Gemeinschaftsschule in Schwieberdingen Kostenexplosion beim Umbau der Glemstalschule

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Hiobsbotschaft für die Glemstalschule: Der Anbau sowie die Sanierung werden wohl doppelt so teuer wie erwartet. Der Grund dafür ist eine neue Förderrichtlinie des Landes.

An der Glemstalschule stehen bereits einige Container – bald könnten es noch viel mehr werden. Foto: factum/Bach
An der Glemstalschule stehen bereits einige Container – bald könnten es noch viel mehr werden. Foto: factum/Bach

Schwieberdingen - Eines ist für die Bürgermeister Nico Lauxmann (Schwieberdingen, CDU) und Thomas Schäfer (Hemmingen, CDU) klar, noch bevor die Zahlen öffentlich vorgestellt worden sind: „Wir müssen rein in die Kostenreduzierung, das geht nicht anders“, sagt Lauxmann. Die Rede ist von der Sanierung und Erweiterung der Glemstalschule in Schwieberdingen – beziehungsweise von deren Kosten. Die sind im Vergleich zur ersten Machbarkeitsstudie deutlich angestiegen: Während 2016 noch die Rede war von maximal 16 Millionen, spricht man nun von bis zu 30 Millionen Euro – also fast einer Verdoppelung. Die Zahlen basieren auf Berechnungen des Architekturbüros Drees und Sommer.

„Wir werden uns diese Summe nicht leisten können in Anbetracht der anderen Investitionen unserer Kommunen“, sagt Lauxmann. Am Donnerstagabend wurden die beiden Gemeinderäte in einer gemeinsamen Sitzung über die neuen Gegebenheiten informiert. Im Vorfeld war über das soziale Netzwerk Facebook das Thema der nicht-öffentlichen Sitzung bekannt geworden. Deswegen informierten Lauxmann und Schäfer die Presse am Freitag – noch vor den Schulgremien.

Die neue Schulbauförderrichtlinie verteuert das Projekt

Der Grund für die starke Kostensteigerung liegt im Detail: Bei der ersten Machbarkeitsstudie 2016 lag die Schulbauförderrichtlinie des Landes für Gemeinschaftsschulen noch nicht vor. An die möchten die beiden Kommunen, die die Schule gemeinsam tragen, sich halten. Nun liegt die Richtlinie vor. Sie sieht unter anderem mehr Verkehrsflächen vor – also beispielsweise breitere Flure. Deswegen müssten Klassenzimmer kleiner werden. Dritte Folge: das ganze Altgebäude muss entkernt werden, also einen neuen Zuschnitt erhalten. Vierte Folge: der Erweiterungsbau wird größer und damit teurer. Der zusätzliche Raumbedarf beläuft sich auf knapp 2000 Quadratmeter.

Das Ganze über Kredite zu finanzieren kommt für die beiden Bürgermeister nicht in Frage: „Das schränkt unsere Handlungsfreiheit deutlich ein“, sagt Schäfer. Er rechnet mit einem jährlichen Zinsaufwand von 800 000 Euro für beide Kommunen zusammen. „Wir müssten schon für die Zinslast wieder einen Kredit aufnehmen“, sagt Lauxmann.

Weniger Klassen pro Jahrgang sind keine Option

Dabei seien sich alle Gremien, die beiden Gemeinderäte und der gemeinsame Gemeindeverwaltungsverband, einig, dass saniert und erweitert werden müsse. In der mittelfristigen Finanzplanung seien auch schon Gelder eingeplant – aber eben auf der Basis von Kosten zwischen 13 und 16 Millionen Euro, nicht von 28 bis 30 Millionen.

„Wir stehen vor einer Weggabelung, die für uns nicht einfach ist“, sagt Lauxmann. Vier Klassen pro Jahrgang aufzugeben, ist für beide Bürgermeister angesichts steigender Geburtenzahlen keine Option. Sie wünschen sich Geschlossenheit bei allen Beteiligten, um die nächsten Schritte zu planen: Die Verwaltungen sollen auf Basis der Diskussion der beiden Gemeinderäte einen Vorschlag für einen Zeitplan ausarbeiten und den Gremien vorlegen. Zudem soll es eine Klausur zum Thema geben.

Die Bürgermeister wollen keine neue Debatte zur Sekundarstufe II

Mit dem Appell an die Geschlossenheit spielen Lauxmann und Schäfer auf die nicht enden wollende Diskussion um die Einführung einer Sekundarstufe II an. Der Gemeindeverwaltungsverband lehnte mit den Stimmen Hemmingens im November 2016 eine Machbarkeitsstudie dazu ab, seitdem verweisen beide Bürgermeister auf die Beschlusslage. Der Elternbeirat wiederum setzt sich für die gymnasiale Oberstufe ein. Derzeit zirkuliert eine Unterschriftenliste unter Eltern und Lehrern, auf der sich seit Montag etwa 300 Personen eingetragen haben sollen. In der jetzigen Kostenexplosion sieht die Elternbeiratsvorsitzende Michaela Nowraty nur eine „Hinhalte- und Verzögerungstaktik“ der Verwaltungen. „Wenn man nur 15 Millionen Euro zur Verfügung hat, hätte man das dem Planungsbüro ja auch mal mitteilen können.“