Gendern in der Schule Das sagt das Kultusministerium zum Gendersternchen

Sollten Gender-Zeichen wie Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich in Schulen verwendet werden? Foto: dpa/Gregor Bauernfeind

Schülerinnen und Schüler sollen für geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden, sagt die Kultusministerin Theresa Schopper. Aber heißt das auch, dass sie Genderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt verwenden sollten?

Familie/Bildung/Soziales: Lisa Welzhofer (wel)

Stuttgart/Köln -

 

Das Kultusministerium Baden-Württemberg überlässt es den Schulen, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. Ob ein Lehrer es anstreicht oder nicht, bleibe ihm überlassen, heißt es von dort. Generell gilt in Schulen bei der Vermittlung der Deutschen Sprache ebenso wie bei der Korrektur von Aufsätzen das Amtliche Regelwerk für die deutsche Orthografie. Dessen Urheberinnen und Urheber vom Rat für deutsche Rechtschreibung hatten zuletzt die Aufnahme von Gendersternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt, mit der die Vielfalt der Geschlechter zum Ausdruck kommen soll, nicht empfohlen. Auch in Schulbüchern wird bislang nicht in dieser Form gegendert.

„Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden, und das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist ja auch im Bildungsplan verankert“, sagt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) den „Stuttgarter Nachrichten“ und fügt an: „Und gut ist es auch, wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren.“

Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt Sternchen nicht

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Um Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg für gendergerechte Sprache zu sensibilisieren gelten im Bildungsplan 2016 entsprechende Regeln, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Darin werde fast durchgängig die weibliche und männliche Form verwendet oder neutrale Ausdrücke wie Lehrkräfte oder Studierende. Ähnliches gilt für die Rahmenlehrpläne der Berufsschule und sonstigen Bildungspläne.

Philologe: „Vergewaltigung der Sprache“

Klar gegen eine Einführung des Gendersternchens und ähnlicher Formen wie Unterstrich oder Doppelpunkt positioniert sich Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PHV). „Solche Formen vergewaltigen die Sprache“, sagt der Mathe- und Physiklehrer. „Außerdem hat Gendern nichts mit dem eigentlichen Ziel der Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun“, ist Scholl überzeugt. „Das ist eine Scheindebatte! Viel wichtiger wäre es andere Dinge anzugehen, wie die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Wenn Jugendliche in der Schule gendern wollten, sollten sie das in Form von weiblichen und männlichen oder neutralen Formen tun, so Scholl, der allerdings betont, dass dies nicht die offizielle Haltung seines Verbandes sei: „Innerhalb des PHV sind wir dabei, uns eine einheitliche Position dazu zu erarbeiten“, sagt Scholl.

Sprachexperte empfiehlt Lehrkräften zu gendern

Ganz anders sieht das der Kölner Sprachexperte Michael Becker-Mrotzek. Der Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch plädiert dafür, auch in den Schulen offen und entspannt mit Gender-Zeichen umzugehen. „Das ist nichts, was vom Staat geregelt werden sollte. Der Sprachgebrauch entwickelt sich und orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen“, so Becker-Mrotzek. Auch in Aufsätzen sollten Schulen Gender-Formen zulassen. „So etwas zu sanktionieren finde ich nicht angemessen, Sprache entwickelt sich, das lässt sich nicht aufhalten.“

Das jahrelange Credo, dass Frauen in den männlichen Pluralformen mitgedacht würden, stimme nicht: „Wir wissen aus psycholinguistischen Experimenten, dass die Menschen eben nicht an Frauen denken, wenn da Ingenieure steht, sondern eher an Männer.“

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