Gemeinsamkeit im Strohgäu Europa verbindet – trotz Corona

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Zum Gedenktag sind Menschen hierzulande unterschiedlich auf die Freunde in den Partnerstädten zugegangen. In Gerlingen gab es eine Fotoaktion auf dem Rathausplatz, der Bürgermeister von Korntal-Münchingen hat seinen Kollegen geschrieben.

So viele Menschen grüßen die Freunde in den Partnerstädten. Foto:  
So viele Menschen grüßen die Freunde in den Partnerstädten. Foto:  

Strohgäu - Große und kleine Menschen, 56 insgesamt, lachen in die Kamera. Sie stehen vor der Europaflagge und halten sich an den Händen. Letzteres, außer bei Paaren, aber nur auf der Montage für das Plakat. Die Fotos dafür sind auf dem Rathausplatz entstanden – ein Gruß an die Freunde Gerlingens. Die Idee dazu hatten die Grünen. „Mit dieser digitalen Menschenkette schicken wir Grüße in die Partnerstädte“, sagt die Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Ulrike Stegmaier.

Durch die Schließung der Grenzen wegen Corona, so Stegmaier, habe man erst gemerkt, „wie wertvoll Europa mit seiner Grenzfreiheit ist“. Das habe auch Gerlinger getroffen – nicht nur, aber auch, in den Beziehungen zu Menschen in den Partnerstädten. In Gerlingen gibt es zwar keine Europatagsfeier wie im benachbarten in Korntal-Münchingen. Die traditionelle Reise nach Seaham im April aber sei ausgefallen, ein Ausflug nach Gefell in Thüringen wurde abgesagt, die Treffen im September finden nicht statt – dazu kamen immer auch Menschen aus Tata (Ungarn) und Vesoul (Frankreich). Aber jetzt wurde auch das Straßenfest zum Corona-Opfer – vergangene Woche abgesagt.

Eine Grußtafel mit vielen Fotos

Da sei man auf die Idee gekommen, dass viele Gerlinger sich zu einer Grußtafel zusammentun könnten – wegen des Abstandsgebots mit einzelnen Fotos, die hinterher zusammenmontiert wurden.

Gesagt, getan. Am Samstag, 9. Mai – dem Europatag – stand während des Wochenmarkts eine Hintergrundtafel vor dem Rathaus. Viele Menschen kamen, um teilzunehmen. Sie hätten auf das Logo der Partei verzichtet, erzählt Stegmaier. Auch Stadträte anderer Parteien seien vor die Kamera gekommen – und „ganz normale Gerlinger. Es war eine schöne und offene Atmosphäre. Viele Leute waren dankbar für den persönlichen Austausch.“ Das Plakat kann auf der Internetseite www.gerlingen.de angeschaut werden.

Wie können wir den Europatag 2020 begehen und den Freunden unsere Gemeinsamkeit zeigen – ohne persönliches Treffen? Diese Frage hat man sich auch in Korntal-Münchingen gestellt. Die Europatagsfeier hat dort Tradition: mit Aufführungen von Schülern aus der Stadt, mit Chorgesang und den Reden der Bürgermeister. Die Feier fiel aus – wegen Corona.

Ein Brief vom Bürgermeister

So verlegte sich der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) aufs Schreiben. In Briefen an seine Kollegen in Tubize (Belgien) und Mirande (Frankreich) erinnerte Wolf an die traditionellen Feiern, die jedes Jahr in allen drei Städten stattfanden. Er beschrieb, dass in Deutschland die Europahymne am offenen Fenster gesungen wird, dass vor dem Rathaus in Korntal-Münchingen die Fahnen von Europa und der drei Städte hingen, dass der Bürgermeister Pierre Beaudran aus Mirande bei sich zuhause Kränze niedergelegt hatte: für die Opfer des Krieges und für das vereinigte Europa. Ein Plakat, ähnlich dem Gerlinger, hat man auch gemacht – und hierzulande veröffentlicht wie den Freunden in den Partnerstädten geschickt.

In Ditzingen gab es zum Europatag keine besonderen Aktionen. Die Stadtverwaltung betonte, man tausche sich jede Woche mit den Kollegen in den Partnerstädten aus. Zum Ditzinger Lebenslauf gab es Fernbeziehungen: In Rillieux-la-Pape liefen Mitglieder des Partnerschaftskomitees auf dem Hometrainer, aus der ungarischen Partnerstadt Gyula beteiligte sich eine Stadträtin mit Familie an dem Benefizlauf. In Hemmingen gab es keine Aktionen zum Europatag – trotz der Freundschaft mit Almenno San Bartolomeo. Der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) bat um Verständnis, die Italiener seien „gerade mit sich selbst beschäftigt“.