Ein Jahr nach Ernteausfall Wie sich ein Gemüsebauer nach dem Hochwasser im Kreis Esslingen anpasst

Bislang stehen Felix Schickingers Tomaten gut da. Foto: Karin Ait Atmane

Gegen ein Hochwasser wie 2024 kann sich der Biobauer Felix Schickinger kaum wappnen. Deshalb hat er einfach weitergearbeitet – ohne Versicherung und Schadensersatz.

Wenn es länger anhaltend regnet, wird der Biobauer Felix Schickinger zunehmend nervös: Das Hochwasser von 2024 hängt ihm noch immer nach. Vor einem Jahr standen der Landwirt und seine Mutter Beate schockiert vor ihren überfluteten Gemüseäckern und Folientunneln. Nach wochenlangen Regenfällen war die Fils über die Ufer getreten und hatte ihre Flächen unter Wasser gesetzt.

 

Das hat, wie sie befürchtet hatten, zu erheblichen Ernteeinbußen geführt. „Die Kartoffeln waren tatsächlich ein Totalausfall“, sagt Felix Schickinger. Die Knollen verfaulten im Boden und der Nachschub, um ein zweites Mal zu stecken, war knapp. Erst Ende Juni konnten Schickingers neue Saatkartoffeln bekommen. Die brachten sie zwar in die Erde ein, aber angesichts des späten Zeitpunkts wuchsen sie eher kümmerlich und die Ernte fiel mager aus. Auch die Tomaten waren verloren: Sie vertrugen die „nassen Füße“ nicht, außerdem erwies sich die Mulchfolie, in die sie eingepflanzt waren, nach dem Hochwasser als eher hinderlich.

Feld nach Hochwasser eine Woche überflutet

Darauf verzichtet der Reichenbacher Hof jetzt lieber – im Tomaten-Tunnel ist der Boden mit Stroh gemulcht, die Pflanzen werden an Juteschnüren nach oben geführt und gestützt. Über dünne Leitungen am Boden kommt das Wasser wohldosiert zu den Pflanzen, ganz anders als vor einem Jahr, als Schickinger und sein Team rund 600 Kubikmeter Wasser abgepumpt haben – ohne durchschlagenden Erfolg. Wahrscheinlich sei der Grundwasserspiegel durch den Pegel der Fils einfach zu hoch gewesen, sagt der Jungbauer. Gut eine Woche habe es gedauert, bis das Wasser schließlich abgeflossen war.

Anfang Juni 2024 - da war ein Teil des Wassers von Schickingers Feldern schon abgeflossen, aber nicht alles. Foto: Karin Ait Atmane

Kulturen wie Salat, Kohlrabi und anderes Gemüse konnten dann nachgepflanzt werden, fielen also nur partiell aus. Sellerie und Rote Bete seien sogar gut gediehen, sagt Schickinger. Sie kommen mit Nässe klar und wurden aufgrund des Ausfalls anderer Kulturen auch besonders intensiv gepflegt.

Für diese Art von Ernteausfall nicht versichert

Überhaupt habe der Fokus darauf gelegen, das Beste aus der Situation zu machen und nach vorne zu blicken, sagt der Reichenbacher Landwirt. Eine finanzielle Entschädigung für den Ernteausfall habe er nicht bekommen: Eine Versicherung für diese Art von Ausfällen hatte und hat er nicht. Und als dann das Landwirtschaftsministerium im Sommer das Programm Hochwasserhilfe 2024 auflegte, das Zuschüsse bei „gravierenden Schäden“ versprach, waren er und sein Team schon wieder mit ihrer eigentlichen Arbeit mehr als ausgelastet.

Er habe schon überlegt, einen Antrag zu stellen, sagt Schickinger. Vielleicht hätte er auch Chancen gehabt. Aber die Modalitäten – von den Antragsformularen bis hin zum externen Gutachter – hätten sich ziemlich kompliziert gelesen. Und das in einer Zeit, als auf dem Feld alle Hände voll zu tun waren. Er verzichtete schließlich darauf, einen Antrag zu stellen.

Weitreichende Konsequenzen hat er aus dem Hochwasser nicht gezogen. „Das ist schwierig bei unserer Lage“, sagt er. „Ich wüsste nicht, was man da machen könnte, wir haben auf der einen Seite den Hang, auf der anderen die Fils.“ So oder so ist in diesem Jahr die Situation bisher eine andere – heuer musste das Gemüse schon mal bewässert werden.

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