Auf dem Bärenhof in Bernhausen haben Thomas Raff und sein Team diese Woche die Haupternte für Salate und Spinat eröffnet. Foto: /Caroline Holowiecki
Mit dem Frühlingsstart sprießt auch das erste Gemüse bei den Landwirten im Kreis Esslingen. Aber noch nicht bei allen Sorten kann man schon aus dem Vollen schöpfen. Was jetzt schon aus der Region frisch auf den Tisch kommt.
Caroline Holowiecki
26.03.2025 - 08:00 Uhr
Kaum ist der Frühling da, macht er auch schon wieder eine kurze Pause. An diesem Montagmorgen regnet es. Die meisten Menschen, die sich zuletzt über die steigenden Temperaturen gefreut haben, wird das wohl nerven. Nicht aber Thomas Raff. „Wir warten eigentlich auf Regen“, sagt er. Während die Tropfen auf das Gewächshaus des Bärenhofs in Filderstadt-Bernhausen prasseln, könnte es nach dem Geschmack des Landwirts noch mehr regnen.
Das, was an diesem Morgen runterkommt, läuft für Thomas Raff eher unter dem Titel „Spielverderber“: Es ist zu nass, um wie geplant auf dem Feld anpflanzen zu können, aber zu wenig Feuchtigkeit, um den Boden richtig zu durchziehen. Aber klagen will er auch nicht. „Wir freuen uns sehr über den Regen, sonst hätten wir heute mit der Beregnung starten müssen“, sagt er.
Gemüsebauern schon im Erntemodus im Kreis Esslingen
Während der Frühling gerade erst loslegt, sind die Gemüsebauern hierzulande schon im Erntemodus. Auf dem Bärenhof beginnt an diesem Montagmorgen ganz offiziell die Haupternte für den Großhandel. Kopf- und Eichblattsalate sowie Spinat werden kistenweise aus den Gewächshäusern geholt, auch auf den Filderäckern – in Summe bewirtschaftet das Bärenhof-Team 25 Hektar – wird bereits seit Anfang März geschafft. „Wir pflanzen etappenweise jede Woche“, sagt Thomas Raff. Ab sofort geht es, wenn der Himmel mitspielt und keine Unwetter bringt, bis November rund. Nach dem Salat und dem Spinat kommen in den nächsten Tagen die Radieschen, um Ostern herum geht es mit Kohlrabi weiter.
Auch heimische Radieschen gibt es schon. Foto: imago
Auch auf dem Eglisenhof der Familie Clauss in Esslingen-Sulzgries, einem Freilandbetrieb, geht es los. Dieser Tage werden die ersten Frühlingszwiebeln, die überwintert haben und in diesem Jahr fertiggewachsen sind, aus dem Boden geholt, als nächstes werden Spinat und Radieschen dran sein. Anfang April werde es wohl heimischen Rhabarber geben. „Jetzt kommen die Kulturen nach und nach und Schlag auf Schlag“, sagt Marius Clauss, der Junior-Chef.
Salate, Lauch und Kohl werden jetzt gepflanzt
Er ist bislang zufrieden. Im Januar und auch Anfang Februar habe es noch viele Niederschläge gegeben, Ende Februar hätten er und sein Team mit dem Pflanzen von Salaten, Lauch und Kohl begonnen. „Gesät wurde auch schon einiges“, sagt Clauss: Möhren, Zwiebeln und Rote Bete. „Das ganze Sortiment ist im Boden drin“, erklärt er, Vlies habe geholfen, auch kalte Nächte zu überstehen. Solange die Temperaturen nun nicht mehr unter minus fünf Grad fielen, sei alles okay.
Noch etwas gedulden muss man sich indes auf dem Talhof von Bernhard Bayer in Neuhausen. Trotz Verfrühungsfolie lässt der Spargel noch auf sich warten. Der Boden ist noch zu kalt, das Wetter zu instabil. „Wenn keine Sonne kommt, ist da nicht viel los“, sagt Bayer. Bis Anfang, Mitte April müsse man schon noch warten, bis der Spargel sich bewege. Der Landwirt rechnet mit einem leicht nach hinten geschobenen Erntestart. Und auch beim Beerenobst heißt es noch: Gut Ding will Weile haben. Laut Bayer sind bislang bei den Heidelbeeren im Folientunnel nur vereinzelt Blüten zu sehen, bei den Erdbeeren wiederum sei es noch gar nicht losgegangen.
Bis es mit der Erdbeerernte losgeht, dauert es noch eine Weile. Foto: dpa/Uli Deck
Die ersten Salate auf dem Bärenhof in Bernhausen sind schön geformt. Durch das zuletzt milde und sonnige Wetter sei man sogar ein paar Tage früher dran als sonst, sagt Thomas Raff. Das dunkle Gewebe am Boden hat sein Übriges getan. Der Landwirt sieht der Saison gut gelaunt entgegen. Auch auf dem Eglisenhof in Sulzgries ist man zum Start der Gemüsesaison zuversichtlich. 15 Hektar, vornehmlich rund um den Hof, werden von der Familie Clauss bewirtschaftet.
Was Marius Clauss etwas Sorge bereitet, ist allerdings der Blick in Richtung Sommer. Er erklärt: 2024 habe es üppige Niederschläge gegeben, „das hat uns übers Jahr geholfen, die Bewässerungskosten niedrig zu halten“. Allerdings lehre ihn die Erfahrung, dass es nie zwei Jahre hintereinander feucht sei, demnach stellt sich Clauss auf einen trockenen Sommer ein – und auf eine zusätzliche Bewässerung der Äcker. Er sagt: „Es ist alles eine Kostenfrage.“
Weniger Spargel aus Baden-Württemberg
Erntestart Während so manches heimische Gemüse schon geerntet werden kann, müssen Spargelfans noch etwas warten. „Die Spargelsaison wird voraussichtlich Ende März mit ersten nennenswerten Erntemengen starten“, teilt der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) mit.
Anbau Der Spargel-Selbstversorgungsgrad habe 2024 bundesweit bei 85 Prozent gelegen. Allerdings: Wie Zahlen des VSSE und des Statistischen Bundesamtes zeigen, geht die Produktion in Baden-Württemberg zurück. Knapp 8600 Tonnen Spargel wurden im vergangenen Jahr geerntet, das sind 4,5 Prozent weniger als 2023 und sogar minus 21,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Auch die Anbaufläche im Südwesten ging zurück. 2024 war sie 2111,7 Hektar groß; mehr als fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor und minus 23,6 Prozent im Vergleich zu 2015.