Gemeinderatswahl Stuttgart Stadt verzeichnet Allzeittief bei der Wahlbeteiligung

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Noch nie haben in der Landeshauptstadt so wenige Wahlberechtigte ihre Kreuze gemacht – Nur 46,6 Prozent der Wahlberechtigten sind bei der Gemeinderatswahl in Stuttgart an die Urne gegangen. Dabei gab es durchaus Unterschiede zwischen den Stadtbezirken.

Nur 46,6 Prozent der Wahlberechtigten haben ihre Kreuze gemacht Foto: Michael Steinert
Nur 46,6 Prozent der Wahlberechtigten haben ihre Kreuze gemacht Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die schlechte Nachricht verkündet Thomas Schwarz nur auf Nachfrage. „Ja“, sagt der Leiter des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart, „die Wahlbeteiligung von 46,6 Prozent markiert ein Allzeittief aller Gemeinderatswahlen seit 1946.“ Sprich: noch nie haben in der Landeshauptstadt so wenige Wahlberechtigte ihre Kreuze gemacht, wenn es darum ging, jene Politiker zu bestimmen, die sich um die Belange vor der eigenen Haustür kümmern sollen. 2009 hatten immerhin noch 48,7 Prozent der Bürger gewählt.

Dagegen haben die gleichzeitig stattgefundenen Europa- und Regionalwahlen deutlich mehr Wähler angelockt: 53,1 Prozent bei der Europa- und 52,4 Prozent bei der Regionalwahl. „Das ist der Unionsbürger-Effekt“, sagt Schwarz. Weil bei der Gemeinderatswahl alle Deutschen und EU-Bürger ab 16 Jahren zur Urne dürfen, sind da 442 000 Personen wahlberechtigt. Demgegenüber durften an der Regionalwahl nur Deutsche ab 16 Jahren teilnehmen. Das waren 379 000 Personen. „Wir wissen, dass Unionsbürger nur unterdurchschnittlich wählen“, sagt Schwarz.

Am fleißigsten sind die Sillenbucher gewesen

Am fleißigsten haben – wie fast immer – die Sillenbucher gewählt (57,7 Prozent), gefolgt von den Degerlochern (57,5 Prozent). Auch an der Tabelle der wahlfaulsten Bürger hat sich nichts geändert: In Zuffenhausen (36,1 Prozent) und Wangen (37,0 Prozent) nahmen die wenigsten Bürger ihr wichtigstes demokratisches Recht wahr.

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Der Blick in die Statistik offenbart freilich weitere spannende Details. So hat die CDU in ausnahmslos allen Stadtbezirken Gewinne erzielt, die höchsten in Münster (+ 9,5 Punkte). Ihr prozentual bestes Ergebnis erreichte die Union in Mühlhausen (36,6 Prozent). Aber selbst in ihren schwächsten Gebieten in der Innenstadt lag die CDU jenseits von 22 Prozent.

Grüne verlieren in Mitte 8,4 Prozentpunkte

Trotzdem bleiben drei der fünf Innenstadtbezirke mehrheitlich Grün: West (31,1 Prozent), Süd (29,6 Prozent) und Mitte (28,7 Prozent). Allerdings haben die Grünen gerade in Mitte ihre heftigsten Verluste hinnehmen müssen (- 8,4 Punkte). In neun Außenbezirken gewannen sie indes Stimmen hinzu, am meisten in Botnang (+ 2,5 Punkte) und Mühlhausen (+ 1,8 Punkte).

Desaströs fällt die Bilanz von SPD und FDP aus: Beide Parteien haben im gesamten Stadtgebiet verloren, die SPD am meisten in Münster (- 8,5 Punkte), die FDP in Birkach (- 8,2 Punkte). Kurios bleibt das Ergebnis der Freien Wähler: Sie changieren zwischen 21,7 Prozent in Hedelfingen, wo sie 2009 sogar stärkste Kraft waren, und 3,2 Prozent in Mitte. Im Zentrum ist dagegen die Hochburg von SÖS, die ihr bestes Ergebnis in Mitte eingefahren hat (8,7 Prozent). Bei den Linken teilen sich Mitte und Mühlhausen den Spitzenplatz; die Partei erreichte dort jeweils 5,8 Prozent.

Die AfD konnte vor allem in Stammheim (7,1 Prozent), Plieningen und Mühlhausen (je 6,5 Prozent) punkten. Die Piraten hatten ihr Nest im Westen und in Vaihingen (je 2,6 Prozent). Die Stadtisten holten ihr bestes Resultat im Süden (4,7 Prozent), die Studenten in Mitte (2,4 Prozent).

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