Generation Z Wie faul sind die jungen Leute wirklich?

Die Generation Z wird auch als Digital Natives 2.0 bezeichnet, da sie mit den neuesten Technologien aufgewachsen ist. Foto: imago/Westend 61//Eugenio Marongiu

Ihr schlechter Ruf eilt der Generation Z voraus. Den Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind, wird Faulheit und Unverbindlichkeit vorgeworfen. Was ist da dran?

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Die jungen Leute sind aber auch nicht von Schaffhausen“ oder „Sobald es unangenehm wird, geben die jungen Leute auf“: Gesprächsfetzen, die durch Supermärkte und Büroräume schallen oder an den Esstischen bei Familienfeiern diskutiert werden. Überstunden unerwünscht. Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit Mangelware. Ist an diesen Behauptungen etwas dran? Im Zug dieser kritischen Beleuchtung der jungen Generation äußerte sich auch der Entertainer Thomas Gottschalk. Mit Blick auf den Nachwuchs in der Unterhaltungsbranche meinte er: „Die junge Generation ist so weichgekocht und so ängstlich auf Erfolg bedacht.“

 

Auch Unentschlossenheit ist einer der Kritikpunkte. Ein Blick auf die Zahlen verrät: Rund drei von zehn Studierenden brechen ihr Studium ab, und es war noch nie so schwer, Ausbildungsstellen zu besetzen. Doch ist die Generation Z eben auch Opfer der Pandemie geworden: Ausbildungsmessen, Berufsberatungen und Praktika fielen aus. Die berufliche Orientierung ist dementsprechend schwer. Ein Erklärungsansatz, warum 42 Prozent der IHK-Ausbildungsbetriebe nicht alle Plätze füllen konnten.

Die jungen Leute sind lieber arbeitslos als unglücklich im Job

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Erwartungen an die Arbeitgeber und die Prioritäten geändert. Anders als die Generation X, die viel arbeitet, um der eigenen Familie etwas bieten zu können, legt die neue Generation Z Wert auf eine Work-Life-Balance, so eine Randstad-Studie. 56 Prozent der 18- bis 24-Jährigen würden ihren Job kündigen, wenn die Stelle sie daran hindert, das Leben zu genießen. 40 Prozent der Generation Z wäre lieber arbeitslos statt unglücklich in ihrem Job. An dieser Stelle mag wohl der ein oder andere Kritiker die Augenbraue runzeln.

Ob das Bedürfnis nach mehr Freizeit tatsächlich problematisch für die Arbeitgeber wird, ist fraglich. Denn die Medizin zeigt: Wer sich genügend Auszeiten nimmt, ist kreativer, resilienter gegen Stress und arbeitsfähiger. Die Entspannung senkt das Risiko für Herzprobleme, steigert die Lernfähigkeit und beugt Muskel-Skelett-Erkrankungen vor.

Laut einer Deloitte-Studie fühlt sich knapp die Hälfte der Generation Z ständig oder die meiste Zeit gestresst, der Beruf ist dabei der größte Verursacher. Der Wunsch, ausreichend Zeit für Familie und Freunde zu haben, ist im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen von Stress also durchaus sinnvoll, um langfristig arbeitsfähig zu sein.

Viele fühlen sich ihrem Arbeitgeber nicht mehr unbedingt verpflichtet

Eine verbreitete Behauptung lässt sich in Studien nachweisen: Viele fühlen sich ihrem Arbeitgeber nicht mehr unbedingt verpflichtet. Nur 34 Prozent der 16- bis 29-Jährigen können sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, bei Leuten über 45 Jahren sind es 57 Prozent. Knapp über die Hälfte geht davon aus, ihren Job in den nächsten zwei Jahren zu wechseln. Als Azubi in einem Betrieb zu beginnen und dort bis zur Rente zu arbeiten? Diese Zeiten sind vorbei. Fortbildungen, Umschulungen und Berufswechsel selbst im höheren Alter prägen die Arbeitswelt.

Eine Arbeit mit Sinn und eine klare Trennung zwischen Privatleben und Job anstatt konstanter Erreichbarkeit und arbeiten bis zum Burn-out: Die Generation Z hat andere Vorstellungen, auf die es einzugehen gilt. Denn die nachrückende Generation wird viele Positionen besetzen. Um die Generation Z zu motivieren, braucht es mehr als ein gutes Gehalt und einen hohen Status. Spaß an der Arbeit, ein gutes Arbeitsklima und Selbstverwirklichung stehen höher im Kurs.

Generation Z: faul oder selbstbestimmt?

Interesse kann bei der Generation Z durch einen abwechslungsreichen Berufsalltag und gute Entwicklungsmöglichkeiten geweckt werden. Auch mit dem Angebot von flexiblen Arbeitszeiten und der damit verbundenen Rücksicht auf die privaten Belange versucht man die Mitarbeiter wieder stärker an die Unternehmen zu binden.

Unterschiedliche Generationen teilen nicht dieselben Erwartungen an die Arbeitswelt, da sind Diskussionen vorprogrammiert. Ronja Ebeling, Buchautorin und Vertreterin der Generation Z, meinte bei einer Xing-Podiumsdiskussion: „Wir trauen uns mehr, das zu fordern, was unsere Elterngeneration auch gerne gefordert hätte.“ Es ist also eher eine Sache des Muts und der Prioritätensetzung statt der Faulheit.

Überblick der Generationen

Traditionalisten
1922–1945

Baby Boomer
1946–1964

Generation X
1965–1979

Generation Y/Millennials
1980–1994

Generation Z
1995–2010

Generation Alpha
ab 2010

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