Gemeinschaftsschule Korb 17 Einserschüler zeigen, dass es funktioniert

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Vor fünf Jahren startete in Korb die erste Gemeinschaftsschule des Rems-Murr-Kreises. Viele weitere folgten. Wir haben uns umgehört, was aus den Schülern geworden ist.

Aleyna, Lisa, Paul und Theo gehören zu den 53 Absolventen der Gemeinschaftsschule. Foto: Gottfried Stoppel
Aleyna, Lisa, Paul und Theo gehören zu den 53 Absolventen der Gemeinschaftsschule. Foto: Gottfried Stoppel

Korb - Wer hört, wie Theo Gräf von seiner Zeit an der Gemeinschaftsschule Korb berichtet – von der Lust am Lernen, von dem tollen Verhältnis zu den Lehrern, vom ständigen Anreiz, noch mehr Punkte zu erreichen – der kann kaum glauben, dass der 16-Jährige als unmotivierter Viertklässler mit einer Hauptschulempfehlung die Grundschule verlassen hat.

Seine Eltern haben ihn damals bei der gerade frisch eingerichteten Gemeinschaftsschule in Korb angemeldet, „ich glaube, sie haben befürchtet, dass ich an der Hauptschule nicht die volle Leistung bringe.“ Das ist im Nachhinein natürlich schwer zu beurteilen, aber Theo ist auf jeden Fall durchgestartet: Er hat den Realschulabschluss mit einem Einser-Schnitt geschafft, hält das fünftbeste Zeugnis seines Jahrgangs in der Hand, hat einen Platz am landwirtschaftlichen Gymnasium in Nürtingen und sein Abitur im Blick.

An der Gemeinschaftsschule arbeiten die Schüler oft auf sich gestellt

Und er ist nicht der einzige in seinem Jahrgang, auf den der Rektor Thomas Kuntz stolz sein kann: Paul Naas hat gar die glatte Eins geschafft, insgesamt haben 17 Schüler eine 1 vor dem Komma. 53 Jugendliche haben den Realschulabschluss gemacht, mehr als die Hälfte davon nimmt nun Kurs in Richtung Abitur oder Fachhochschulreife.

„Das ist ein gigantisch gutes Ergebnis, mit dem wir nicht gerechnet hatten“, sagt Kuntz. Der Schulleiter war schon immer davon überzeugt, dass der Unterricht an seiner Schule ein guter sei. „Wir wollen, dass die Jugendlichen gerne lernen. Wir wollen, dass es gelingt, sie aus der Reserve zu locken, sie zu motivieren, sich anderthalb Stunden auf einen Inhalt einzulassen.“ Dazu gehört, dass die Schüler sich das allermeiste allein oder zusammen mit anderen erarbeiten, dass sie dazu angeregt werden, selbst Lösungen zu suchen.

Absolventin: „Vieles ist an der Gemeinschaftsschule entspannter“

„Wir waren schon nach wenigen Wochen froh, eine Gemeinschaftsschule zu sein und wollten nie zurück“, sagt Kuntz. Mit den ersten Realschulabschlüssen hat er nun zum ersten Mal den Beweis dafür, dass das Konzept seiner Schule funktioniert und seine Schüler mehr als mithalten können. Der Erfolg, das ist bei den Schülern und auch bei den Lehrern herauszuhören, setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen.

„Das ganze Kollegium zieht an einem Strang, wir schaffen viel zusammen und das merken die Schüler auch“, sagt Lehrer Philipp Arndt. Und auch das Verhältnis zu den Schülern sei ein besonderes – durch die regelmäßigen Coachings erfahre man viel darüber, was die Schüler gerade beschäftigt. „Hier an der Schule kennt man alle Lehrer. Vieles ist entspannter, auch wenn es Probleme gibt“, sagt Absolventin Lisa Philipp.

Dass es erst in der zehnten Klasse zum ersten Mal Noten gab, hat die Schüler nie gestört. Im Gegenteil: „Es war ein Reiz, den Prozentebalken für das Gymi-Niveau immer weiter nach oben zu bekommen“, sagt Theo Gräf. Sich auf dem leichtesten Niveau auszuruhen, sei nie in Frage gekommen, „Wir haben uns immer angetrieben“, sagt Lisa Philipp, die nun auf das sozialwissenschaftliche Gymnasium in Backnang gehen wird.

Nach der Gemeinschaftsschule: Angst vor Frontalunterricht

Am meisten Respekt hat sie nicht vor dem Stoff, der dort auf sie zukommt, sondern vor dem ungewohnten Frontalunterricht. „In den letzten sechs Jahren haben wir uns vieles selbst beigebracht, haben unsere eigenen Wege gesucht.“

Alle hoffen nun, dass ihr guter Abschluss auch zur Akzeptanz der Gemeinschaftsschule beiträgt. Am Ort sei das im Grunde kaum ein Problem, sagt Rektor Kuntz, auch wenn es immer ein paar rückwärts Gewandte gebe. Und die Freunde der Absolventen? „Viele haben schon gefragt, wie das ohne Noten geht oder ohne Hausaufgaben“, erzählt Lisa Philipp.

Für die gute Vorbereitung auf die Prüfungen seien sie dann sogar beneidet worden: „Bei uns war die Prüfungsphase viel verteilter, das hätten viele auch gerne gehabt.“ Ein weiterer großer Vorteil sei die große Erfahrung mit Präsentationen gewesen: „Weil wir das eigentlich ständig machen, haben wir uns vor der mündlichen Prüfung nicht so den Kopf gemacht“, sagt Lisa Philipp.