Genderdebatte in Baden-Württemberg Das Kreuz mit dem Sternchen in der Schule

Kultusministerin Schopper wirbt für geschlechtergerechte Sprache. Foto: dpa/B. Weissbrod

In Baden-Württemberg ist ein Streit über das Gendern in der Schule entbrannt. Daran hat Kultusministerin Schopper ihren Anteil.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Stuttgart - Normalerweise bricht mit dem Beginn der Sommerferien eine gähnende Stille in der schulpolitischen Auseinandersetzung an. Die landespolitischen Akteure sind nach dem Spurt zum Schuljahresende genauso ermattet wie Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler oder Rektorate nach dem Zeugnistag. Aber für den Streit um das Gendern – wie das geschlechtergerechte Sprechen und Schreiben salopp genannt wird – in der Schule ist der Startschuss zeitgleich mit dem Beginn der Ferien gefallen.

 

Die Aufregung schaukelt sich hoch. Auch wenn faktisch eigentlich nichts passiert ist, sind Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter in die Diskussion eingestiegen. Unterdessen grummelt es auch in der CDU.

Auslöser der Aufregung war ein Zitat von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) gegenüber unserer Zeitung. „Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden, und das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist ja auch im Bildungsplan verankert“, sagte sie. „Gut ist es auch, wenn Lehrkräfte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren.“

Lehrerverbände vermissen Einheitlichkeit

„Das Ministerium erweist den Schulen damit einen Bärendienst. Wir hätten uns seitens des Kultusministeriums eine einheitliche Regelung gewünscht“, monierte der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der Philologenverband kritisierte, dass die Ministerin die Schulen „ohne verbindliche Regelung im Regen stehen lässt“. Verbandschef Ralf Scholl verweist zudem auf Familien mit Kindern an verschiedenen Schulen. „Schreibt jedes dann nach einer anderen Regel?“, fragte er.

Vom Landesschülerbeirat war sowohl die Forderung nach verbindlicher Wahlfreiheit als auch nach einer einheitlichen Regel zu lesen. „Sprachliche Diskriminierung muss natürlich Thema im Unterricht sein“, meinte Michael Mittelstaedt vom Landeselternbeirat. Dabei seien aus seiner Sicht Lehrende und Lernende gefragt, „Formulierungen zu entwickeln, die ohne Sonderzeichen auskommen und andere nicht verletzen“. Vor einem „Flickenteppich, der niemanden weiterbringt“, warnte CDU-Landtagsfraktionschef Manuel Hagel. „Wir sollten keine Beliebigkeit in Wort und Schrift in unsere Schulen einziehen lassen“, mahnte die CDU-Generalsekretärin Isabell Huber.

Die CDU schießt sich auf das Thema ein

Das ist viel Empörung, obwohl sich, wie das Kultusministerium betont, nichts geändert habe. Es bleibe dabei, dass geschlechtergerechte Sprache Unterrichtsthema in den Schulen ist, weil das der Bildungsplan seit 2016 so vorsieht. Es bleibe auch dabei, dass die „Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen im Bereich der deutschen Sprache auf der Grundlage des Amtlichen Regelwerks für die deutsche Orthografie“ beruhten. Darüber hinausgehende oder abweichende Empfehlungen seien nicht erlassen worden.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich zuletzt im März mit dem Sternchen befasst. Das Gremium hat sich grundsätzlich für einen sensiblen sprachlichen Umgang miteinander und für eine geschlechtergerechte Sprache ausgesprochen. Trotzdem wurden Gender-Stern, Unterstrich, Doppelpunkt und andere „verkürzte Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern“ nicht in die Rechtschreibregeln aufgenommen.

Im Kultusressort gibt man sich bis an die Spitze verdutzt über die Aufregung. Dabei ist der Gender-Stern in der Schule ein Thema, das die Gemüter seit jeher erhitzt. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl, wo die Stuttgarter Koalitionspartner um die Macht in der Republik miteinander ringen, taugt es zur Polarisierung – auch wenn sich für die Schulen im Land eigentlich nichts geändert hat.

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