Nicht nur bei der Vermarktung ihres Gemüses geht das Familienunternehmen Kiemle aus Bissingen einen anderen Weg als die Konkurrenz.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Tomaten aus den Niederlanden, Paprika und Gurken aus Spanien: Wer sich beim Einkaufen umschaut, findet oft Gemüse aus dem Ausland, das etliche Kilometer zurückgelegt hat und tagelang unterwegs war. In einigen Märkten und Läden im Kreis Ludwigsburg gibt es allerdings auch eine regionale Alternative: das Gemüse der Gärtnerei Kiemle aus Bietigheim-Bissingen. Sie ist nicht nur hinsichtlich ihres Absatzwegs besonders.

 

Anders als viele Großgärtnereien beliefert der Betrieb nicht Genossenschaften oder die großen Discounter, sondern Supermärkte, Läden, Restaurants, Wochen- und Hofmärkte in der Region Stuttgart und angrenzenden Gebieten. Von Mannheim bis Karlsruhe und Ulm sind die rund 450 Kunden der Kiemles verstreut. Etwa die Hälfte der Produkte wird zudem auf dem Stuttgarter Großmarkt abgesetzt.

Schon am nächsten Tag in den Supermarktregalen

„Im Normalfall kann man unser Gemüse spätestens am Tag nach der Ernte schon im Supermarkt kaufen“, sagt Nicole Kiemle. Sie führt die Geschäfte der Gärtnerei mit ihrer Schwester in vierter Generation. Die kurzen Wege zu den Kunden machen es möglich, beispielsweise die Tomaten erst dann zu ernten, wenn sie komplett reif sind und ihren vollen Geschmack entfalten, erklärt Olivia Kiemle.

Seit 100 Jahren besteht das Familienunternehmen nun bereits. In den Anfangsjahren nach der Gründung durch das Ehepaar Albert und Pauline Kiemle war die Gärtnerei noch in der Wannenstraße in Bissingen heimisch. Nach der Aussiedlung im Jahr 1960 an den Ortsrand von Bissingen wuchs sie stetig weiter und spezialisierte sich auf Gemüse und Kräuter.

Mittlerweile umfassen die Anbauflächen insgesamt 35 Hektar. Auf rund 8,5 Hektar davon wird das Gemüse unter Folie oder Glas angebaut. Aktuell beschäftigt die Gärtnerei rund 40 feste Mitarbeiter und bis zu 60 Erntehelfer.

15 verschiedene Sorten Tomaten

Neben der Vermarktung ist nach Ansicht von Seniorchef Gerhard Kiemle die Vielfältigkeit des Sortiments eine weitere Besonderheit. Er packt ebenso wie seine Frau Sigrid nach wie vor im Familienbetrieb mit an. 15 verschiedene Sorten bietet die Gärtnerei in diesem Jahr allein bei den Tomaten an. Auch eine Vielzahl an Salaten, Kräuter, Paprika, Gurken, Zucchini und Auberginen wachsen auf dem Gelände.

„Wir richten uns bei den Sorten nach den Wünschen der Kunden“, sagt Olivia Kiemle. Immer mal wieder wird Neues getestet. Auch auf Trends kann die Gärtnerei reagieren.

Die Lastwagen der Gärtnerei beliefern Supermärkte, Läden und den Großmarkt mit frischem Gemüse. Foto: Werner Kuhnle

Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Licht, Wasser und Dünger: Nur wenn die Bedingungen optimal sind, lassen sich die besten Ergebnisse erzielen. „Der Geschmack ist uns elementar wichtig“, sagt Gerhard Kiemle. Ein Bio-Label hat das Gemüse der Gärtnerei zwar nicht, weil das eingesetzte Substrat nicht dessen Kriterien entspricht. Pflanzenschutzmittel kommen in der Gärtnerei aber kaum noch zum Einsatz, erklärt Olivia Kiemle. „Wir setzen Nützlinge ein, zum Beispiel gegen Blattläuse“, sagt sie. Mit strengen Hygienevorschriften und der ständigen Kontrolle der Anbaubedingungen ließen sich zudem Krankheiten und Schädlingsbefall oftmals verhindern.

Schon jetzt setzt das Familienunternehmen auf möglichst wenig und möglichst plastikfreie Verpackungen. Auch bei der Energie ist Umweltschutz ein Thema. Künftig soll die Gärtnerei noch nachhaltiger und energieeffizienter werden. Ein Ziel ist es, alte Gewächshäuser gegen neue, effektivere zu ersetzen. Doch die Politik lässt sie vorerst vor größeren Investitionen zurückschrecken. „Die fehlende Planbarkeit ist momentan ein Problem“, betont Gerhard Kiemle.