Wichtige Themen Wärmewende, Baustellen und die Güterbahnhofstraße sind einige der Themen, die die Kommunalwahlkämpfer im Blick haben an ihren Ständen und bei denen Bürger schon Gesprächsbedarf gezeigt haben. „Das große Streitthema gibt es eher nicht in diesem Jahr“, sagt Ender Engin (FDP) und Kollege Markus Kämmle (Freie Wähler) sieht es ähnlich. Die Bebauung Nördlich Zügelstraße und immer wieder das Thema Parkplätze sind Themen, die trotzdem im Fokus stehen und wo sich feine Unterschiede bei den Listen ergeben. Die Ziele sind aber oft nicht so weit auseinander wie in der großen Politik, ist zu hören. Thomas Ulmer (Grüne) muss sich viel Kritik zur Bundesregierung anhören und hofft dass trotz der Unzufriedenheit lokal ein gutes Ergebnis herausspringt. „Ich glaube, dass die Bundespolitik eine größere Rolle spielen wird“, sagt Kämmle.
Abgänge Fast alle aktuellen Stadträte stellen sich im Juni erneut zur Wahl. Gleich zwei für die Fraktion wichtige Mitglieder treten bei der CDU aber nicht mehr: Martin Ergenzinger und Jörg Schaible kandidieren nicht erneut. Bei letzterem liegt der Rückzug laut Fraktionschef Hans Bartholomä an gestiegenen beruflichen Anforderungen. Ergenzinger sehe nach Jahrzehnten im Gremium die Zeit gekommen, Jüngeren Platz zu machen. „Mit ihm verlieren wir natürlich immenses Wissen. Er kann sich wegen seiner langen Zeit im Gremium an Sachen erinnern, als die Referenten von der Verwaltung noch gar nicht im Dienst waren“, sagt Bartholomä. Bei den Freien Wähler tritt zudem Stadtrat Pascal Fuchs nicht mehr an.
Familienbande Auffällig bei den Listen zur Gemeinderatswahl ist dass gleich zwei Vater-Sohn, beziehungsweise Mutter-Sohn-Gespanne antreten. Bei der SPD hat Mutter Silke Holzbog (erst kürzlich von den Grünen in die SPD-Fraktion gewechselt) Listenplatz 4, ihr Sohn Anton Holzbog, Listenplatz 20, erhalten. „Der Antrieb sich zu engagieren, kam von ihm selbst“, sagt Silke Holzbog, die sich über den familiären Listengenossen freut. Noch prominenter sind die Kämmles bei den Freien Wählern platziert. Sohn Julian führt die Liste an, Vater Markus gibt sich als Fraktionschef mit Platz 5 zufrieden. Man müsse den jungen Engagierten auch gute Chancen geben, sagt Markus Kämmle. Bis Platz 10 gibt es drei junge Kandidaten bei den Freien Wählern.
Judeko Eine besondere Rolle spielt die Jugenddelegation Kornwestheim. Die Stadt hat keinen Jugendgemeinderat aber Teenager können sich in der sogenannten Judeko einbringen und Projekte initiieren. In diesem Jahr treten drei aktuelle Mitglieder der Judeko auf verschiedenen Listen zur Gemeinderatswahl an. Zwei weitere Kandidaten sind ehemaligen Mitglieder des Gremiums. Anna Rosenberger tritt für die CDU auf Listenplatz 5 an. Die 18-Jährige ist eine von zwei Judeko-Sprechern (der andere ist Julian Kämmle) und nimmt den Wahlkampf als positiv wahr. „Die Leute freuen sich, dass sich junge Menschen aufstellen lassen“, sagt die 18-jährige Jura-Studentin.
Vielfalt statt Linke Als neue Liste tritt das von Zennure Funke-Ulusoy angeführte Bündnis der Vielfalt Kornwestheim an. Funke-Ulusoy ist Lehrerin und kandidierte 2023 für den Posten der Oberbürgermeisterin in der Stadt. Sie erreichte damals sechs Prozent und trat zur Stichwahl nicht mehr an. Die Wählergemeinschaft hat eine volle 26 Kandidaten umfassende Liste aufgestellt, mit nach eigenen Angaben mehr als zehn verschiedenen kulturellen Hintergründen.
Auch wenn von den anderen Listen vereinzelt zu hören ist, dass man sicher für die Kandidaten auch eine Heimat bei einer der etablierten Wahlvorschläge gefunden hätte, äußern sich die Mitbewerber meist positiv zurückhaltend zum Bündnis.
Keine Liste stellt dagegen die Partei „Die Linke“ bei der aktuellen Wahl in Kornwestheim. Damit endet auch die Zeit des einzigen Linke-Stadtrats Benjamin Schad. In den vergangenen Jahren (Schad rückte 2021 für Annegret Jeziorski nach) bildete er gemeinsam mit den Grünen eine Fraktion. „Die Zusammenarbeit war trotz inhaltlicher Unterschied gut“, sagt Schad. Seine Partei durchlaufe derzeit einfach ein Tal, und es habe nicht mehr für eine Liste gereicht, erklärt er. Die Arbeit im Gremium werde er wegen des kollegialen Klimas über Fraktionsgrenzen hinweg vermissen.
26 statt 32
Der Kornwestheimer Gemeinderat könnte laut Gemeindeordnung aus 32 Stadträten und Stadträtinnen bestehen, weil die Stadt die erforderliche Größe hat. In der Hauptsatzung ist aber festgelegt, dass man sich an den nächstniedrigeren Wert hält. Also gibt es nur 26 Plätze im Gremium.
Sitzverteilung
Bei der Wahl 2019 kamen die CDU auf 24,5 Prozent, die Grünen auf 22,1 Prozent, die Freien Wähler auf 19,8 Prozent, die SPD auf 18,5 Prozent,die FDP auf 10,8 Prozent und die Linke auf 4,4 Prozent. Je sechs Sitze erhielten CDU und Grüne, fünf Sitze SPD und Freie Wähler. Die FDP erhielt drei Sitze und Die Linke einen Sitz. Durch Fraktionsgemeinschaft von FDP und Linke sowie den Wechsel von Silke Holzbog von Grün zur SPD änderten sich die Verhältnisse etwas.