Genuss-Sache Wein in rauen Mengen
In teuren Restaurants geht es immer auch ein wenig um die richtige Haltung zum Leben. Zum Beispiel: Weinbegleitung – ja oder bäh?
In teuren Restaurants geht es immer auch ein wenig um die richtige Haltung zum Leben. Zum Beispiel: Weinbegleitung – ja oder bäh?
Ich bin ein Freund der Weinbegleitung. Wann immer wir etwas feiner essen gehen, nehmen wir gern das einschlägige Angebot des Restaurants in Anspruch. Die Idee kam gar nicht von uns. Wir haben beim Reservieren auch nie gesagt: „Wir kommen aber nur, wenn es Weinbegleitung gibt.“ Irgendwann im Lauf der vergangenen Jahre begegnete uns einfach erstmals in einem Lokal diese Möglichkeit. Wir waren überrascht und sagten freudig erregt: Ja!
Es klingt doch auch sinnig, dass man zu den einzelnen Gängen eines fein ziselierten Menüs einen jeweils passenden Wein serviert – und zwar in einer Menge, die nicht dazu führt, dass man bereits vor dem Sorbet beim dringenden Wunsch nach einer Pause und kaltem Wasser die Treppe zu den Erfrischungsräumen runterkullert (alles schon passiert!), weil sechs halbe Flaschen eben doch drei ganze sind.
Was wir nicht ahnten, war, dass auch am Thema „Weinbegleitung“ (WB) Grundsatzfragen hängen. Unlängst waren wir wieder etwas feiner essen und fanden beim Hinsetzen auf dem Tisch die schriftliche Vorab-Information, hier in diesem Lokal gebe es keinerlei WB, und zwar aus Prinzip, denn irgendwie führe diese beim Gast nur zur selben Haltung wie beim TV-Zappen; auf nichts lasse man sich wirklich ein. Solche Konsumhaltung sei aber nicht schön.
Hm. Haben wir also schon wieder jahrelang was falsch gemacht. Die Fehler unseres Lebens summieren sich längst in erschreckender Weise. Wobei – ist der Vergleich ganz glücklich? Wenn man jetzt bei einem Film im Fernsehen nach zehn Minuten merkt, dass er todlangweilig oder albern ist, soll man dann trotzdem ganz stark sein und bis zum Abspann durchhalten? Prompt fällt mir jener Spruch ein, der einst in B. zum Auftakt jedes etwas besseren Familienessens fiel: „Hauptsache, es schmeckt!“ Das ist die reine Lehre.