Die Vesperkirche in Esslingen bietet mehr als nur Mahlzeiten: Sie schafft Begegnungen und Gemeinschaft. Was das Projekt so besonders macht und wer alles mitwirkt.

Volontäre: Yelin Türk (tye)

Einsamkeit ist ein gesellschaftlich relevantes Thema. Auch in Esslingen gibt es viele, die darunter leiden. Die Vesperkirche im neuen Blarer, dem Gemeindehaus am Blarerplatz, ein Zeichen dagegen setzen. „Weil es ein Begegnungsprojekt ist“, erklärt Bernd Schwemm, Projektleiter der Vesperkirche. „Und das Thema der Kirche ist Begegnung. Nicht nur die Begegnung mit Gott, sondern auch untereinander.“

 

„Es geht uns bei allem auch um Bedeutung“, fügt Dekan Klaus-Peter Lüdke hinzu. Es sei wichtig, Herz zu zeigen, und gemeinsam an einem Tisch zu sitzen ohne Menschen auszugrenzen. Das gemeinsame Essen sei zwar ein Teil der Vesperkirche, im Mittelpunkt stehe aber stets die Gemeinschaft.

Esslinger Vesperkirche: Mehr als nur eine warme Mahlzeit

200 Personen werden vom Sonntag, 18. Januar, bis Montag, 1. Februar, von Ehrenamtlichen bedient. Dabei sei es egal, was man anhabe, woher man komme oder welcher Religion man angehöre. Egal ob wohnungslos, alleinlebend oder wohlhabend – alle seien in der Vesperkirche willkommen. Bedient werden die Gäste unter anderem von Mitarbeitern der Kreissparkasse und Festo. Auch Esslingens vier Bürgermeister sind an einem Tag dabei.

Geöffnet ist die Vesperkirche täglich zwischen 11.30 und 14.30 Uhr. „Jeder kann so lange bleiben, wie er möchte“, sagt Schwemm. Zwischen 12 und 14 Uhr wird das Essen ausgegeben. Auf dem Menü stehen täglich Suppe, ein Hauptgang, Salat, Kaffee und Kuchen. Das Essen wird beim diakonischen Altenhilfeträger Dienste für Menschen bestellt. Kuchenspenden werden nach Absprache mit Schwemm (E-Mail: bernd.schwemm@elkw.de; Telefon: 0151/54400098) entgegengenommen.

Ein Zeichen gegen die Einsamkeit: Praktische Hilfe und Seelsorge

Seit 17 Jahren findet in Esslingen die Vesperkirche statt, zunächst in der Frauenkirche. Beate Latendorf von der Evangelisch-methodistischen Kirche ist von Anfang an dabei. Inzwischen gehe es beim Projekt nicht mehr nur um von Armut betroffene Menschen, sagt sie: „Nicht alle kommen, weil sie arm sind. Es gibt einige, die kommen, weil sie allein sind.“Sie erinnert sich an einen Mann, der jedes Jahr in die Vesperkirche komme: „Er sitzt immer vorne rechts. Wenn ich mich hinsetze und ein bisschen mit ihm reden will, will er nicht viel reden. Er sitzt einfach da und genießt, dass er unter Menschen ist.“

Um Gäste, die auf Hilfe angewiesen sind richtig zu unterstützen, sei täglich ein Seelsorger vor Ort. Wer anderweitige Unterstützung benötigt, werde zudem an passende Beratungsdienste weitergeleitet. Vor einigen Jahren sei eine Frau in der Vesperkirche gewesen, erzählt Latendorf. „Die saß da und hat geweint. Da habe ich mich zu ihr gesetzt und sie hat mir ihr ganzes Leben erzählt.“ Aus zeitlichen und organisatorischen Gründen hätten sie die Möglichkeit inzwischen nicht mehr. „Aber wenn jemand wirklich in einer schwierigen seelischen Situation ist, können wir auch einen Raum schaffen, wir sind hier ein großes Haus.“