Genderpolitik in Stuttgart Gender-Star für städtische Formulare

Soll auch in Stuttgarter Pressemitteilungen Standard werden: Das Gendersternchen. Foto: dpa/Doreen Garud
Soll auch in Stuttgarter Pressemitteilungen Standard werden: Das Gendersternchen. Foto: dpa/Doreen Garud

Männlich? Weiblich? Beides nicht? Ein Sternchen hilft Personen, die sich nicht in das binäre System einordnen lassen. Es wird auf Formularen, in Veröffentlichungen und der Statistik eingeführt bis bundesweit eine einheitliche Form dafür gefunden ist.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)

Herrenberg - Ging ein Schreiben an die Beschäftigten der Stadt raus, so wurden sie bisher mit „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ oder geschlechtsneutral als „Mitarbeitende“ bezeichnet. Ab sofort ist aber auch der so genannte Gender-Star erlaubt, dann heißt es „Mitarbeiter*innen“. Er soll „einheitlich verwendet werden, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten zu benennen, soweit dies sachlich gerechtfertigt ist“, heißt es in einer Mitteilungsvorlage, die am Mittwoch dem Verwaltungsausschuss zur Kenntnis vorgelegt wird.

Stadt folgt dem Gesetz

Die Vorlage geht zurück auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017, wonach die erzwungene Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht in das allgemeine Persönlichkeitsrecht eingreife, und auf ein entsprechendes Gesetz, das 2018 in Kraft trat. Wie eine gendersensible Sprachregelung umgesetzt werden soll, darüber gibt es noch keine bundesweite Lösung. Die Stadt kann deshalb vorübergehend eine eigene Regelung treffen und hat sich auf Empfehlung des Arbeitskreis LSBTTIQ und der Gleichstellungsstelle für das Gendersternchen entschieden.

Umsetzung dauert

Maria Flendt vom Arbeitskreis LSBTTIQ schlug vor, die Umsetzung auf Mitteilungsvorlagen und auf der Homepage sofort anzugehen. Außerdem soll sich OB Fritz Kuhn beim Städte- und Gemeindetag für eine bundesweite Lösung in dieser Form einsetzen. Ob sich am Ende ein Doppelpunkt durchsetzt, der, so Puls-Stadträtin Ina Schumann, „von Sehschwachen besser gesehen würde“, ist ebenso offen wie der Tag, an dem die Neuerung „in jeder Verwaltungsstube angekommen ist“, sagte Beiratsmitglied Judith Vowinkel. Sie plädierte deshalb für einen Umsetzungsfahrplan. Stadträtin Iris Ripsam (CDU) empfahl die sukzessive Umstellung und „die bereits gedruckten Formulare nicht in die Tonne zu treten“.




Unsere Empfehlung für Sie