Gartenstraße gegenüber dem Rathaus Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Gemeinderat beschließt Ausschuss, um geplantes Gewerbegebiet „Leimental/Mahden“ voranzubringen. Und ein kommunales E-Mobiltätskonzept sieht Versorgungslücke bei Stromtankstellen im Ortsgebiet voraus.

Ehningen - Einigkeit und Zustimmung statt Widerspruch und Dissens. Der Ehninger Gemeinderat bot am Dienstagabend ein ganz anderes Bild als in seiner jüngsten Vergangenheit. Immerhin hatte Bürgermeister Lukas Rosengrün erst jüngst einen Beschluss seines Gemeinderates kassiert und die Ratsrunde noch einmal nachsitzen lassen.

 

Allerdings stand diesmal auch nicht die Standortauswahl für die neue Rettungswache auf der Tagesordnung, sondern das kommunale E-Mobilitätskonzept, die Vergabe für die Lieferung der Mittagsverpflegung in den Kitas und der Schulmensa sowie die Namensgebung für die neue IBM-Erschließungsstraße.

Bauchschmerzen beim Gewerbegebiet

Doch auch ein anderer kommunalpolitische Dauerbrenner und Zankapfel hätte eigentlich genug Stoff für Zoff sorgen können. Denn Grüne und SPD haben im Gegensatz zu den Christdemokraten erhebliche Bauschmerzen bei dem seit acht Jahren projektierten Gewerbegebiet „Leimental/Mahden“ im Ehninger Nordosten.

Doch am Ende beschloss der Gemeinderat einstimmig die Gründung eines beratenden Ausschusses, um das baurechtliche Verfahren für das geplante Gewerbegebiet schneller voranzubringen. Das ist das erklärte Ziel des Bürgermeisters: „Es wäre ein wirtschaftliche Katastrophe, wenn wir das Gewerbegebiet nicht realisierten. Deshalb müssen wir jetzt in den Arbeitsmodus, um schnell zum Ziel zu kommen“, begründet Lukas Rosengrün seine Initiative gegenüber unserer Zeitung. Den Schulterschluss vollzog der Gemeinderat nicht allein mit seiner Zustimmung zu dem neuen Ausschuss, sondern auch mit der umgehenden Benennung seiner Mitglieder, damit das neue Gremium ab sofort seine Arbeit aufnehmen kann. Selten wortlos ging der Tagesordnungspunkt ansonsten über das Spielfeld der Sporthalle, wo der Gemeinderat in Zeiten der Pandemie tagt. Auch die Grünen sparten sich eine Erklärung ihres Abstimmungsverhaltens in der Sitzung, um den Ball flach zu halten. „Wir erwarten uns mehr Beteiligungsmöglichkeiten durch den Ausschuss, um auch unsere ökologischen Themen für ein Gewerbegebiet mit Vorbildfunktion einbringen zu können. Außerdem war ein Ausschuss auch vorgesehen, wenn die neue Rettungswache im Gewerbegebiet gebaut wird“, begründet Grünen-Fraktionschef Harald Bürkle auf Nachfrage. Seine Fraktion sieht den Zug für eine Rettungswache in einem vergrößerten Gewerbegebiet noch nicht für abgefahren.

Viel Zukunftsmusik bei E-Mobilität

Viel Zukunftsmusik war auch bei der Präsentation des kommunalen E-Mobiltätskonzept in der Ehninger Festhalle zu hören. Aufgrund der steigenden Zulassungszahlen bei E-Autos steige eher über kurz als über lang die Nachfrage nach öffentlichen Stromtankstellen. Das Gutachten der Stadtwerke Böblingen empfiehlt daher in einem ersten Schritt 14 neue Ladepunkt im Ortsgebiet zumal die Investition mit bis zu 100 Prozent gefördert würde. Die Stadtwerke könnten den Betrieb mit einer schwarzen Null gewährleisten, obwohl die Stromkosten für die Autofahrer preiswert seien. „Wir müssen da mehr tun“, kündigte Bürgermeister Lukas Rosengrün an und verwies auf Nachfrage von Gemeinderat Peter Müller (Grüne) auf ein anstehendes Carsharing-Modell, das der Landkreis bereits auf dem Schirm hätte.

Auch sonst herrschte viel Verständnis für die jeweils andere Sichtweise im Rat: Karl-Heinz Barth (Freie Wähler) konnte etwa mit seinem Namensvorschlag für die neue Erschließungsstraße zur IBM landen. Sie wird traditionsbewusst „Zur roten Steingrube“ heißen. Und Gemeinderat Manuel Benda (CDU) lobte die Bemühungen der Gemeindeverwaltung dem Nachwuchs einen gesunden und finanzierbaren Mittagstisch zu bieten, bevor die Ratsrunde einstimmig die Lieferung an die Johanniter-Unfall Hilfe in Sindelfingen vergab.

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