Gemüse und Kräuter aus eigenem Anbau Eine feste Größe auf dem Esslinger Wochenmarkt

Treue Stammkundin: Rosemarie Hüsch (links) und Margarete Maier Foto: /Marion Brucker

Gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Margarete Maier baut Eberhard Rühle bereits in fünfter Generation Gemüse an.

Für Rosemarie Hüsch ist der Einkauf auf dem Esslinger Wochenmarkt bei Gemüse Rühle selbstverständlich. „Ich wohne in der Pliensauvorstadt und kenne die Familie“, sagt sie und fügt hinzu, wenn sie Eberhard Rühle einmal nicht sehe, höre sie ihn zumindest, wenn er mit dem Traktor die Zollbergstraße hochfahre, in den Eisbergweg einbiege und dort dann fleißig auf seinen Feldern arbeite.

 

Gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Margarete Maier baut Eberhard Rühle Gemüse an. „Wir betreiben keine Gewächshäuser“, erklärt die gelernte Gärtnerin, die bei ihrem Bruder angestellt ist. „Diese erwärmen sich und machen die Umwelt nicht besser“, sagt sie. Derzeit gibt es Kopfsalat, Eichblattsalat, Ackersalat, Batavia, Kresse und Schnittsalate. Auch Frühkraut und weißer Wirsing kommen von den eigenen Feldern sowie Blumenkohl und Brokkoli. Teilweise verkaufen die Rühles auch noch Lagergemüse vom vergangenen Jahr, darunter Kartoffeln, Weiß- und Blaukraut, Karotten und rote Beete. Und es gibt bereits die erste rote Beete von diesem Jahr. „Auch die Kräuter züchten wir alle selber, nur keine Radieschen und Rettiche“, sagt Margarete Maier. Eigene Freilandtomaten kämen Ende Juli, im August und September. Rote schnittfeste Tomaten wünschten sich die Kunden. Deshalb würden sie nicht mehr die alten Sorten anbauen, die weicher sind. Allerdings hänge die Festigkeit von Gemüse nicht nur von der Sorte, sondern auch vom Niederschlag ab. „Nässe macht die Tomaten milder und weicher, Trockenheit fester. Das ist bei jeder Pflanze so“, erklärt die Gärtnerin. Gibt es ein Gemüse oder Obst noch nicht aus dem Eigenanbau, komplettierten sie ihre Produktpalette mit Zukäufen auf dem Stuttgarter Großmarkt.

1954 sind die Großeltern in die Pliensauvorstadt umgezogen

Auf insgesamt 2,4 Hektar betreibt das Geschwisterpaar Gemüseanbau, etwa in der Pliensauvorstadt und in Nellingen, auf 1,2 Hektar auch Obstbau, davon 60 Ar intensiv und 60 Ar auf Streuobstwiesen verteilt. Ursprünglich war der Betrieb in der Esslinger Fischergasse beheimatet. 1954 sind dann die Großeltern Paul und Marie Wendnagel in den Geuernrain in die Pliensauvorstadt umgezogen. Ihre Mutter Elise hätte gemeinsam mit Karl Rühle den Betrieb übernommen, 1981 dann ihr Bruder Eberhard. Neben Gemüse bauen sie auch auf acht Hektar Weizen und Futtermais in Nellingen, Berkheim, der Pliensauvorstadt und auf dem Zollberg an. Bis vor sechs Jahren hatten sie auch noch 1,2 Hektar eigene und gepachtete Weinberge bewirtschaftet, „doch unser guter Mann aus Polen kommt nicht mehr“, sagt Maier. Deshalb hätten sie den Weinbau aufgegeben. Die gelernte Gärtnerin hält sich hauptsächlich auf den Feldern auf. Doch mittwochs und samstags muss sie zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr den Stand auf dem Esslinger Wochenmarkt mit aufbauen. Ab 12.30 Uhr kommt sie dann wieder zum Abbauen. Morgens kämen zunächst die Frühaufsteher auf den Markt, danach gäbe es eine Delle und so um 10.30 Uhr ginge es wieder weiter, wenn die Geschäfte öffneten. „In meiner Kindheit haben die Läden früher geöffnet, und da ging es schon um 8.30 Uhr los“, erinnert sich Margarete Maier. Ist Not an der Frau, springt sie auch beim Verkaufen ein. Normalerweise haben sie dafür junge Frauen. Auch Tochter Manuela hilft auf dem Markt mit. Die Textilingenieurin möchte aber nicht die Nachfolge ihres 65-Jährigen kinderlosen Onkels antreten, ebenso wenig ihre Schwester. „Sie ist Floristin und liebt ihren Beruf“, sagt Maier.

Noch denkt das Geschwisterpaar nicht ans Aufhören

Seit fünf Generationen ist ihre Familie schon auf dem Wochenmarkt in Esslingen vertreten. „Vielleicht ist es auch schon die sechste“, so genau könnten sie das gar nicht nachvollziehen. Wenn sie und ihr Bruder in Rente gehen, werde wohl diese Familientradition aussterben. „Das ist halt so“, sagt die 63-Jährige. Noch aber denke das Geschwisterpaar nicht ans Aufhören, auch wenn die Frequenz auf dem Markt nach Corona schlechter sei. „Zu dieser Zeit waren alle aufs Essen fixiert“, meint Margarete Maier. Treue Stammkunden wie Rosemarie Hüsch kommen aber wie gehabt. Und sie würde sicher nicht nur das Traktorgeräusch, sondern auch das Freilandgemüse vermissen.

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