Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg Kritik an Eisenmanns „Zick-Zack-Kurs“

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Mit ihren Äußerungen zur gymnasialen Oberstufe hat die Kultusministerin Susanne Eisenmann die Befürworter der Gemeinschaftsschule aufgebracht. Indes hat sie fünf neue Schulstandorte genehmigt.

Gemeinschaftsschüler lernen möglichst selbstständig. Foto: Mathes
Gemeinschaftsschüler lernen möglichst selbstständig. Foto: Mathes

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat die Befürworter der Gemeinschaftsschule erneut irritiert. Die Entwicklung der Übergangszahlen von der Grundschule auf die Gemeinschaftsschule lege nahe, so die Ministerin, dass gymnasiale Oberstufen an der Schulart „nur vereinzelt“ einzurichten seien. Das schließt Eisenmann aus Daten des Statistischen Landesamts. Danach hatten 64,3 Prozent der Grundschüler, die 2016 auf eine Gemeinschaftsschule wechselten, eine Empfehlung für die Hauptschule; 8,4 Prozent hätten ein Gymnasium besuchen können.

SPD befürchtet Verunsicherung

Der Verein für Gemeinschaftsschulen wertet die Äußerung der Ministerin als „völlig unverständliche Bremshaltung“. Die SPD warf Eisenmann vor, mit ihrem „Zick-Zack-Kurs“ bei der Einrichtung gymnasialer Oberstufen verunsichere sie die Eltern. Der SPD-Schulexperte Gerhard Kleinböck forderte die Kultusministerin auf, „die Gemeinschaftsschulen nicht hängen zu lassen“. Die FDP dagegen folgerte, „Grün-Schwarz sollte auf gymnasiale Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen verzichten“.

Sandra Boser, die Bildungsexpertin der Grünen, tut sich nach eigenem Bekunden „manchmal schwer, die Äußerungen der Ministerin einzuschätzen“. Boser verwies jedoch auf den Koalitionsvertrag. Darin versprechen Grüne und CDU: „Einer Gemeinschaftsschule, die die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 60 erreicht, wird die Einrichtung einer Oberstufe ermöglicht“.

Boser geht davon aus, dass der Vertrag eingehalten wird. Sie erwarte, „dass zum kommenden Schuljahr gymnasiale Oberstufen genehmigt werden“. Dann könnten nach dem notwendigen Vorlauf beispielsweise in Konstanz und Tübingen im Jahr 2018 erste elfte Klassen eingerichtet werden, in beiden Städten gibt es seit 2012 Gemeinschaftschulen. Ein Sprecher der Stadt sagte, in den nächsten Tagen werde Konstanz einen Antrag stellen.

Ministerin mahnt zu Realismus

Im Kultusministerium hält man die Besorgnis für überzogen. Wo die Voraussetzungen gegeben seien, würden die Oberstufen genehmigt, richtet eine Sprecherin Eisenmanns aus. Die Ministerin appelliere lediglich an alle Beteiligten realistisch zu bleiben.

Fünf neue Schulstandorte

Am Donnerstag lobte Eisenmann die Gemeinschaftsschulen über den grünen Klee. Das „anspruchsvolle pädagogische Konzept“ lebe vom besonderen Engagement der Schulgemeinschaft, die Lehrer würden „viel Energie und Herzblut investieren“, betonte Eisenmann, als sie die Genehmigung weiterer Standorte bekannt gab. Im kommenden Herbst können fünf Gemeinschaftsschulen ihre Arbeit aufnehmen. Das Ministerium hat Anträge aus Ludwigsburg, Nagold (Kreis Calw), Rastatt, Rheinfelden (Kreis Lörrach) und Oppenau (Ortenaukreis) genehmigt. Zwei Anträge wurden abgelehnt.

Damit steigt die Zahl der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg auf 304. Die CDU hatte Bedenken gehen weitere Gemeinschaftsschulen geäußert, aber auch das ist im Koalitionsvertrag gesichert. Jedoch gehen Experten davon aus, dass nicht mehr viele neue Schulen eingerichtet werden. Die Flächendeckung sei praktisch erreicht.

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