Genehmigungen Löwentormuseum kämpft mit Brandschutz

Im Museum am Löwentor muss der Brandschutz nachgebessert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Im Museum am Löwentor muss der Brandschutz nachgebessert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Haus an der Nordbahnhofstraße kann Teile seiner Flächen nicht mehr als Veranstaltungsort nutzen. Damit entgehen der Einrichtung Einnahmen aus der Vermietung.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)
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Stuttgart - Das Museum am Löwentor muss seinen Veranstaltungsbetrieb reduzieren. Ein aktuelles Gutachten zum Brandschutz kommt zu dem Schluss, dass der bis zu 180 Besuchern Platz bietende Vortragssaal nicht mehr wie bisher genutzt werden kann. Ebenfalls betroffen sind Flächen im Ausstellungsbereich, die für Veranstaltungen abseits des eigentlichen Museumsbetriebs verwendet werden. Auf zwei Arealen „Rund um den Dinohügel“ und „Zwischen Mammut und Steppenelefant“ konnten etwa Essen ausgerichtet werden für Gruppen zwischen 60 und 150 Personen. Ob und, wenn ja, wie das 1985 eröffnete Gebäude umgestaltet werden muss, um die Veranstaltungsflächen im gewohnten Umfang wieder nutzen zu können, überprüfen gerade Experten.

Zuständig ist das Vermögens- und Bauamt des Landes. Wie lange die Untersuchung dauere, war ebenso wenig zu erfahren wie die Höhe eventueller Kosten, die durch nötig werdende Umbauten entstehen könnten. Dabei ist die Behörde schon seit Längerem mit dem Vorgang betraut. Nach Angaben des Museums liegt dem Amt schon seit mindestens Juni 2016 der Entwurf eines Brandschutzkonzepts vor.

Viele Organisationen müssen Ausweichquartiere suchen

Dem Museum entgehen durch die eingeschränkte Nutzung Einnahmen in Höhe von 8000 bis 10 000 Euro. „Abgesehen vom finanziellen Schaden bedeutet dies für unser Haus einen Verlust an Image und Bekanntheitsgrad“, erklärt Johanna Eder, Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde. 45 Veranstaltungen externer Vereine und Institutionen hatte es zuletzt pro Jahr im Museum an der Nordbahn­hofstraße gegeben. Betroffen von der vorübergehenden Schließung des Vortragssaals ist unter anderem auch der gut 32 000 Mitglieder zählende Wilhelmaförderverein. Der weicht nun für seine Veranstaltungen in den Kursaal Bad Cannstatt aus. Neben den zahlenden Gästen konnten „fachverwandte Institutionen und Organisationen wie Umweltakademie und Naturschutzverbände“ (Eder) die Räume kostenlos nutzen. „Die Institutionen müssen einen anderen Ver­anstaltungsort suchen und dort eventuell bezahlen“, gibt die Museumsdirektorin zu bedenken.

Wie fragwürdig der bisherige Umgang mit den Räumen war, hat erst das vom staatlichen Amt Vermögen und Bau be­auftragte Gutachten zutage gefördert. Die Experten hatten festgestellt, „dass es in der Baugenehmigung für das Museum am Löwentor insgesamt keine Genehmigung als Versammlungsstätte gibt und es selbst für den Vortragssaal keine klare Definition als Veranstaltungsraum nach der Versammlungsstättenverordnung gibt“, erklärt Jo­hanna Eder. Selbst für den Vortragssaal habe es keine klare Definition als Ver­anstaltungsraum im Sinne der Vorschriften gegeben, so Eder.

Langwierige Abstimmungen zwischen den Behörden

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, muss nun für den Saal und das ganze Museum ein Antrag auf Nutzungsänderung gestellt werden. Entsprechende Unterlagen hat das Haus bereits im April und Mai 2016 an das Vermögens- und Bauamt des Landes geschickt. Das wiederum steht in Verhandlungen mit dem städtischen Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde. Die Stadt verlange „nun eine Verfeinerung der Bestuhlungspläne, ohne die keine Genehmigung erteilt“ wird, sagt Eder. Von der Entscheidung des städtischen Ordnungsamts und des Baurechtsamt hängt auch ab, ob im Lowentormuseum womöglich Umbauten anstehen, um den Betrieb wie gewohnt fortzuführen.

Die städtischen Behörden können Veranstaltungen grundsätzlich auch per Ausnahmegenehmigungen gestatten. Allerdings gibt es die für maximal drei bis fünf Termine im Jahr. „Jede Einzelgenehmigung ist mit relativ hohem Verwaltungsaufwand verbunden und kostenpflichtig und lohnt daher nur für große Veranstaltungen“, erklärt Eder, warum dieses Vorgehen offenbar keine dauerhafte Lösung für das Museum darstellt.

Dauerhafte Einschränkungen im Schloss Rosenstein

Mit den Anforderungen des Brandschutzes hat das Naturkundemuseum auch schon an seinem anderen Standort, dem Schloss Rosenstein, einschlägige Erfahrungen gesammelt. So mussten etwa die Schlosskonzerte ins Museum am Löwentor umziehen, da das umgebaute historische Gemäuer am Rand des Neckarhangs nicht mehr alle Vorgaben der Brandverhüter erfüllen konnte. Doch trotz Einbaus einer Brandmeldeanlage dürfen nicht mehr alle Räume im Schloss vermietet werden.




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