Genuss-Sache Von Hoppa Sparkling bis Muri: So geht alkoholfreier Genuss heute

Alles geht! Wer keinen Alkohol trinken möchte, findet spannende Alternativen. Foto: nja

Das Ende des „Dry January“ ist da – und neue Möglichkeiten für Genuss ohne Alkohol: von Kopenhagen bis Löwenstein.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Dry January isch over – und mit ihm für viele das gute Gefühl, sich auf der richtigen Seite der Gesellschaft zu befinden. Es gibt kaum ein gesundheitspolitisches Thema, das derzeit so moralisch aufgeladen diskutiert wird wie Alkohol. Die Weltgesundheitsorganisation warnt unmissverständlich: Es gebe keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. Jeder Schluck sei schädlich. Die Botschaft ist klar, die Schlagzeilen sind es auch. Aus Vorsicht wird Prinzip, aus Empfehlung schnell ein Lebensstil. Wer Longevity-Prinzipien folgt, sich gesund ernährt, Sport macht, der versucht zudem, gar nichts oder wenig zu trinken.

 

Es gibt auch andere Gründe: Manche vertragen es nicht oder haben familiäre Hintergründe, und anderen schmeckt es ganz einfach nicht. Problematisch ist, wer eben nur einen Monat aussetzt, und das restliche Jahr dem exzessiven Genuss frönt.

Dass Alkoholkonsum verheerende individuelle und gesellschaftliche Folgen haben kann, steht außer Frage. Sucht zerstört Biografien, Familien und Existenzen. Doch parallel zu dieser berechtigten Debatte entsteht ein neuer Absolutheitsanspruch: Abstinenz als moralischer Imperativ. Konsum wird zur Identitätsfrage. Das Leben kennt jedoch keine einfachen Schwarz-Weiß-Kategorien. Es ist – wie immer – kompliziert und komplex. Es gilt, zwischen Missbrauch und Kulturtechnik zu unterscheiden. Besonders Wein nimmt in vielen Gesellschaften eine Rolle ein, die über den reinen Konsum hinausgeht. Er ist verwoben mit Landwirtschaft, Handwerk und regionaler Identität. Wein erzählt von Landschaften, von Klima, von Handwerk.

Diese Dimension verschwindet zunehmend hinter einer rein biochemischen Betrachtung. In einer gesundheitsoptimierten Gegenwart, die alles messbar machen will, reduziert sich der Diskurs auf Promillewerte und Risikostatistiken. Einerseits. Andererseits gibt es viele Beispiele für die Verharmlosung von Alkohol, wo es nicht um Genuss sondern um Dröhnung geht.

Wein ist ein Stück regionale Identität – mittlerweile gibt es ihn auch alkoholfrei. Foto: dpa-tmn

Jede Entwicklung birgt auch positive Aspekte, nicht nur gesundheitlicher Natur: Alkoholfreie Getränke gewinnen an Attraktivität. In jedem Supermarkt gibt es mittlerweile spritzige Varianten ohne Prozente, die man nicht nur als Aperitif reichen kann, sondern die ein ganzes Abendessen über tragen. Von Kopenhagen (Muri!) bis Löwenstein (Hoppa Sparkling der Weinschwestern) experimentieren Hersteller mit einer neuen Trinkkultur, die über Apfelschorle hinausreicht. Und darum geht es doch am Ende immer: sich neuen Entwicklungen nicht zu verschließen.

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