Gemeinschaftsunternehmen Bosch baut mit Daimler Elektromotoren

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Die Konzerne Bosch und Daimler haben die Pläne für die Gründung der neuen Tochter EM-motive beim Bundeskartellamt angemeldet.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - Daimler und Bosch haben die Verhandlungen über die Gründung einer gemeinsamen Tochter für die Entwicklung und Herstellung von Elektromotoren abgeschlossen und das Vorhaben beim Bundeskartellamt in Bonn angemeldet. Dies bestätigen beide Unternehmen, wollen aber erst am Donnerstag Einzelheiten über das neue Gemeinschaftsunternehmen EM-motive mit Sitz in Hildesheim mitteilen. Die Vertragsverhandlungen hatten im April begonnen.

Damals war zu hören, die Allianz sei wegen der Größe der Beteiligten ein Fall für die europäischen Wettbewerbsbehörden. Beim Bundeskartellamt in Bonn heißt es nun, für die EU-Kommission handele es sich um keinen genehmigungspflichtigen Zusammenschluss, weil nur ein einzelner Bereich - Entwicklung und Herstellung von Elektromotoren - betroffen ist. Das Bundeskartellamt, das strengere Maßstäbe anlegt, hat nun einen Monat lang Zeit, das Vorhaben von Daimler und Bosch zu prüfen. Sollten Einwände erhoben werden, so haben die Unternehmen drei Monate Zeit, die Bedenken auszuräumen.

EM-motive soll nach den bisherigen Plänen beiden Konzernen zu gleichen Teilen gehören und bereits im kommenden Jahr die Arbeit in Hildesheim sowie an einem zweiten Standort im Großraum Stuttgart aufnehmen. Bei dem Projekt geht es um sogenannte Traktionsmaschinen, also Motoren, die ein Fahrzeug antreiben.

Für beide Unternehmen stehen Elektromotoren im Vordergrund

Bis jetzt stehen für beide Unternehmen Elektromotoren im Vordergrund, die im Wechsel mit Verbrennungsmotoren arbeiten (Hybridantrieb). Bosch produziert in Hildesheim mit etwa 130 Beschäftigten Elektroantriebe für Hybridmodelle von Porsche (Cayenne und Panamera), Volkswagen (Touareg) und Peugeot (Modell 3008). Darüber hinaus werden dort Elektromotoren für Autos mit Start-Stopp-Automatik und elektronische Lenkmotoren produziert. Offenbar ist nicht geplant, die bestehenden Aktivitäten auf das Gemeinschaftsunternehmen zu übertragen; nach den bisherigen Plänen wollen Bosch und Daimler die Motoren für den Einsatz in Hybridautos weiter unabhängig voneinander bauen. Daimler hat im vorigen Jahr beschlossen, in Berlin von 2012 an eine neue Generation von Elektromotoren für Hybridautos zu fertigen. Das Investitionsvolumen für Entwicklung und Fertigung in Berlin beträgt 40 Millionen Euro.

Motoren aus dem Gemeinschaftsprojekt mit Bosch sollen in Elektrofahrzeugen der Marken Mercedes-Benz und Smart zum Einsatz kommen. Als reines Elektrofahrzeug bietet Daimler bis jetzt den Kleinwagen Smart an. Die Motoren für die aktuelle Modellgeneration mit der mittlerweile auf 1500 (ursprünglich 1000) Fahrzeuge limitierten Stückzahl kommen von dem britischen Anbieter Zytek. Für das nächste Jahr ist eine neue Smart-Generation geplant. Die Elektrofahrzeuge sollen dann in Großserie produziert werden; Motorenlieferant wird dann EM-motive sein. Daimler-Forschungschef Thomas Weber rechnet mit einer fünfstelligen Absatzstückzahl pro Jahr. EM-motive wird nicht exklusiv für den Daimler-Konzern arbeiten, sondern auch andere Autohersteller beliefern. Der Vertrieb dieser Motoren wird ausschließlich über Bosch erfolgen.

Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) begrüßte die Zusammenarbeit: "Die Entscheidung zeigt, dass Baden-Württemberg mit seinen starken Unternehmen mehr und mehr zum Leitmarkt für Elektromobilität wird." Die Konzerne engagierten sich zudem in der Landesagentur E-Mobil BW und im bundesweiten Wettbewerb für die Weiterentwicklung der Elektromobilität.

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